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«Wichtig für heranwachsende Generationen»

AR. HarmoS ist vielerorts umstritten. In St. Gallen, Graubünden, Thurgau und Luzern ergriffen Bürgerliche und die SVP das Referendum. Doch was würde sich bei einer Annahme verändern?

Die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung für obligatorische Schulen (HarmoS) sieht in ihren zentralen Punkten vor, die Dauer und Ziele der Bildungsstufen und deren Übergänge Schweizweit zu harmonisieren, sowie die Anerkennung von Abschlüssen zu vereinheitlichen.


Das Schweizer Volk hat am 21. Mai 2006 den Grundstein für HarmoS gelegt. Der revidierte Bildungsartikel, welcher die Zuständigkeiten im Bildungswesen bestimmt, wurde in die Bundesverfassung aufgenommen. Die Schweizweite Koordination wichtiger Eckwerte liegt gemäss Verfassung im Aufgabenbereich der Bildungsverantwortlichen.

HarmoS: Qualität und Mobilität?
Neu müssten alle Kinder ab 4 Jahren obligatorisch die Vorschulstufe besuchen und die Schulen Einrichtungen für Tagesstrukturen zur Verfügung stellen. Ausserdem würde ein Benotungssystem auf allen Unterrichtsstufen eingeführt. Das oberste Ziel der Befürworter von HarmoS: Die Qualität und die interkantonale Mobilität zu verbessern.

Spätestens bis 2014/2015 umgesetzt
Mindestens 10 Kantone müssen für HarmoS stimmen, damit es in Kraft gesetzt wird. Wirksam wird das Konkordat jedoch nur in jenen Kantonen, die dem Konkordat auch beitreten. Die Umsetzung sollte spätestens auf das Schuljahr 2014/2015 erfolgen.

Im Ausserrhoder Kantonsrat wird dieses Thema wohl erst im nächsten Jahr zum Traktandum werden. Doch die SVP und weitere Gegner der Vereinbarung haben bereits angekündigt, dagegen das Referendum zu ergreifen.

Für das Referendum würde das Gegner-Komitee mindestens 4’000 Unterschriften benötigen, um die Vereinbarung vors Volk zu bringen. appenzell24.ch wollte von Rolf Degen, Bildungsdirektor Appenzell Ausserrhoden, wissen, weshalb diese Vorlage abzulehnen oder zu befürworten ist.


Herr Degen, wie wichtig ist eine Annahme der HarmoS für die Schweiz und für die Kantone?


Rolf Degen: Der vom Schweizer Volk mit überwältigendem Mehr angenommene revidierte Bildungsartikel in der Bundesverfassung bringt auch den Willen zum Ausdruck, Mobilitätshindernisse abzubauen und die Qualität und Durchlässigkeit des Systems «obligatorische Schule» zu verbessern. Insofern ist das Konkordat HarmoS für die heranwachsende Generation von Lernenden wichtig.

Welche wesentlichen Veränderungen würde die HarmoS für den Kanton Appenzell Ausserrhoden bringen?


Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat sich bereits in der Vergangenheit um Kooperation und interkantonale Abstimmung des Schulsystems bemüht. Konkret wird auf Gesetzesstufe der Eintritt in den Kindergarten um 3 Monate vorverlegt und grundsätzlich als obligatorisch deklariert. Zudem wird das 9. Schuljahr für alle Lernenden obligatorisch. In der heutigen Realität im Kanton AR besuchen aber bereits rund 95 Prozent der Lernenden den 1. Kindergarten und 96 Prozent ein 9. Schuljahr.

Die anderen Anpassungen über HarmoS dienen der Qualitätsmessung und –steigerung und erlauben uns, Synergien und Mittel durch die gesamtschweizerische Kooperation besser zu nutzen. Beispielsweise mit einem gemeinsamen Lehrplan und koordinierten Leistungsmessungen.

Was für Folgen hätte eine Nicht-Annahme der HarmoS?


Die Zielsetzungen der verbesserten Durchlässigkeit und des gesamtschweizerischen Bildungsmonitorings würden nicht erreicht. Die interkantonale Kooperation würde fortgesetzt.

Die SVP und bürgerliche sagen, dass die HarmoS in die Bildungshoheit und Schulautonomie des Kantons und den Erziehungsauftrag der Eltern greife. Was sagen Sie dazu?


Das Konkordat setzt einen politisch diskutierten Rahmen und sichert ein gemeinsames Qualitätsverständnis und die Überprüfung. Der Handlungsspielraum der Kantone für fachlich und gesellschaftlich begründete Entwicklungen bleibt bestehen.

Der Erziehungsauftrag der Eltern wird in keiner Weise in Frage gestellt oder beeinträchtigt. Bereits heute unterstützt die Schule, beziehungsweise die Gesellschaft die Eltern, welche den Erziehungsauftrag in der ganz grossen Mehrheit verantwortungsvoll wahrnehmen.

Würde durch diese Vereinheitlichung auch ein sozialer Ausgleich und bessere Bildungschancen für alle Schüler gewährt?


HarmoS bildet einen Rahmen für die Ausgestaltung der kantonalen Schulsysteme und gute Voraussetzungen für die Kantone, sich am Ziel des sozialen Ausgleichs, an guten Bildungschancen und Schul-, beziehungsweise Berufslaufbahnen der Lernenden, auszurichten. Entscheidend ist aber, dass die Kantone den gegebenen Rahmen inhaltlich durch geeignete Massnahmen nutzen.

Der Kantonsrat AR wird sich voraussichtlich im nächsten Jahr mit HarmoS beschäftigen. Wie wird er sich wohl entscheiden?


Als Bildungsdirektor will ich einem möglichen Entscheid des Parlaments nicht vorgreifen. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Bereitschaft zur gesamtschweizerischen Harmonisierung zusammen mit dem Willen eine zukunftsgerichtete, qualitativ gute und auf die gesellschaftlichen Entwicklungen Rücksicht nehmende Entwicklung der Volksschule im Parlament getragen wird.

In St. Gallen, Graubünden, Thurgau und Luzern wurde vom bürgerlichen Komitee bereits das Referendum gegen HarmoS ergriffen. Wird es in Appenzell Ausserrhoden auch soweit kommen?


Diese Frage kann ich nicht beantworten. Persönlich würde ich es als konstruktiven Weg begrüssen, wenn ein über alle Parteien hinausgehender Konsens in der Zustimmung zu HarmoS gefunden werden könnte. Zudem sollten wir die Energien und Ressourcen für wichtige und auch kontroverse Themen der künftigen Ausgestaltung der obligatorischen Schule im Kanton nutzen.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 12.06.2008 - 14:12:00