Vorbildhafter Innovationsstandort
Urnäsch. Obwohl es nicht ganz zum Sieg gereicht hat, war die Teilnahme der Ausserrhoder Gemeinde am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 ein Erfolg.
Hinter dem Siegerdorf Sand in Taufers im Südtirol kommt Urnäsch auf den Ehrenplatz und darf sich als «Vize-Europameister» fühlen. Besonderes Lob der Jury erhielt das Reka-Feriendorf.
Im Namen der Urnäscher Bevölkerung zeigt sich Gemeindepräsident Stefan Frischknecht hoch erfreut über die erhaltene Auszeichnung. «Es ist eine Anerkennung für Vieles, was in den letzten Jahren getan worden ist. All das war aber nur möglich, dank der aktiven Unterstützung breitester Kreise.» Die Preisübergabe wird vom 25. bis 27. September in Koudum in den Niederlanden stattfinden, in dem Ort, der vor zwei Jahren den letzten Dorferneuerungspreis erhalten hat. Eine Delegation des Urnäscher Gemeinderats wird in die Niederlande reisen und den Preis entgegennehmen. Im Rahmen der Preisübergabe werden auch Workshops zum Thema Dorfentwicklung durchgeführt und in einer Ausstellung werden die Wettbewerbsprojekte gezeigt.
29 Dörfer machten mit
Am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis beteiligten sich 29 Dörfer, darunter aus der Schweiz neben Urnäsch auch Brontallo im Maggiatal (TI). «Zukunft durch gesellschaftliche Innovation» war das Motto. Nachdem die Dörfer aufgrund schriftlicher Unterlagen bewertet worden waren, nahmen die Jurymitglieder vor Ort eine Beurteilung vor und liessen sich innovative Projekte zeigen. In Urnäsch wurden das Reka-Feriendorf, das umgebaute Schulhaus Haltentobel, die neue Turnhalle Au und die Fernwärmeheizzentrale besichtigt. Während der Dorferneuerungspreises 2008 an das Dorf Sand in Südtirol geht, sind zusammen mit Urnäsch noch vier weitere Dörfer als «Siegesanwärter mit dem Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität» ausgezeichnet worden: Ascha in Bayern, Maikammer in Rheinland-Pfalz, Seeham in Salzburg und Liptovska Teplicka in der Slowakei.
«Beeindruckendes Beispiel»
«Urnäsch ist ein beeindruckendes Beispiel für eine höchst erfolgreiche Trendumkehr vom Abwanderungsraum zum vorbildhaften Innovationsstandort. Herzstück der Entwicklungsmassnahmen ist die Errichtung eines Reka-Feriendorfes, das schlichtweg als Referenzprojekt für nachhaltige, qualitätvolle Architektur und Bautechnik im ländlichen Raum anzusehen ist», heisst es dazu im Bescheid der Jury des Dorferneuerungspreises. Höchste Anerkennung verdiene auch die Finanzierung und die Realisierung des Projektes, seien doch unter starker Einbindung der Bevölkerung elf Millionen Franken in Form von Spenden zusammengekommen. Darüber hinaus mache das Feriendorf deutlich, was Urnäsch insgesamt auszeichne: «Es steht für eine beispielhafte Vernetzung von natürlichen, landwirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen mit neuen Wertschöpfungsketten, welche Einkommenschancen und Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern imstande sind», stellt die Jury in der Kurzfassung ihres Berichts weiter fest.
Vieles hat sich getan
In Urnäsch hat sich in den letzten Jahren in Sachen Dorferneuerung Einiges getan. Stichworte dazu sind das Reka-Feriendorf unmittelbar beim Bahnhof, der Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizanlage, das sanierte Schulhaus Haltentobel aber auch die neue Turnhalle als Erweiterung der Schulanlage Au. All diese Innovationen tragen entscheidend zu einem intakten Dorfleben bei. Die erwähnten nachhaltigen Investitionen zeugen aber auch vom Willen breiter Kreise, die Gemeinde vorwärts zu bringen und so ihre Zukunft als eigenständiges Gemeinwesen zu sichern. Neben den erwähnten Bauten gibt es in Urnäsch aber noch weitere innovative Vorhaben, die realisiert werden: Mit dem Neubau der Käserei Urnäsch, wo bereits in einigen Monaten die Milch der einheimischen Bauerbetriebe verarbeitet werden wird, wurde vor wenigen Wochen begonnen. Dann plant die Gemeinde, neben zahlreichen kleineren Massnahmen zur Verschönerung des Dorfbereichs auch eine umfassende Neugestaltung des Freiraums zwischen Gemeindehaus und evangelischer Kirche.
Der Dorferneuerungspreis
Veranstaltet wird der Wettbewerb um den 10. Europäischen Dorferneuerungspreis von Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Neben dem Preis für die Dorferneuerung werden auch Auszeichnungen für «herausragende ganzheitliche Entwicklungsprojekte» und für «besondere Leistungen in Teilbereichen der Dorferneuerung» vergeben. Der Wettbewerb um den Dorferneuerungspreis wird seit 1990 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt. Dieses Jahr stellten sich 29 Dörfer aus Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlade, Österreich, Polen, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn der fachlichen Beurteilung durch die Experten.



























