Zeitgenössischer Tanz der Bodensee-Region beflügelt

SG/TG. Mitte September treffen sich in St.Gallen zeitgenössische Tanzschaffende zur 10. IBK-Künstlerbegegnung. Im Zentrum stehen die grenzübergreifende Vernetzung und der Austausch.

Ein vielfältiges Programm lädt Tanzinteressierte zum Mitmachen und Zuschauen ein und gibt einen Einblick in die zeitgenössischen Tanztendezen um den Bodensee.

«abheben und überfliegen» – lautet das Motto der diesjährigen Künstlerbegegnung der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK), die alle zwei Jahre stattfindet. Die IBK und der Gastgeber-Kanton St.Gallen stellten heute das dreitägige Programm vor.

Dem Tanz Flügel verleihen
„Es ist uns eine Freude, in St.Gallen den Tanzteppich auszurollen“, erklärte Gastgeberin Regierungsrätin Kathrin Hilber. Einerseits werde aktiven Tanzprofis und Fachpersonen aus den IBK-Regionen Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Fürstentum Liechtenstein, Schaffhausen, St.Gallen, Thurgau, Zürich und den beiden Appenzell eine Plattform für Begegnungen und Darbietungen geboten.

Andererseits sei die tanzinteressierte Bevölkerung zum Mitmachen und Zuschauen eingeladen. „Die drei Tage werden die Vielfalt des experimentell ausgerichteten zeitgenössischen Tanzschaffens in der Bodensee-Region erlebbar machen und hoffentlich den regionalen Austausch beflügeln“, sagte Kathrin Hilber. Wenn die Künstlerbegegnung dazu beitrage, Grenzen zu überwinden – innerhalb der Tanzsparte, zwischen Kantonen und Ländern, aber auch zwischen Tanzschaffenden und dem Publikum -, dann habe sie ihr Ziel erreicht. Sie wünsche sich, dass die diesjährige Künstlerbegegnung dem Tanz Flügel verleihe.

Kulturelles Potenzial und Vielfalt der Bodensee-Region
Die IBK möchte die Bodensee-Region als attraktiven Lebens- und Kulturraum fördern und die regionale Zusammengehörigkeit stärken, skizzierte Werner Grabher, Vorsitzender der Kommission Kultur der IBK, die Ziele. Die Künstlerbegegnungen seien ein ausgezeichnetes Gefäss, um die kulturelle Viefalt und ihr Potenzial aufzuzeigen und neue Netzwerke entstehen zu lassen. Praktisch aus jeder Künstlerbegegnung – letztmals im Jahr 2007 in den beiden Appenzell in der Sparte experimentelle Volksmusik – seien durch die länderübergreifende Zusammenarbeit neue, spannende Projekte hervorgegangen. Für die Künstlerinnen und Künstler bedeuteten die Begegnungstage eine Horizonterweiterung. Werner Grabher beglückwünschte den Mitgliedkanton St.Gallen zum farbigen Programm der Tanz-Begegnung. Die Verantwortlichen hätten es ausgezeichnet verstanden, die Ideen der IBK umzusetzen und die Bevölkerung daran teilnehmen zu lassen.

Vielfältiges Programm

Genügend Zeitfenster für Begegnungen und Diskussionen einzuräumen, damit die Gegebenheiten in den verschiedenen Regionen thematisiert werden können, war Gisa Frank Wiederkehr, die für die Durchführung und Organisation der 10. IBK-Künstlerbegegnung verantwortlich ist, bei der Programmierung ein grosses Anliegen. „Mein Wunsch ist ein lustvoller, lebendiger Austausch und dass allfällige Hemmschwellen und Vorurteile abgebaut werden können, damit der zeitgenössissche Tanz auch hier in der Region zum grossen Flug ansetzen kann“, sagte die Choreografin, Performerin und Organisatorin. Entstanden ist ein Veranstaltungsprogramm, das sich zum einen an professionelle Tänzerinnen und Tänzer richtet, sich in Workshops und Aufführungen zu präsentieren und sich gemeinsam für den Tanz einzusetzen. Zum andern ist sie eine Einladung an das tanzinteressierte Publikum, zu sehen, zu staunen und mitzutanzen.

