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Wenige Impfverweigerer verursachen grossen Aufwand

SG/AR/AI. Gerade einmal 25 Opponenten gegen die Blauzungen-Impfung in den Kantonen St. Gallen und beiden Appenzell verursachen einen relativ grossen Aufwand.

20 von rund 4000 St. Galler Tierhaltern – meist Bio-Betriebe – verweigern laut dem St. Galler Kantonstierarzt Thomas Giger die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. «Eine verschwindende Minderheit, die viel Ärger verursacht,» sagt Giger. Gegen die Verweigerer laufen jetzt Verfügungen. Sie müssen mit Bussen zwischen
1000 und 2000 Franken rechnen. In Ausserrhoden weigerten sich drei, in Innerrhoden zwei Tierhalter, wie der Kantonstierarzt beider Appenzell, Albert Fritsche, sagt. Die Alpsperre hat keiner missachtet.

Drei Gruppen

Die Verweigerer setzten sich aus drei Gruppen mit unterschiedlicher Argumentation zusammen, so Fritsche: Eine Gruppe sei konsequent gegen alles, was von Behördenseite komme. Die zweite sind überzeugte Impfgegner, die auch ihre Kinder nicht impfen lassen.

Die dritte Gruppe fordert eine andere Landwirtschaft: Sie wollen «die Natur machen lassen», also «durchseuchen» und nehmen geringere Milchmengen, Aborte und Krankheit in Kauf. «Glaube gegen Wissen», sagt Fritsche. Die Blauzungenkrankheit wird durch eine Mücke übertragen, die kaum zu bekämpfen
ist. Also muss geimpft werden – so das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET).

Die Impfung ist obligatorisch, weil sich die Krankheit in Frankreich stark ausgebreitet hat. Dort war die Impfung freiwillig.

«Keine gravierenden Nebenwirkungen»
Ohne Impfobligatorium hätte sich die Krankheit in der Schweiz ebenso heftig verbreitet, argumentiert das BVET. Laut BVET soll die Impfung «keine gravierenden Nebenwirkungen», wie schlechte Milchqualität, Aborte und Fruchtbarkeitsstörungen haben.

Dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass in seltenen Einzelfällen Nebenwirkungen auftreten können, so das BVET. Bei 100’000 Impfungen komme es in einem Fall zu Nebenwirkungen, sagt Fritsche.

Genau hier haken die Impfverweigerer ein: Die Kühe gäben weniger Milch, es komme zu Aborten. Die Zahl der Aborte sei gleich geblieben, kontert Giger: Untersuchungen hätten bei einem Drittel der Fälle einen direkten Erreger ergeben; bei zwei Dritteln sei keine Ursache feststellbar gewesen.

Eine Online-Umfrage des «Schweizer Bauer» ergab bei 34 Prozent der 231 Antwortenden erhöhte Zellzahlen in der Milch. 31 Prozent berichteten von Aborten und einige wenige von Todesfällen, die sie auf die Impfung zurückführten.

Schlaumeier
Nur 22 Prozent stellten keine Nebenwirkungen fest. Es könnte sein, dass diese Tiere nach der Impfung keine Antikörper hätten und durch die Impfung gar nicht immunisiert worden seien: Diesen Verdacht äusserte der luxemburgische Rinderzuchtverband Convis.

Nebenwirkungen könne man bei Impfungen nie sicher ausschliessen, sagt Thomas Giger; es gebe auch allergische Reaktionen. Manche Bauern seien aber auch Schlaumeier: Wenn es einem Tier schlecht gehe, sei die Impfung daran Schuld. Manche Impf-Gegner finden, impfen, sei die falsche Strategie.

Die Blauzungenkrankheit sei vor allem für Schafe gefährlich und man könnte Rinder einfach durchseuchen. Rinder sind Träger des Virus, erkranken aber nicht so schwer wie Schafe. Die Alternative wäre Freiwilligkeit.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 08.07.2009 - 13:11:09