Widerstand gegen Umzonung des Raduner-Areals
Horn. Am Mittwoch entscheidet eine ausserordentliche Gemeindeversammlung in Horn über die Umzonung des Raduner-Areals am See. Das Geschäft ist umstritten. Im Dorf regt sich Widerstand.
Das Areal der ehemaligen Textilfabrik Raduner umfasst rund 33 000 Quadratmeter. Das Land am See liegt gegenwärtig in der Dienstleistungs- und Fremdenverkehrszone. Der Gemeinderat beantragt der Gemeindeversammlung, das Land in die Wohnzone für höhere Häuser zu überführen. Der Grund: Investoren wollen das Areal überbauen.
Die Swissbuilding Concept AG, St. Gallen, hat ein Projekt erarbeitet, das den Bau von acht Wohnhäusern mit fünf bis neun Etagen vorsieht. Sie will über 100 Millionen Franken investieren. Gegen den Gestaltungs- und Teilzonenplan gingen im Spätsommer 2007 eine Handvoll Einsprachen ein. Der Gemeinderat hat sie abgewiesen.
«Pro-Horn» gegen Vorstadt
Die acht geplanten Häuser stellen für den Verein «Pro-Horn» eine Vorstadt dar, die nicht ins dörfliche Konzept von Horn passe und immer ein Fremdkörper bleiben werde, wie es in einem Flugblatt heisst, dass letzte Woche in die Briekästen von Horn flatterte.
«Pro-Horn» wird der Gemeindeversammlung am kommenden Mittwoch beantragen, das Geschäft an den Gemeinderat zurückzuweisen, wie es auf dem Flugblatt heisst. «Pro-Horn» stört sich auch daran, dass der Gemeinderat von Horn argumentiere, die geplante Grossüberbauung sei notwendig, um die teure Sanierung von Altlasten zu finanzieren.
Den Grundeigentümern sei vom Kanton Thurgau mitgeteilt worden, dass ohnehin ein Sanierungsprojekt erarbeitet werden müsse, schreibt «Pro-Horn» dazu. Das Verfahren ist derzeit beim Thurgauer Verwaltungsgericht hängig, wie Jürg Hertz vom kantonalen Amt für Umwelt am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigte.
Der Boden ist belastet
Die Sanierung des belasteten Bodens auf dem Raduner-Areal sei zum Schutz des Grundwassers nötig und vorgeschrieben, sagt Hertz. Falls diese Sanierung niemand zahlen könne, springe der Staat ein. Allerdings, präzisiert Hertz, würde das Raduner-Areal danach nicht aus dem Altlasten-Kataster entlassen. Dafür bräuchte es noch mehr.
Eine umfassende Sanierung und Entsorgung des kontaminierten Bodens, die zu einer Entlassung aus dem Kataster führte, dürfte laut Hertz erheblich grössere Kosten auslösen als die gesetzlich vorgeschriebene Sanierung. Es seien zweierlei Sachen, so Hertz. Für eine Wohnüberbauung sei ein Altlastenkataster-Eintrag ein Makel.
Hässliche Industriebrache
Das Raduner-Areal am See in Horn liegt seit 18 Jahren brach. Wo seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis Ende der 1980er-Jahre zweitweise bis zu 500 Frauen und Männer Stoffe veredelten, verkaufen heute Altwaren-Händler Sofas, Autos, Geschirr und Mäntel. In den hässlichen Ruinen ist neuerdings auch ein Kampfsport-Schule.
In der Hoffnung, neue Arbeitsplätze zu generieren, schied der Gemeinderat von Horn das Land 1990 er Dienstleistungs- und Fremdenverkehrszone zu. Bis Anfang 2006 blieben alle Anstrengungen umsonst, für das Land an privilegierter Lage Käufer zu finden. 2006 kaufte die Swissbuilding Concept AG die 33 000 Quadratmeter Land.
Dass auf einstigem Industrieland am Seeufer Wohnraum entsteht, ist im Trend. Der Kanton Thurgau hat unlängst grünes Licht gegeben für die Planung von Wohnraum auf dem Areal des Saurer-Werks 2 in Arbon. Auch in Staad SG sind auf ehemaligem Industriegebiet direkt am See Wohnhäuser entstanden. Andere Projekte sind in der Planung.



























