Zwei Rücktritte und hitzige Debatten
Reute. Die Jahresrechnung, zwei Vorlagen und die Verabschiedung zweier Amtsträger standen im Mittelpunkt der Orientierungsversammlung.
Der Gemeinderat Reute präsentierte an der öffentlichen Orientierungsversammlung die Jahresrechnung 2007 und die Abstimmungsvorlagen Kreditbegehren Sanierung Liegenschaft Alte Kanzlei und Kreditbegehren Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung im Dorf Reute. Vize-Gemeindepräsident Hanspeter Eugster und Kantonsrat Arthur Sturzenegger wurden verabschiedet.
Der Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger konnte am Montag, 14. April 2008 eine stattliche Anzahl von interessierten Einwohner und Einwohnerinnen in der Pausenhalle des MZG Schulhaus/Kanzlei in Reute begrüssen. Für die öffentliche Orientierungsversammlung standen die Jahresrechnung 2007, die Abstimmungsvorlagen Kreditbegehren Sanierung Liegenschaft „Alte Kanzlei“, das Kreditbegehren Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung im Dorf Reute, sowie das obligate Traktandum Wünsche und Anregungen auf der Traktandenliste.
Jahresrechnung 2007
Bereits zum sechsten Mal in Folge konnte der Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger ein positives Jahresergebnis präsentieren. Die Jahresrechnung 2007 schloss mit einem Ertragsüberschuss von 10’088.65, bei Aufwendungen von Fr. 4’733’929.05 und Erträgen von Fr 4’744’017.70 ab. Innerhalb der letzten fünf Jahre konnte die Gemeinde Reute zum dritten Mal seine Steuern senken.
In den letzten Wochen hat der Kanton Appenzell Ausserrhoden seine Statistiken zum Steuerjahr 2005 bekannt gegeben. Darin ist verzeichnet, dass in der Gemeinde Reute von gut 500 Steuerpflichten 438 Steuerpflichtige die erste Hälfte des gesamten Steuerertrages und gut 62 Steuerpflichtige die zweite Hälfte begleichen. Diese Aussage ist wichtig, um zu überprüfen ob ein so genanntes Klumpenrisiko besteht. Dies ist in Reute nicht der Fall. In der Rangliste um die Steuerkraft liegt die Gemeinde Reute im kantonalen Vergleich auf dem 15. Rang und in der Hitliste der Steuerfüsse in der Mitte.
Enorme Entschuldung
Aus dem internen Finanzbericht, welcher Quartalsweise erstellt wird, ist zu entnehmen, dass sich die Finanzlage seit 1996 extrem verbessert hat. Im Jahr 1996, direkt nach der grossen Schulhaus-Renovation, betrugen die effektiven Schulden Fr. 5’247’000.00 und nun nach rund 11 Jahren betragen die Fremdkapitalien noch Fr. 1’707’000.00. Diese enorme Entschuldung konnte vor allem durch grosse Sparanstrengungen, Budgetdisziplin und natürlich den guten Steuererträgen und dem Anteil an den Goldmillionen vorgenommen werden.
Die Nettoverschuldung ist im vergangenen Jahr auf Fr. 1’071’000.00 gesunken. Die Nettoverschuldung pro Einwohner hat nun einen Wert von Fr. 1’568.92. In der Zusammenstellung der Kennzahlen der Gemeinden, herausgegeben von der BDO Visura und der Stabsstelle Controlling des Kantons wird als „empfohlene Richtgrösse Fr. 3’000.00“ angegeben. Damit befindet sich Reute also in einem guten Trend.
Tiefere Schulkosten
Die Kosten des Ressorts Schule sind leicht gesunken. Gemeinderat Ruedi Rechsteiner kann jedoch die Anwesenden beruhigen, die Qualität der Schule Reute ist nicht gesunken. Die Verbesserung auf der Kostenseite kam vor allem aufgrund der geringen Schülerzahlen an der Oberstufe in Oberegg zustande. Mit Inkrafttreten des KFA werden die Kosten der Berufsschule durch den Kanton übernommen. Deshalb haben die Berufsschulen im Jahr 2007 mit den Gemeinden auf das Kalenderjahr abgerechnet und nicht wie bis anhin pro Schuljahr. Deshalb sind diese Kosten im Vergleich zum Budget recht gross.
