Zwei Tüftler aus Horn bringen Windkraft ins Wohnquartier
Horn/TG. Windkraftwerke in Wohngebieten gibt es in der Schweiz heute noch keine. In Horn entwickeln zwei Piloten lautlose Anlagen.
Die erste Testserie geht in Produktion, und 2010 sollen die ersten Anlagen verkauft werden.
Die Brüder Daniel (43) und Roman Bühler (48) haben grosse
Erfahrung in Sachen Fliegerei und Aerodynamik. Beide haben
jahrelang als Linien- und Kunstflugpiloten gearbeitet. Roman Bühler
war vor 25 Jahren Gründer und Mitinhaber einer Gleitschirm-Firma;
quasi als Pionier konstruierte er in den 1980er-Jahren Fluggeräte.
Als das Gleitschirmfliegen noch in den Kinderschuhen steckte,
gab es mit Prototypen ein Problem, das Testpiloten in gefährliche
Situationen brachte: das sogenannte Vorschiessen. Der Gleitschirm
geriet ins Schwingen, der Pilot drohte in den Schirm zu fallen.
«Die Konstrukteure standen lange vor einem Rätsel», sagt Bühler.
Aerodynamisches Phänomen
Das Problem wurde mittlerweile ausgemerzt. Und nicht nur das:
Diese anfängliche Instabilität der Gleitschirme machen sich Daniel
und Roman Bühler heute zu Nutzen. Sie entwickeln auf der Basis
dieses aerodynamischen Phänomens seit 2007 Windkraftwerke, bei
denen die Rotorblätter senkrecht auf einer vertikalen Rotorwelle
angeordnet sind.
Das hat einen grossen Vorteil: Im Gegensatz zu horizontal
drehenden Rotorblättern, wie das in Windparks der Fall ist, drehen
die sogenannten H-Rotoren lautlos. Zudem beginnen sie bei
geringstem Wind von selbst zu drehen; sie brauchen keine
Anlaufhilfen wie herkömmliche H-Rotoren, die auf dem Markt sind.
Rotorblätter schützen lassen
Roman und Daniel Bühler entwickeln die Windenergie-Anlagen
semiprofessionell; beide gehen noch einer anderen Arbeit nach. Die
Rotorblätter aus Kohlefasern haben sie schützen lassen. Derzeit
stehen sie in Kooperation mit einer Firma, die geeingete
Generatoren produziert, die die Windkraft in elektrische Energie
umwandeln.
Die in Horn am Bodensee entwickelten Anlagen sind gedacht für
Wohnsiedlungen, landwirtschaftliche Betriebe und die Industrie.
Eine exponierte Lage ist nicht notwendig.
«Unsere Anlagen funktionieren auch in Gebieten mit wenig Wind»,
sagte Daniel Bühler. Wie bei einer Photovoltaik-Anlage
(Solarenergie) kann die Energie vielseitig genutzt und ins Netz
eingespeist werden.
Arbeitsplätze schaffen
Zu welchem Preis ein «Bühler»-Windkraftwerk dereinst zu kaufen
sein wird, kann heute noch nicht präzis gesagt werden. «Wir rechnen
mit einem Preis, wie er für eine Solaranlage bezahlt werden muss»,
schätzt Roman Bühler. Während in diesem Jahr eine Testserie
(A-Serie) gebaut und verfeinert wird, sollen 2010 erste Anlagen
verkauft werden.
Daniel und Roman Bühler sind überzeugt, für ihre «weit gereifte
Idee» Investoren zu finden. Wo die Anlagen in Zukunft hergestellt
werden, ist gegenwärtig noch offen. Zumindest den Vertrieb wollen
die beiden Windenergie-«Tüftler» aber von Horn aus machen. «Wir
wollen in der Region Arbeitsplätze schaffen», sagt Roman Bühler.



























