Witze kommen aus der Volksseele
Gais/AR. Am Witz-Slam in Gais gewannen der Ausserrhoder Hans Sturzenegger und die Innerrhoderin Maria Graf.
Der erste Ausserrhoder Appenzeller Witz-Erzähl-Wettstreit, organisiert von H.R. Fricker und Susanna Wettstein, am Freitag dem 13. im Hotel Krone in Gais, war ein grosser Erfolg. Es wurde gelacht und geklatscht. Im Mittelpunkt stand der unverwüstliche Appenzellerwitz.
Witze sind Teil der Volkskultur. Sie waren schon immer ein Ventil, um das zu sagen, was man in der Öffentlichkeit nicht zu sagen wagte. Der Witz erlaubt Autoritäten anzugreifen, Festgefahrenes in Zweifel zu ziehen, Erhabenes auf den Boden zu bringen oder über Sexualität zu reden. Der Appenzellerwitz hat Tradition. Er gehört als fester Bestandteil zu den Auftritten von Appenzellermusikern an Unterhaltungen. Unter Kollegen, am Stammtisch, an lustigen Abenden wurden schon immer Witze erzählt. Die Appenzeller erzählen Witze und sind selber Ziel vieler Witze. Konzeptkünstler H.R. Fricker, Trogen und die Musikantin Susanna Wettstein, Jakobsbad haben unter „Appenzellisches Kulturgut neu verpackt“ den ersten Witz-Erzählwettstreit organisiert. Der Witz (nicht der blöde Witz) soll als Kulturgut in ein gutes Licht gerückt werden. Vorbild für diesen Anlass waren Poetry-Slam-Veranstaltungen, an denen die Autoren selbst verfasste Kurztexte vortragen und von einer Publikums-Jury bewerten lassen. Die Idee hat ins Schwarze getroffen, das Interesse der Kulturkommission und dasjenige der Öffentlichkeit wurden geweckt. Hansruedi Fricker sagte bei seiner Begrüssung: «Wotz heisst Witz ohne Zensur, Wog ohne Gewähr.»
Und doch nicht unter der Gürtellinie
Zu den Klängen der Kapelle Alpstää-Nixen – der auch die Gaiser Lehrerin Susanna Wettstein angehört, welche dieses Mal aber beim Billetverkauf stand – füllte sich der grosse Saal rasch. An den runden 12er-Tischen kamen die Gäste, bei gutem Essen aus der Kronenküche, bald ins Gespräch. Es galt, gemeinsam die Witz-Erzähler zu punktieren, denn jeder Stammtisch bildete eine eigene Jury. Drei Männer und zwei Frauen waren ausgesucht worden, um Witze zu erzählen: Maria Graf, Appenzell; Marie Gätzi, Gonten; Matthias Nüesch, Lutzenberg; Hans Sturzenegger, Speicher, und Köbi Steingruber, Stein. Der Altersunterschied zwischen dem jüngsten Teilnehmer und der ältesten Teilnehmerin betrug 50 Jahre. In drei Kategorien hatten sie je zwei Witze vorzutragen, die bewertet wurden: im Appenzeller Witz, im politischen und im unschicklichen Witz, wobei wie man weiss, dass zum Appenzeller Witz fast immer eine offene oder versteckte Unschicklichkeit gehört. Auch um sich vorzustellen und um sich zu verabschieden, bedienten sich die Witzerzähler eines Witzes. Es waren durchwegs herrliche Darbietungen. Diejenigen mit dem Appenzellerdialekt hätten es besser, da sei schon die Sprache lustig, meinte eine Zuschauerin. Der einzige, der keinen Appenzeller Dialekt sprach, war der Poetry Slamer Matthias Nüesch. Er hatte in diesem Umfeld einen etwas schwereren Stand. Die Lacher auf ihre Seite zogen vor allem Hans Sturzenegger und Maria Graf. Bewertet wurden die Erzählweise und die Qualität des Witzes. Es waren Punkte zwischen sechs und zehn zu vergeben. Die höchste Punktzahl erreichte Hans Sturzenegger, der in seiner ganzen Natürlichkeit so echt wirkte, und der, als Hackbrettspieler bei den «Warth-Buebe», das Witze-Erzählen gewohnt ist. Auf Rang zwei kam Marie Graf.
Die fünf Witz-Wettstreiter, die, wie die Alpstää-Nixen, keine Gagen verlangten, hatten alle einen grossen Applaus verdient. Es ist nicht möglich, die vielen lustigen Witze wiederzugeben, ein unschicklicher von Maria Graf aber sei doch erwähnt: «En 92jöhrige Millionär hät ganz e Jungi ghürote. Em Tag noch de Hochzig isch si met emene veblaarete Gsicht dör d Stross. D Nochbüüri häd gfroget ,Bisch nüd glöcklech, jetzt häsch doch en Millionär, häsch denn kä schöni Hochzignacht gkaa?» «Nee», häd da jung Fräuli gmänt‚ «I ha nüd gwesst wies goht ond er häts vegesse!» E.F.



























