«Wer bist du?»
Walzenhausen. Punks, Tätowierungen und Molotov-Cocktails: Marco Comolli, Lehrer in Walzenhausen, referiert zum Thema «Jugendliche - Täter, Opfer oder Retter unserer Gesellschaft?»
Es gibt nichts, was wir nicht schon gesehen hätten: Punks, Hippies, Grufties, Raver, Gangstas, Rocker, Rechts- und Linksradikale, Gepiercte, Tätowierte, Hooligans, Skinheads… Die Liste ist ellenlang. In all diesen Jugendkulturen steht die Rebellion im Vordergrund, mal laut, mal leise.
Der Molotov-Cocktail
«Womit kann ein Jugendlicher heute noch auffallen?», fragt Marco Comolli, einer der Referenten des Vortrags «Jugendliche – Täter, Opfer oder Retter unserer Gesellschaft?» Und er beantwortet seine Frage gleich selbst: «Wir haben schon alles gesehen, alles erlebt. Heutzutage muss ein Jugendlicher einen Molotov-Cocktail in ein Polizeigebäude werfen, damit er auffällt.»
Comolli, schulischer Heilpädagoge und Lehrer, unterrichtet momentan an der Oberstufe in Walzenhausen. Zusammen mit seinem Kollegen Daniel Aouami, Schulsozialarbeiter, wird er am 14. Dezember um 20 Uhr im Katharinensaal in St.Gallen das Thema «Jugendliche» aufgreifen.
Fertigkeiten und Fähigkeiten
Viele Eltern haben laut Comolli Angst. Angst um das Kind, Angst um dessen Zukunft. «Die Eltern fragen sich, ob sich das Kind überhaupt in der Gesellschaft behaupten kann. Jugendliche werden viel zu häufig nur auf den kognitiven Bereich reduziert und auf deren Wert auf dem Arbeitsmarkt», so Comolli. «Daher schauen Eltern bei Jugendlichen oft nur auf die Fertigkeiten und nicht auf die Fähigkeiten.»
Comolli arbeitet seit rund 16 Jahren mit Jugendlichen. Er möchte beim Vortrag aufzeigen, dass Jugendliche in einer Situation sind, in der von allen Seiten Druck auf ihnen lastet: Vom Elternhaus, der Schule und der Wirtschaft.
Was kann ich, was bin ich?
«Wir müssen uns fragen, ob Jugendliche noch wahrgenommen werden wie sie sind», sagt Comolli. Die Aussage «Nur was ich kann, ist wichtig, was ich bin, ist unwichtig» höre er oft von jungen Erwachsenen. Die Frage des Jugendlichen überhaupt ist daher laut Comolli: «Wer bist du?» In ihrem Alter sei das «Sein» nämlich oft wichtiger als das «Können».
Der Titel des Vortrags enthält die Aussage, dass Jugendliche die Retter der Gesellschaft sein könnten. «Wenn Eltern ihren Kindern ausreichend zuhören und genug Verständnis für sie aufbringen und sie ernst nehmen, werden die Jugendlichen selbstbewusst. Da sie unsere Zukunft sind, fungieren sie folglich als Retter unserer Gesellschaft, allerdings nur, wenn sie dieses Selbstbewusstsein erlangen», erklärt der schulische Heilpädagoge. Und wenn nicht? «Die Jugendlichen werden immer destruktiver, rebellieren immer mehr, bis die Menschheit erwacht. Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen», meint der Lehrer abschliessend.
Sonst wird vielleicht doch irgendwann noch ein Molotov-Cocktail im Polizeigebäude landen.



























