Zwei Seelen, ach!, in meiner Brust
Von Spinnen und Stränden, der Südsee und SVP-Vorstössen, Appenzellerbeizen, Wurzeln, Schmetterlingen und was mein Neujahrvorsatz mit zwei Heimaten zu tun hat.
Aufgewachsen bin ich im idyllischen Appenzellerland, Kuhwiese neben dem Haus, Aussicht auf viele Hügel und den Bodensee und Jeder kennt Jeden im Dorf. Aber ich habe nicht meine ganze Jugend dort verbracht: Aufgewachsen bin ich aber auch in Neuseeland, einen Traumstrand vor der Haustüre, fast täglich «Fish and Chips» und Eidechsen sowie Schmetterlinge als Haustiere. [space]
Seegurken
Mauke ist eine Insel mit weniger als 400 Einwohnern, mitten im Südpazifik. Sie gehört zu den Cook Islands, dort habe ich ebenfalls einen Teil meiner Kindheit verbracht. Ich erinnere mich an paradiesische Strände und Höhlen, ans Muscheln sammeln und Seegurken essen sowie an die freundlichsten Menschen, die ich in meinem Leben je gesehen habe.
Tönt traumhaft, ist aber gewöhnungsbedürftig: Wir hatten Riesenratten und Giftspinnen im Schlafzimmer, von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens keine Elektrizität und warmes Wasser war allgemein sowieso nur ein unerfüllter Wunschtraum. Und trotzdem: Kein Land, in dem ich schon war, kein Ort auf der ganzen Welt habe ich mehr ins Herz geschlossen als Mauke. Der Südpazifik hat es mir angetan, ist meine zweite Heimat geworden.
«Back to the roots»
Zurück zu meiner ersten Heimat, dem Appenzellerland. Gemeinsam mit einer Freundin entschied ich eines Abends, einmal «etwas anderes» zu machen. Etwas anderes, als immer am Wochenende nach St.Gallen, Winterthur oder Zürich zu fahren. Etwas anderes, im Sinne von «back to the roots». So beschlossen wir guten Mutes, in eine richtig urchige Appenzellerbeiz zu gehen. Gesagt, getan.
Appenzellerbeizen vs. Stadtlokale
Türe auf, und rein mit uns. Selbstverständlich waren wir und bewusst, dass wir die Attraktion des Abends sein würden. Zu allem Überfluss war auch noch «Stobete». Nie und nimmer hätte ich auch nur den leisesten Hauch einer Ahnung gehabt, dass es tatsächlich noch 20-Jährige gibt, die Sennenhemden tragen. Vorwiegend Männer sassen an den Tischen, rauchten Pfeifen, Stumpen, Zigaretten und tranken Bier und Schnaps. Ob an solchen Tischen Ideen für den nächsten SVP-Vorstoss ausgebrütet werden, sei dahingestellt.
Fakt ist: Uns gefiels. Und zwar richtig gut! Der Unterschied zwischen einer urchigen Appenzellerbeiz und den Lokalen in den Städten ist enorm. Für mich und meine Freundin war es eine ausgesprochen wohltuende Abwechslung. Es wird gefurzt, gerülpst, geflucht bis sich die Balken biegen. Den einen gefällts, die andern haben herzlich Mühe damit, es ist Geschmackssache. Eines jedoch ist ganz klar: So eine Beiz und deren Besucher ist um Welten ehrlicher als die oberflächlichen, geschminkten, aufgetakelten Stadtlokale.
Wurzeln und Flügel
Und darum ist mein Vorsatz für das Jahr 2008, auch mal ab und zu in Beizen, an Viehschauen oder an Austrinketen zu gehen. Und damit ich nicht nur meine Wurzeln tiefer schlage, sondern auch wieder einmal die Gelegenheit habe, meine Flügel zu spreizen, werde ich ausserdem im Südpazifik vorbeischauen.



























