Was sagte Max Frisch über…?
Herisau. Die Casino Gesellschaft Herisau führte eine literarische Matinee zum Thema «Mein Name sei Frisch» durch. Der Schweizer Autor wurde auf vielseitige Weise porträtiert.
Endlich kam in den literarischen Matineen der Casino Gesellschaft Herisau wieder einmal ein Schweizer zu Wort und zwar einer, der immer und ohne Umschweife rasch zur Sache kommt und der lebt in seinen Zitaten, seinen „bon-mots“. Max Frisch im Rahmen einer einstündigen Lesung beschreiben oder gar erklären zu wollen, ist ganz unmöglich, und so konzentrierten sich die von Nadja Rechsteiner sehr geschickt zusammen gestellten Texte vorwiegend auf pointierte und oft sarkastisch formulierte Aussagen und Kommentare Frischs zu Begebenheiten und Tatsachen seiner Zeit und seiner Mitmenschen.
Zu sich selbst: „Ich fühle mich solidarisch mit allen in der Welt, die Widerstand leisten, Widerstand gegen so genannte Rechtsstaatlichkeiten und gegen die profitgierige Gesellschaft. Ich war lange Zeit apolitisch, stand über den Dingen, aber es hat mich erschüttert – vor und während des zweiten Weltkriegs – dass es in der Politik Menschen gab, die zu Hause Mozart spielten und Mörike lasen und die gleichzeitig Menschen ermordeten.“
Zum Militär als Kanonier 1939-1945 mit 650 Tagen Aktivdienst: „Disziplin entspringt dem Bewusstsein, dass man über sich selbst verfügt, nicht dem Bewusstsein, dass über uns verfügt wird. Das Militär verwechselt Disziplin mit Gehorsam.“ Daran knüpft er die Feststellung: „Die Schweiz lebt vom Bewahren statt vorwärts zu schauen“.
Über die Liebe: „Ich habe die Frau, die liebe nie geschlagen. Ich habe sie auf Händen getragen, die bequemste Art, umzugehen mit einer Frau und die Schlimmste, denn ich habe in zehn Jahren Ehe nie eingesehen, dass ich nichts zu ihrer Selbstverwirklichung beigetragen habe“ und der daraus den wichtigen Schluss zieht: „Die Frauenbewegung ist die einzig grosse, revolutionäre Bewegung, welche die Gesellschaft viel mehr verändern wird, als alle anderen politischen Zielsetzungen“.
Über die Ehe: Er spottet über die „Ehe als Häuslichkeit in Kleinmut“ und hat kein schlechtes Gewissen über seine Beziehungen zu mehreren Frauen, uns so stellt er an seine Leser – sein Publikum – die provokativen Fragen: „Ist die Ehe für Sie noch ein Problem?“ und „Hätten Sie von sich aus die Ehe erfunden?“ Dem gegenüber stellt er die Liebe, die nie der Gewöhnung und der Routine ausgesetzt ist, eine Obdachlosen Liebe, sozusagen.
Zuletzt noch das Thema Fremd- oder Gastarbeiter, geschrieben im Manifest „Siamo Italiani“ von 1965: „Man hat – auf Druck der Wirtschaft – Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen“. Sie sprechen eine andere Sprache, das erschwert Vieles. Sie sind Viele, auf der Baustelle und in den Fabriken, und man braucht sie. Aber es sind zu viele am Feierabend und vor allem am Sonntag, sie gefährden die Eigenart des Volkes, das sie gerufen hat.“
Es sind viele tapfere und kluge Worte, die dieser Max Frisch gesprochen und in seinen Publikationen geschrieben hat. Die drei Sprecher vom Theater St. Gallen haben sich dieser Texte mit viel Aufmerksamkeit und Liebe angenommen, als wären es ihre Eigenen gewesen: Bruno Riedl und Hansrudolf Spühler, bestens und seit langem bekannt in den Herisauer Matineen und dazu, neu, der Chefdramaturg des Schauspiels Theater St. Gallen, Jens Lamparter. Es war ein tiefer Ernst dabei und eine Portion feinen Humor, sodass ihr Auftritt von den zahlreichen Zuhörern mit warmem Applaus verdankt und darin auch die Textverfasserin einbezogen wurde.
Es war eine heitere und sehr anregende Stunde, und mach einer mochte den Heimweg angetreten haben mit dem festen Vorsatz, sich wieder einmal in die Prosa von Max Frisch zu vertiefen. Die Bibliothek Herisau ist damit gut dotiert. Die nächste Matinee wird am 11. Januar 2009 stattfinden und dem Thema „Die Natur in der Literatur“ gewidmet sein.



