Im Bereich Hochbau sind unter dem Jahr an diversen Liegenschaften ungeplante Unterhaltsarbeiten vorgenommen worden. Im der Gemeindekanzlei wurde eine Alarmanlage und andere Einbruchsicherungen installiert. Im Altersheim Watt wurde ein Zimmer unplanmässig neu gestrichen, da dieses Zimmer für kurze Zeit freigeworden ist. Im Ressort Tiefbau hat es einige Verschiebungen in Sachen Winterdienst gegeben. Die Gemeinde Reute hat im Jahr 2006 einen neuen Bauamtstraktor gekauft. Deshalb kann das Bauamt nun selber mehr Winterdienst verrichten, damit sind die Drittleistungen beim Pfaden etwas gesunken.
Gemeinderat Hanspeter Eugster freut sich, dass er im Ressort Soziales gute Zahlen präsentieren kann. Die guten Ergebnisse bei der öffentlichen Fürsorge und im Alters- und Pflegeheim Watt waren dank der aktiven Sozialpolitik, dem konsequenten Kostenmanagement und der leitbildorientierten Heimpolitik der entsprechenden Kommissionen und der Heimleitung möglich.
Die Jahresrechnung 2007 wird am Sonntag, 27. April 2008 den Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zur Abstimmung vorgelegt. Der Gemeinderat Reute empfiehlt die Jahresrechnung 2007 zur Annahme.
Kreditbegehren Sanierung Liegenschaft „Alte Kanzlei“
Genau vor einem Jahr hat der Gemeinderat Reute an einer öffentlichen Versammlung bekannt gegeben, dass er die Liegenschaft „Alte Kanzlei“ sanieren möchte. Dazu wurden ebenfalls verschiedene Varianten beleuchtet. In der Folge entschied sich der Gemeinderat Reute eine umfassende Gebäudesanierung dieser Liegenschaft zu projektieren.
Gemeinderat Hansjörg Niederer gibt nochmals einen Kurzabriss des heutigen Zustands des Gebäudes ab. Der Innenausbau ist sehr alt, die Installationen zum Teil abgeschätzt oder nicht mehr zeitgemäss und die Aussenfassade ist in einem allgemein schlechten Zustand. Viele Jahre wurde an der Liegenschaft keinen Unterhalt mehr ausgeführt, sondern nur das Nötigste geflickt. Die zwei Wohnungen im Gebäude sind noch vermietet, entsprechen jedoch einem sehr minimalen Wohnstandard. Das Gebäude ist ein geschütztes Kulturobjekt und steht in der Ortsbildschutzzone, deshalb ist mit besonderer Sorgfalt zu sanieren.
Die Renovation der „Alten Kanzlei“ soll in drei Etappen ausgeführt werden. Im Jahr 2009 soll die Wohnung Ost, im Jahr 2010 die Wohnung West und im Jahr 2011 die Aussenhülle saniert werden. Die Bautätigkeiten werden mit dem kantonalen Denkmalpfleger abgestimmt und das Haus soll energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Das veranschlagte Kostenvolumen für die Sanierung der Liegenschaft „Alte Kanzlei“ umfasst 1,2 Mio. Franken inklusive Teuerungsreserve. Durch die Etappierung werden die Kosten jeweils zwischen der Investitionsrechnung der Aufnahme eines Baukredits geteilt.
Baukredit auf zwei Jahre
Ausserdem hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr eine Rückstellung von Fr. 250’000.00 für die Sanierung des Gebäudes getätigt. Aus den Berechnungen des Gemeinderates geht hervor, dass die Gemeinde einen Baukredit von Fr. 490’000.00, verteilt auf zwei Jahre, aufnehmen wird. Die restlichen Baukosten werden sich aus der Investitionsrechnung dreier Jahre (Fr. 460’000.00) und der Auflösung der Rückstellung finanzieren. Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger ist überzeugt, dass die Gemeinde Reute mit den heutigen kerngesunden Finanzen, diese Investitionen ohne eine Steuererhöhung ausführen kann. Die zwei neuzeitlichen Wohnungen werden anschliessend wieder zu einem ortsüblichen Mietzins vermietet. Im Abstimmungsedikt ist eine mögliche Mietzinsberechnung angefügt worden.