Tanz in der Innenstadt und öffentlicher Ball
Für professionelle Tanzschaffende aus den IBK-Mitgliederländern werden drei Workshops angeboten, die Gelegenheit zum gemeinsamen Experimentieren über die Landesgrenzen geben. Zudem gibt es am Freitag und Samstag vielfältige Angebote für das tanzinteressierte Publikum. Beispielsweise sind am Freitag, zwischen 16 und 18 Uhr, in der St.Galler Innenstadt, die Resultate des ersten Workshops zu sehen. Am Freitagabend wird die Bevölkerung zum grossen Ball in der „Offenen Kirche“ geladen. Diese zeitgenössische Inszenierung alter Ballhaustradition kommt zum ersten Mal nach St.Gallen. Gleichzeitig ist im „Palace“ der Spielfilm „Le Bal – der Tanzpalast“ von Ettore Scola zu sehen.

Aufführungen von neun Tanzkompanien
Der Samstag wird zum Tanzmarathon, der von 10 Uhr bis 23 Uhr dauert. Das Herzstück bilden die Aufführungen der neun eingeladenen Tanzkompanien der IBK-Mitgliederregionen. Dazu gehören: die Tanzkompanie St.Gallen unter der neuen Leitung von Marco Santi (St.Gallen), backsteinhaus produktion/Nicki Liszta (Baden-Württemberg), battleROYAL/Susana Beiro (Fürstentum Liechtenstein), cie bewegungsmelder/Aleksandra Vohl & Natalie Begle (Vorarlberg), Roemmel/Collaud/Hettich (Appenzell Ausserrhoden), Compagnia Monica Gomis/Monica Gomis (Bayern), Kumpane/Tina Beyeler & Andri Beyeler (Schaffhausen), OONA Project/Marisa Godoy (Zürich), Seraina Dejaco Kollaboration/Seraina Dejaco (Thurgau). Die renommierten Choreografinnen und Choreografen und Newcomer zeigen Ausschnitte aus ihren aktuellen Arbeiten.

Neben den Tanzaufführungen in der Grabenhalle finden im ständigen Wechsel im „Palace“ weitere Impulse für und aus der IBK-Tanzlandschaft statt. Auf dem Programm steht das Referat „Mit der Krise tanzen. Warum der Leib beim Abheben mitkommen muss“ von Ludwig Hasler. Weiter stellen sich Organisationen und Ausbildungsinstitutionen aus dem Bereich Tanz vor. Eine Podiumsdiskussion wird sich abschliessend mit den Tanztendenzen um den Bodensee befassen. Das Kulturhaus Palace mit Bar und Bühne ist an den drei Tagen offizieller Treffpunkt.

Auftakt für nachhaltige Tanzförderung
Die diesjährige Künstlerbegegnung ist nicht nur ein bewegtes, bewegendes Fest, sondern auch der Auftakt einer nachhaltigen kantonsübergreifenden Förderung des Tanzes in der Ostschweiz. Acht Ostschweizer Kantone sowie das Fürstentum Liechtenstein machen sich für den Tanz stark und initiierten und subventionierten ein vierjähriges Pilotprojekt, den TanzPlan Ost, der erstmals im 2010 durchgeführt wird bestehend aus einem tourenden Tanzfestival, Choreografie- und Vermittlungsprojekte. An der IBK-Künstlerbegegnung wird der TanzPlan Ost im Detail von der ig-tanz ostschweiz vorgestellt in Anwesenheit vom Lausanner Choreografen Philippe Saire, der die Leitung für das Choreografieprojekt übernimmt.

Es gilt freier Eintritt für sämtliche Veranstaltungen. Für den Ball und die Profi-Workshops ist eine Anmeldung bis 17. September erforderlich.

Thurgau / 07.09.2009 - 10:42:37
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