Wirtschaftsethiker Thielemann in der Kritik
St. Gallen. Ulrich Thielemann, Dozent für Wirtschaftsethik an HSG, gerät wegen seiner Aussagen zum Bankgeheimnis vor dem Deutschen Bundestag zunehmend unter Druck.
HSG-Rektor Ernst Mohr wirft ihm einen «groben Fehler» vor. Thielemann habe mit seinem Auftritt in Berlin dem Image der Universität St. Gallen geschadet, sagte Mohr in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» vom Montag. Angesichts der aufgeheizten Diskussion um das Schweizer Bankgeheimnis seien die Aussagen des HSG-Dozenten in Berlin «äusserst unpassend» gewesen.
«Es fällt mir schwer, in dieser Situation meinen Dozenten zu verteidigen», sagte Mohr. Er wolle allerdings zuerst den Sachverhalt anhand der Protokolle aus Berlin genau studieren. Der Rektor schloss eine Entlassung Thielemanns nicht aus: «Jeder Angestellte der HSG kann entlassen werden.»
Fehlendes Unrechtsbewusstein
Thielemann hatte in einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestags der Schweiz fehlendes Unrechtsbewusstsein im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Steuerbetrug angekreidet.Er wirbelte damit viel Staub auf. Der frühere HSG-Professor und alt Nationalrat Franz Jaeger forderte Thielemanns Absetzung.
Thielemann selbst verteidigte sich in einer Stellungnahme im «St. Galler Tagblatt». Der Vorwurf des fehlenden Unrechtsbewusstseins richte sich an die politischen Exponenten und nicht etwa an die Schweiz pauschal. Seine Aussagen seien in den Medien zum Teil unvollständig zitiert worden, so Thielemann.
Kölliker: Im Moment kein Handlungsbedarf
Der St. Galler Erziehungsdirektor Stefan Kölliker erklärte gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz von Radio DRS, Thielemann habe bei seinen Aussagen zum Bankgeheimnis «ein gewisses Fingerspitzengefühl vermissen lassen». Kölliker sieht aber im Moment keinen Handlungsbedarf, wie er sagte.



























