Wiedereinstieg für Arbeitslose muss erleichtert werden
St. Gallen. Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise führt zu einer steigenden Zahl von Stellensuchenden und Arbeitslosen.
Das Volkswirtschaftsdepartement will mit einem Bündel von Massnahmen jene Zielgruppen schwergewichtig unterstützen, die besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Es sind dies Jugendliche, Ältere, Geringqualifizierte und Leute mit einer Mehrfachproblematik.
In der Hochkonjunkturphase 2004 bis 2008 sank die Anzahl der Stellensuchenden bis Ende August 2008 auf unter 7000 (2,9 Prozent). In den letzten acht Monaten stieg die Zahl jedoch rasch an auf 11’272 Stellensuchende (4,6 Prozent) Anfang Mai, was einer Zunahme von 60 Prozent entspricht. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Die Kurzarbeitsgesuche haben Ende Mai mit 459 Betrieben und 15’319 betroffenen Mitarbeitenden einen neuen Höchststand erreicht“, informierte Regierungsrat Josef Keller an der heutigen Medienorientierung.
Die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV) spielt eine Schlüsselrolle. Die RAV können dank ihrer Erfahrung bei steigender Arbeitslosigkeit rasch reagieren, neue Kurse und Programme aufstellen und auch bei grösseren Entlassungswellen unverzüglich ein Auffangnetz aufziehen (z.B. Betriebliches Arbeitsmarktzentrum). Dafür musste der Personalbestand angepasst werden. Das Amt für Arbeit hat seine Mitarbeiterzahl in den letzten 8 Monaten von 245 um 36 auf 281 aufgestockt.
Erfolgreiche Berufspraktika
Besonders betroffen im gegenwärtigen Wirtschaftsabschwung sind die Jugendlichen zwischen 20 und 24 Jahren mit einer Stellensuchenden-Quote von 7,4 Prozent, ältere Stellensuchende 50+, gering und einseitig Qualifizierte sowie Personen mit einer Mehrfachproblematik (gesundheitliche, soziale, psychische, Suchtprobleme etc.). Das Augenmerk der Arbeitsmarktbehörden richtet sich in erster Linie auf diese Gruppen.
Bei jungen Erwachsenen nach der Lehre sind Berufspraktika nach wie vor eine der erfolgreichsten Massnahmen zur beruflichen Eingliederung. Dieses dauert sechs Monate und zielt darauf ab, den jungen Berufsleuten erste Erfahrungen im erlernten oder einem verwandten Berufsfeld zu vermitteln, die beruflichen Kenntnisse zu vertiefen und allfällig vorhandene Lücken aus der Ausbildung zu schliessen. Im Jahr 2008 konnten rund 110 Praktikumsstellen besetzt werden. Davon fanden 60 junge Erwachsene eine Festanstellung. Als sehr sinnvoll erweist sich im Übrigen der Pilotversuch mit dem Amt für Berufsbildung für Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die im ersten Jahr nach Schulschluss durch die Berufsberatung in arbeitsmarktliche Massnahmen eingewiesen werden.
Gute Resultate weisen die Göttisysteme TanDem für junge Erwachsene und für Stellensuchende über 50 aus. Teilnehmer an Tandem 50plus konnten erfolgreicher in den Arbeitsmarkt integriert werden als Stellensuchende, die nicht daran teilnahmen. Diese Massnahme wurde nun definitiv eingeführt. Aktuell beträgt die Vermittlungsquote sehr gute 50 Prozent. Die Älteren haben in der gegenwärtigen Wirtschaftslage das Problem, dass sie zwar weniger schnell arbeitslos werden, wenn sie es jedoch sind, der berufliche Wiedereinstieg viel schwieriger ist. Das zeigt eine Zahl: Bei den Langzeitarbeitslosen sind 36 Prozent über 50, jedoch nur 7 Prozent 15- bis 24-jährig.
Spezialisierte IIZ-Beraterinnen
Für Geringqualifizierte bietet das Amt für Arbeit eine bewährte Palette von Programmen, speziell für diese Zielgruppe: Einsatzprogramme (wie Recycling, für Holz, Metall, Textilien, alle mit zwölf Bildung&Coaching-Tage, Teilzeit und Schicht möglich, frühzeitiges Aufgebot), OKP-Kurse (Orientierung, Kommunikation, Praktikum), Standortbestimmungs- und Bewerbungskurse.
Bei Arbeitslosen mit Mehrfachproblematiken konnte dank speziell ausgebildeter IIZ-Personalberaterinnen und -berater (IIZ = Interinstitutionelle Zusammenarbeit) die Zusammenarbeit unter den Sozialversicherungen verbessert werden. Für den Versicherten erleichtert dies einiges, er hat nur eine Ansprechsperson.
Pool der RAV nutzen
Als Folge der aktuellen Wirtschaftskrise führen schweizweit immer mehr Unternehmen Kurzarbeit ein. Dies gibt den Betrieben Gelegenheit, die Konjunkturkrise für die berufliche Qualifizierung der Mitarbeitenden zu nutzen. In diesem Jahr sind bereits 50 Weiterbildungsgesuche von über 20 Unternehmen bewilligt worden. Das gab es in früheren Jahren noch nie.
Regierungsrat Keller appellierte an der Medienorientierung an Bevölkerung sowie öffentliche und private Arbeitgeber, Arbeitsplätze nicht auf Kosten von Jugendlichen abzubauen und für Übergangslösungen (Berufspraktika) für Lehrabgänger den Pool in den RAV ihrer Region zu nutzen. Für die TanDems für junge Erwachsene und Personen über 50 werden weitere Mentorinnen und Mentoren, also berufserfahrene Erwachsene, gesucht.



























