Von der Wabe bis ins Reagenzglas
Den Weg des Bienenhonigs von der Wabe im Bienenhaus bis zum Streptomycintest im Reagenzglas des kantonalen Laboratoriums zeigten das Landwirtschaftsamt und das kantonale Laboratorium auf.
Anhand einer Bienenhonigprobe wurde die Vorgehensweise der über 700 bisher gezogenen Proben erläutert. Von ihnen sind bis zum jetzigen Zeitpunkt lediglich sechs mit dem Antibiotikum belastet. Alle anderen konnten freigegeben werden.
712 Bienenhalterinnen und Bienenhalter hegen und pflegen im Thurgau an rund 1 000 Standorten zirka 7 700 Bienenvölker. Damit ist der Thurgau der Kanton mit der grössten Dichte an Bienenvölkern. «Die Imker sind die grössten Arbeitgeber im Kanton», erklärte Werner Hanselmann, Präsident des Verbandes Thurgauer Bienenzuchtvereine augenzwinkernd. Er spielte darauf an, dass ein Volk bis zu 30 000 Bienen aufweist, denen die Imker als «Arbeitgeber» vorstehen.
Honiggewinnung
In seinem etwas oberhalb von Weingarten gelegenen Bienenhaus führte der Imker Walter Zellweger vor, wie die mit Honig gefüllten Waben aus dem Bienenstock entfernt werden. Dabei zeigte er sich sehr zufrieden über das Verhalten der Bienen, die an dichten Trauben hängend die Entnahme ruhig über sich ergehen liessen. Walter Zellweger arbeitete ohne einen Schleier, er blies lediglich etwas Rauch aus seiner Pfeife in die Bienenkästen. Im Keller eines Einfamilienhauses in Weingarten schleuderte der Imker Paul Wirth in einer Zentrifuge den Honig aus den Waben. Goldgelb floss der Honig aus der Schleuder in einen bereitstehenden Kessel. Von diesem Honig wurde eine Probe genommen und ins kantonale Laboratorium in Frauenfeld gebracht.
Honiguntersuchung
Dort erläuterte der Kantonschemiker Christoph Spinner zuerst in der Theorie das sogenannte Screening-Verfahren, eine Art Schnelltest zum Nachweis von Strepotmycin. Anschliessend führte eine Laborantin den Test in der Praxis durch. Mehr als die Hälfte der 649 bisher im kantonalen Labor mit dieser Methode untersuchten Proben konnten als unbedenklich freigegeben werden. Rund 200 mussten für eine zeit- und kostenintensivere Untersuchung ins kantonale Labor St.Gallen gebracht werden. Sechs der bisher untersuchten Proben liegen minimal über dem sogenannten Toleranzwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm Honig.
Geduldsprobe
Bis alle Thurgauer Imker das Resultat ihrer untersuchten Honigprobe bekommen, werden noch einige Wochen vergehen. Imker, die auf diese Resultate warten müssten, seien sehr besorgt, sagte Werner Hanselmann: «Es ist ähnlich, wie wenn man auf das Resultat eines Schwangerschaftstestes warten muss, nur freut man sich dort im Gegensatz zum Honig meistens, wenn er positiv ist.» Sie seien sicherlich nicht erfreut über den Streptomycin-Einsatz und zum Teil etwas niedergeschlagen, aber er betonte auch: «Wir lassen den Kopf nicht hängen.»
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