Die Diskussionsmöglichkeit wird zu diesem Traktandum intensiv genutzt. Einige Personen äussern sich sehr positiv zu dem geplanten Bauvorhaben und dem Kreditbegehren. Die Gemeinde Reute müsse eine Vorreiterrolle wahrnehmen und alte Bausubstanz sanieren um die Gemeinde und auch das Dorf als Wohnlage wieder attraktiv zu machen. Ein Einwohner gibt sich erzürnt darüber, dass die Mietzinsberechnung in den Abstimmungsunterlagen mit je Wohnung Fr. 1’980.00 zu niedrig sei. Er wirft dem Gemeinderat vor, dem Stimmbürger zu verschleiern, dass bei der Vermietung der Wohnungen keine Rendite erzielt werden kann. Das Gebäude soll besser verkauft werden, damit die Gemeinde nicht mehr belastetet sei.
Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger weist nachdrücklich nochmals darauf hin, dass er in den vergangenen drei öffentlichen Versammlungen und im Edikt darauf hingewiesen habe, dass die Wohnungen nicht nach kaufmännischen Grundsätzen vermietet werden können. Im Edikt sei auch deshalb darauf hingewiesen worden, dass sich dannzumalige Mietzins im ortsüblichen Bereich bewegen wird. Ein Votant mag sich erinnern, dass das Gebäude vor etwa 60 Jahren zuletzt neu gestrichen wurde, und bis heute eigentlich keine Unterhaltsarbeiten gemacht wurden. Mehre Einwohner würden es „Sünd und Schad“ finden, wenn die Liegenschaft nicht saniert und stattdessen verkauft würde. Das ehrwürdige Haus ist ein Wahrzeichen von Reute und zu Bedenken sei auch noch, das mit einem Verkauf auch der Umschwung und damit auch die Landreserven dem Einflussbereich des Gemeinderates entzogen würden.
Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger macht die Anwesenden nochmals auf die Notwendigkeit der Gesamtsanierung der Liegenschaft „Alte Kanzlei“ aufmerksam und dass sich die Gemeinde Reute das Bauvorhaben leisten könne. Der Gemeinderat Reute hat die Finanzierung genau überprüft und empfiehlt der Stimmbürgerschaft das Kreditbegehren Sanierung „Alte Kanzlei“ zur Annahme.
Wärmeverbund mit Holzschnitzel-Heizung
Im Zusammenhang mit der Gesamtsanierung der Liegenschaft „Alte Kanzlei“ musste auch eine neue Heizungslösung gefunden werden. Als Vorgabe galten die Grundsätze, dass die Heizung für die Liegenschaft nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt wird und mit erneuerbaren Energie arbeitet werden soll Für die „Alte Kanzlei“ alleine ist eine Sole/Wasser Wärmepumpe geplant. Der Gemeinderat hat sich jedoch im grösseren Rahmen Gedanken gemacht und als Alternative eine Expertise zur Schaffung eines Wärmeverbunds mit einer Holzschnitzel-Heizung im Dorf gemacht.
Im Wärmeverbund sollen die drei Objekte MZG Schulhaus/Kanzlei, MZG Post und die Liegenschaft „Alte Kanzlei“ involviert werden. Die beiden Mehrzweckgebäude werden heute mit je einer Ölheizung betrieben, die jedoch bis ins Jahr 2015 saniert werden müssen. Mit dem Wärmeverbund würden die beiden Oelheizungen ausser Betrieb gesetzt. Die beiden Gebäude verbrauchen zusammen ca. 20’000 Liter Heizeol jährlich. Die Heizzentrale würde auf der Parzelle der Liegenschaft „Alte Kanzlei“ angegliedert. Die Anlage ist so konzipiert worden, dass noch weitere private Wärmebezüger sich am Wärmeverbund beteiligen könnten. Die Effizienz der Heizung würde so natürlich gesteigert.
Die Investitionskosten für den Holzschnitzel-Wärmeverbund betragen Fr. 300’000.00. Bereits sind erste Gespräche mit den umliegenden Grundeigentümern geführt worden. Grundsätzlich zeigten sich alle Umlieger am Wärmeverbund interessiert. Für eine Erweiterung der Heizung der drei Abnehmer der ersten Stunde müsste eine gewisse Anzahl von privaten Eigentümern von Anfang an Wärme beziehen. Nur so kann ein effizientes Fernwärmenetz erstellt werden. Natürlich können auch später noch Neuanschlüsse realisiert werden. Es ist jedoch nicht möglich, ein Fernwärmenetz auf Vorrat zu erstellen. Könnte ein grösserer Wärmeverbund entstehen, würde die Gemeinde Reute den Kredit von Fr. 300’000.00 als Startkapital in den Verbund einbringen.
