Wo wurde eigentlich gesucht?
Kommentar. Teufen will das Gemeindepräsidium aufwerten, um valable Kandidaten zu finden. Doch wo und wie wurde bislang eigentlich gesucht?
Dass in der zweitgrössten Ausserrhoder Gemeinde, die gleichzeitig dank einer positiven Einwohnerbilanz als Zugpferd des Kantons gilt, das Gemeindepräsidium zum Volljob werden soll, hat eine gewisse Logik. Es steht fest, dass schon der heutige Gemeindepräsident Gerhard Frey weit mehr arbeitete und präsent war als die rund 50 Prozent, die bis anhin für das Amt veranschlagt wurden; er war in der Situation, sich das leisten zu können, ein Glücksfall für die Gemeinde.
Ein Gemeindepräsident sollte zudem in einer Gemeinde in der Grösse von Teufen kein Verwalter, sondern ein Gestalter sein. Teufen hat trotz einer guten Ausgangslage gewisse strukturelle Aufgaben zu lösen. So lockt die Gemeinde im Mittelland zwar viele Gutbetuchte als Neuzuzüger an, doch schliessen sich gleichzeitig immer öfter die Türen lokaler Gewerbebetriebe und Läden endgültig.
Da stecken einige Herausforderungen, und es ist sicher sinnvoll, diese mit einem ausgewiesenen Profi anzugehen. Und solche kosten Geld. Die Absichten der Initiative sind daher sicherlich im Grundsatz sinnvoll. Fragen stellen sich aber bezüglich der Suche nach einem Nachfolger für Frey. 30 Leute habe man im Auge gehabt, mit sieben davon habe man gesprochen, heisst es in der «Tüüfner Poscht». Wer sind diese Leute, wer hat diese Liste aufgestellt? Warum hat man nicht wie andernorts üblich ganz banal via Stellenanzeige gesucht? Welche Kriterien hat die Findungsgruppe, und wieso sind diese nirgendwo offensichtlich auffindbar?
Es wirkt so, als würde man in Teufen gar nicht unbedingt den «Wägsten und Besten» finden wollen, denn diese Kandidatenkür ist nun wirklich nicht sehr transparent. Möglich, dass sich zu den heutigen Konditionen wirklich niemand finden lässt, der auch geeignet ist für das Amt. Aber man wird den Eindruck nicht los, es sei auch nicht offen genug gesucht worden.
Dass Frey die Segel eigentlich im Mai 2009 streichen wollte, dass also in wenigen Monaten eine Nachfolge hätte gefunden sein müssen: Das wurde in den letzten Monaten viel zu wenig offensiv transportiert. Vielleicht, weil sich die Initiative besser «verkaufen» lässt, wenn kein Kandidat gefunden wird?
Das ist gefährlich. Denn die Initiative, über die man nun nachdenkt, muss dereinst vom Stimmvolk angenommen werden. Eine Fast-Verdoppelung der Vergütung für ein öffentliches Amt hat es nicht leicht, diese Prognose darf man heute schon stellen. Umso wichtiger wäre es, klar offen zu legen und nachzuweisen, dass sich zu den heute geltenden Bedingungen niemand zur Verfügung stellen will. Ansonsten wird man an der Urne Schiffbruch erleiden.