«Wie im Himmel – Szenen aus dem Leben alter Menschen»

Weinfelden/TG. Im Kongresszentrum Thurgauerhof wird am 6. Mai das Theater «Wie im Himmel – Szenen aus dem Leben alter Menschen» aufgeführt.

Fünf bis zehn Prozent aller Betagten machen Erfahrungen mit offener oder versteckter Gewalt – vor allem dann, wenn sie pflegebedürftig sind oder in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Ein Tabu, das leider nur bei tragischen Vorfällen in die Schlagzeilen kommt.

Die unabhängige Beschwerdestelle für das Alter UBA Ostschweiz setzt sich für betagte Menschen ein und bietet Hilfe bei Konflikten, Misshandlung, Respektlosigkeit, Gewalt oder Übergriffen im Altersbereich. Als unabhängige und neutrale Beschwerdestelle für das Alter setzt sie sich auch für präventive Massnahmen in diesem Bereich ein und organisiert für die Öffentlichkeit und alle Interessierten eine interaktive Theateraufführung zum Thema Gewalt und Übergriffe im Betagtenbereich, am 6. Mai 2009 um 19.30 Uhr im Kongresszentrum Thurgauerhof, Weinfelden.

Betagte Menschen wehren sich kaum, wenn sie seelisch missachtet oder körperlich misshandelt werden. Ihre Kräfte reichen dazu oft nicht aus, besonders dann, wenn sie pflegebedürftig oder auf regelmässige Unterstützung angewiesen sind. Die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter Ostschweiz unterstützt Betroffene unbürokratisch und direkt. Kompetente Fachleute der UBA vermitteln bei Problemen und verschaffen alten Menschen Gehör. Sie arbeiten diskret und unabhängig von Behörden und Institutionen. Sie suchen schichtende Gespräche mit den Betroffenen, den Angehörigen und den Heimleitungen und legen Wert auf einvernehmliche Lösungen für alle Beteiligten. Oftmals hilft auch ein Hinweis oder die Information, welche andere Fachstelle noch besser geeignet für eine Unterstützung wäre. Die Anlaufstelle ist täglich von 14-17 Uhr unter Tel. 058 450 60 60 erreichbar.

Langjährige Pflege zu Hause

In der Pflege zu Hause bleiben Übergriffe häufig unaufgedeckt, leben doch viele Betagte von der Aussenwelt isoliert. Gewalt in der Pflege ist meist Ausdruck von Überforderung. Wer Angehörige über Jahre hinweg pflegt, stösst kräftemässig oft an Grenzen. Dadurch können sich Beziehungen verschlechtern. Auch in der professionellen Pflege, durch ambulante Organisationen oder in Institutionen, passieren Übergriffe. Hier sind es die hohe Arbeitsbelastung, eine geringe Wertschätzung oder die emotionale Überforderung, die zu Gewalt an Patienten führen. Anderseits werden auch betagte Patientinnen und Patienten, die ihre Abhängigkeit nicht aushalten, manchmal gewalttätig. Eine starke Belastung für pflegende Angehörige genauso wie für professionelle Pflegepersonen. Auch Sie können sich an die UBA wenden.

Das Gespräch suchen

Weil sie keinen Ausweg sehen und fürchten, von ihrer Familie oder von Hilfsorganisationen nicht mehr betreut zu werden oder aber im Heim den Pflegeplatz zu verlieren, nehmen viele alte Menschen die schlechte Behandlung hin. Und weil sie keinen Konflikt provozieren oder den Job nicht verlieren möchten, verschliessen Drittpersonen, die Übergriffe in ihrem Umfeld vermuten, oft die Augen. Hier möchte die UBA ihre vermittelnden Dienste anbieten und mithelfen, dass die Würde der alten Menschen respektiert wird.
Die UBA ist täglich von 14 bis 17 Uhr über die zentrale Hotline 058 450 61 61 erreichbar. Die Anfragen werden von Ruth Meisser, der Leiterin der Regionalstelle UBA Ostschweiz, an eine der zehn ehrenamtlich tätigen Fachpersonen weitergeleitet. Darunter finden sich Pflegefachleute, Heimleiter, Juristen, Finanz- und Versicherungsexperten. Diese suchen das Gespräch mit den Beteiligten, analysieren die Situation und schlagen konkrete Massnahmen vor.

Aktive Prävention
Neben ihrer Schlichtungsarbeit will die UBA Ostschweiz vermehrt präventiv tätig werden. Mit öffentlichen Anlässen und Weiterbildungsangeboten für Organisationen greift sie das Tabuthema Gewalt auf. Das interaktive Theater Knotenpunkt inszeniert auf provokativ-humorvolle Weise das berührende Stück „Wie im Himmel – Szenen aus dem leben alter Menschen“. Es zeigt Betreuende, die Betagte bevormunden, aber auch solche, die selbst zum Opfer von aggressiven alten Menschen werden. Das Publikum wird motiviert, aktiv ins Bühnengeschehen einzugreifen und die Figuren auf der Bühne nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die Folgen des eigenen Handelns können so unmittelbar erfahren werden. Das interaktive Forumtheater mit professionellen Schauspielerinnen und Theaterpädagogen schafft einen emotionalen Zugang zum Thema Gewalt im Alter. Was ist Gewalt, wie entsteht sie? Wer ist Täter und wer ist Opfer ? Wodurch wird Gewalt begünstigt ? In welchen Situationen neige ich zu Gewaltanwendung ? Wie wird gewaltfreie Kommunikation möglich? Gewalt ist berührend – physisch und psychisch.

Eine aktive Begegnung mit dem Thema Gewalt ist möglich am Mittwoch, 6. Mai, um 19.30 Uhr im Kongresszentrum Thurgauerhof, Weinfelden. Zusätzliche Infos: www.uba.ch, www.knotenpunkt.ch.

Arten von Gewalt
Körperliche Gewalt: Schlagen, Zufügen von Verbrennungen, Festhalten oder Festbinden, Verabreichung von überdosierten Medikamenten, Sexueller Missbrauch oder Übergriffe

Emotionale Gewalt: Beschimpfungen, Drohungen, Beleidigungen, Einschüchterungen, Demütigungen, Liebesentzug, Einschränkung des freien Willens, Isolierung, Schweigen

Finanzielle Ausbeutung/Unterdrückung: Entwendung von Geld oder Gütern, Unterbindung der Verfügungsmacht, Streichung des Taschengelds, Nötigung beim Verfassen des Testaments

Vernachlässigung: bewusstes Unterlassen der notwendigen Pflege, Verweigerung der Versorgung mit Essen und Medikamenten

Alternative:

Arten von Gewalt
Zu den körperlichen Übergriffen zählt man neben Schlägen das Festbinden und die Verabreichung überdosierter Medikamente. Auch alte Menschen machen sexuelle Gewalterfahrungen. Drohungen, Demütigungen, Liebesentzug und Isolation gelten als emotionale Gewalt. Bei der Streichung des Taschengelds und der Nötigung beim Verfassen des Testaments geht es um finanzielle Ausbeutung oder Unterdrückung. Unter Vernachlässigung versteht man das bewusste Unterlassen der notwendigen Pflege sowie das Verweigern von Essen und Medikamenten.

Thurgau / 27.04.2009 - 08:15:44
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