Wichtiges Kapitel internationaler Psychiatriegeschichte
Herisau. Neben einer Ausstellung im Museum und einem Buch gibt nun auch ein neu entstandenes Theaterstück gewagte Einblicke in Leben und Psyche des begabten Psychiaters Hermann Rorschach.
So ein Test-Theater
Der Erfinder des Rorschach-Tests war nicht nur ein begnadeter Psychiater und Forscher, sondern auch Zeichner, Bastler und nicht zuletzt auch ein begeisterter Theatermann. Aber wie lässt sich dieses Multitalent und sein Verfahren heute nach rund 100 Jahren überhaupt noch verstehen?
Dieser Frage widmet sich ein neu erarbeitetes Theaterstück, das aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden (PZA) im dortigen Krombachsaal am 5. September uraufgeführt wird.
Theater am Originalschauplatz
Die Archivarin und Autorin Iris Blum erhielt 2006 den Werk- und Förderbeitrag der Ausserrhodischen Kulturstiftung, um den Theaterstoff „Herr Rorschach“ zu recherchieren und zu einem Bühnenstück zu gestalten.
Das in Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen Severin Perrig entstandene Stück wird nun vom Theater-Team um den in Zürich und Hamburg tätigen Regisseur Wolfgang Beuschel im Krombachsaal des PZA realisiert. Ein Originalschauplatz, wo auch Hermann Rorschach immer wieder seine Theaterabende mit Gastschauspielern, Pflegepersonal und Patienten veranstaltete.
Piano-Mann und Rorschach
Das Stück „Herr Rorschach“ berichtet von einem am Bodensee aufgefundenen, gedächtnislosen Mann, der sich in einer psychiatrischen Klinik einem Rorschachtest zur Abklärung seiner Persönlichkeit unterziehen muss. Was er dabei zu den Rorschach-Tafel-Bildern mit Worten und Musiktönen assoziiert, formt sich zu kleinen theatralischen Szenen. Diese berichten von der Zeit der Entstehung des Rorschachtests vor rund 100 Jahren. Darin tauchen der Psychiater Hermann Rorschach, seine Frau Olga und damaliges Pflegepersonal und Patienten auf. Speziell ein religiöser Sektenguru namens Binggeli sorgt zusammen mit dem Haustier-Affen von Hermann Rorschach für Aufregung ganz unterschiedlicher Art.
Im Verlauf der Szenen wird immer deutlicher, dass der gedächtnislose Mann dem Sektierer Binggeli ähnelt. Ist das alles nur Zufall? Was denkt Rorschach darüber? Und wer steckt denn nun eigentlich wirklich hinter diesem verwirrten Mann? Etwa ein apokalyptischer Bodenseevergifter? Bringt ihn jetzt das Ergebnis seines Rorschachtestes ins Gefängnis?
Fallensteller auf der Bühne
Der Test als eine Art Falle: Sie sagen, woran Sie denken und wir sagen Ihnen, wer Sie sind. Ob das nur gut geht?
Das Stück verspricht rund 75 Minuten ungewohnte Unterhaltung, indem es Gegenwart und Vergangenheit, Bekanntes und Ungewohntes, Sprache und Musik um den Rorschachtest und seinen Erfinder miteinander konfrontiert. Verkörpert werden die Figuren des Stücks von der Schauspielerin Anna Schindler und den Schauspielern Marco Zbinden und Markus Keller, wobei letzterer auch für die musikalische Begleitung sorgt.
Eckdaten zur Uraufführung:
Premiere: 5. September 2008, 20 Uhr
Vorstellungen: 12./13. September, 20 Uhr
21. September, 14 Uhr und 18 Uhr
Herisau, Psychiatrisches Zentrum Appenzell Ausserrhoden, Krombachsaal
Reservationen Museum Herisau 079 377 34 43
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