Eine Rechtsform des Wärmebundes ist noch nicht festgelegt worden. Auch wie die Wärme anschliessend an die Abnehmer verrechnet würde, ist noch nicht fixiert. Falls das Stimmvolk den beiden Kreditbegehren, Sanierung Alte Kanzlei und Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung am Abstimmungssonntag vom 27. April 2008 zustimmt, wird die Projektierungsphase des Wärmeverbunds so vorangetrieben, dass auf das Jahr 2009 alle Fragezeichen geklärt sind. Wichtig ist hingegen zu wissen, dass die Gemeinde Reute den Wärmeverbund nur im Zusammenhang mit der Sanierung der Liegenschaft „Alte Kanzlei“ realisieren kann. Ein Wärmeverbund nur mit den beiden MZG Schulhaus/Kanzlei und Post käme nicht in Frage.
Ökologisch richtig
Die Möglichkeit zur Fragestellung und zum Diskutieren über den geplanten Wärmeverbund wird von den anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner rege genutzt. Die Anwesenden finden es sehr gut, dass sich die Gemeinde Reute für eine ökologisch richtige Heizungsvariante entschieden haben und auf den heimischen Energieträger Holz setzen.
Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger empfiehlt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Annahme des Kreditbegehrens Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung.
Verabschiedung der Funktionäre
Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger würdigt die scheidenden Kommissionsmitglieder Adolf Dietschi, Lautern aus der Hoch- und Tiefbaukommission und Marianne Vogler, Mohren, aus Zählbüro für Wahlen und Abstimmungen.
Nach 12 Amtsjahren hat sich Gemeinderat Hanspeter Eugster zum Rücktritt entschlossen. Seit seinem Zuzug im Jahr 1978 wirkte Hanspeter Eugster in diversen öffentlichen Aemtern mit. Die Liste seiner Tätigkeiten und Aufgaben ist lang und illuster. Gemeindepräsident Arthur Sturzenegger bringt den Anwesenden einen kurzen Abriss aus der Laufbahn von Gemeinderat Hanspeter Eugster zur Kenntnis. Getreu dem Motto von Hanspeter Eugster, ganz oder gar nicht, nahm er immer seine Aufgaben und Pflichten im Rat wahr. Als Abschiedsgeschenk aus dem Gemeinderat und den Kommission erhält Hanspeter Eugster ein Kunstwerk von Gret Zellweger. In seiner Dankesrede sieht Hanspeter Eugster auf seine Tätigkeiten in und rund um den Gemeinderat Reute zurück. Die Arbeit habe ihm immer viel Freude bereitet und habe ihm gezeigt, wie ein Gemeinwesen funktioniere.
Ebenfalls nach 12 Amtsjahren im Kantonsrat tritt Arthur Sturzenegger als Ratsmitglied zurück. Vize-Gemeindepräsident Hanspeter Eugster hält eine Laudatio für Arthur Sturzenegger. Auf der Höhe, nämlich als Kantonsratspräsident, hat Arthur Sturzenegger seinen Rücktritt eingereicht. Arthur Sturzenegger hat während seiner Ratszeit diverse Funktionen und Kommissionssitze inne. Seit dem Jahr 2003 war er Mitglied des Büros des Kantonsrates und im Juni 2007 wurde der als Kantonsratspräsident ehrenvoll gewählt. Die Wahlfeier ihm zu Ehren ist noch allen Einwohnern in bester Erinnerung. Immer wieder war zu spüren, dass Arthur Sturzenegger im Kantonsrat als Parteiunabhängiger die Gemeinde Reute vertreten hat. Als Dank für seine geleisteten Dienst als Kantonsrat und deren Präsident, während einem Jahr, überreicht Vize-Gemeindepräsident Hanspeter Eugster ein Präsent für Arthur Sturzenegger und seine Gattin Lionella. Das Geschenk soll die beiden für einige Tage entführen um die schöne Bergwelt zu geniessen.



























