Wenn Brecht und Bach sich begegnen

Trogen. Eine interessante künstlerische Mischung präsentieren die Sängerinnen und Sänger des Chorprojektes St. Gallen unter der Leitung von Peter Roth. Zu hören ist das neue Programm in Trogen, St.Gallen, Flawil und Hemberg.

Zusammen mit dem Chorprojekt St. Gallen erarbeitet der Toggenburger Komponist und Musiker Peter Roth seit mehr als zwanzig Jahren fast jährlich ein neues Konzertprogramm. «Im Mittelpunkt unserer Werke stehen jeweils zwei Pole, die zusammengeführt werden. In den Konzerten treffen intensive Texte auf besondere Musik, Stücke aus unterschiedlichsten Stilrichtungen oder Lieder aus verschiedenen Epochen aufeinander. «Diese Kombination ermöglicht den Zuhörerinnen und Zuhörern einen ganz neuen Zugang zu vertrauten Werken», erklärt Peter Roth. Er mag es, stilistische Schubladen zu öffnen und Werke verschiedener Kulturen und Zeiten neu zu kombinieren.

Aussergewöhnliche Verbindung
In vier Konzerten im Dezember und Januar präsentieren die mehr als vierzig Sängerinnen und Sänger zusammen mit dem Sprecher Daniel Kasztura, dem Saxophonisten Markus Gsell, dem Bassisten Roland Christen und Mauro Rezzonico an der Orgel das Programm «Sankt Nimmerleinstag», das Musik von Johann Sebastian Bach mit Texten von Bert Brecht (1898-1956) und Andreas Gryphius (1616-1664) verbindet. Weitere Kompositionen stammen von Hanns Eisler, Rudolf Wagner-Régeny, Roland Christen, Markus Gsell und Peter Roth.

Gegen Verführung
«Lasst Euch nicht verführen! Es gibt keine Wiederkehr. Der Tag steht in den Türen; Ihr könnt schon Nachtwind spüren: Es kommt kein Morgen mehr», schrieb Bert Brecht in seinem Text «Gegen Verführung». Auch im neuen Programm «Sankt Nimmerleinstag» werden Musik und Text zu einem besonderen Konzert verwoben. «Wir haben eine spannende und aktuelle Begegnung von bach’scher Polyphonie, jazzigen Improvisationen von barocker Gläubigkeit und brecht’scher Gesellschaftskritik erarbeitet», erklärt der Chorleiter Peter Roth. Am Ende steht das Friedenslied «An die Nachgeborenen» von Bertolt Brecht. Das Gedicht ist einer der wichtigsten Texte der deutschen Exilliteratur. Wer die Projekte des Chorprojektes kennt, weiss, dass man sich auf ein hochstehendes Konzert und zum Nachdenken anregende Texte freuen darf.

Intensive Proben
Geprobt wird seit vielen Monaten intensiv. Fast fünfzig Sängerinnen und Sänger sowie Musikerinnen und Musiker aus der Ostschweiz hören im Singsaal einer St. Galler Schule genau zu, wenn der Leiter Peter Roth seine Ideen erklärt. Etwa die Hälfte der Mitglieder – der Chor entstand aus dem kantonalen Lehrerinnen- und Lehrer-Gesangsverein – sind heute noch Lehrer. Im Laufe der Jahre hat sich die Zusammensetzung aber erweitert. «Heute darf jeder mitsingen, wer sich engagiert.» Je nach Programm werden Musiker und Solistinnen oder Solisten engagiert. Roth leitet den Chor seit mehr als zwanzig Jahren.

Die Aufführungen finden statt am Samstag, 6. Dezember 2008, um 20 Uhr in der Evangelischen Kirche in Trogen; am Sonntag, 7. Dezember 2008, um 17 Uhr in der Kirche Halden in St. Gallen; am Samstag, 10. Januar 2009, um 20 Uhr in der Kirche Oberglatt in Flawil und am Sonntag, 11. Januar 2009, um 17 Uhr in der Evangelischen Kirche Hemberg. Der Vorverkauf für alle Konzerte läuft ab sofort via billete@chorprojekt.ch. Die Abendkasse ist eine Stunde vor Konzertbeginn geöffnet. www.chprprojekt.ch


Aussergewöhnliches Aufeinandertreffen
In den Konzerten des Chorprojektes St. Gallen treffen aussergewöhnliche Texte auf besondere Musik, und Stücke aus ganz unterschiedlichen Stilrichtungen und Epochen aufeinander. Peter Roth’s Markenzeichen ist es, stilistische Schubladen zu öffnen und Werke verschiedener Kulturen und Zeiten neu zu kombinieren. Diese Kombination eröffnet den Zuhörerinnen und Zuhörern oftmals neue Zugänge zu den verschiedenen Werken.

Der Verein Chorprojekt St. Gallen (ehemals Kantonaler Lehrerinnen- und Lehrer-Gesangsverein, gegründet 1944) zählt heute etwa neunzig Mitglieder. Der Chor steht allen offen, die bereit sind, sich mit einem regelmässigen Probenbesuch zu engagieren. In den einzelnen Projekten wirken jeweils etwa 45 bis 50 Sängerinnen und Sänger mit, die sich für die Dauer eines Projektes verbindlich engagieren. www.chorprojekt.ch

Appenzell Ausserrhoden / 01.12.2008 - 11:58:00
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