• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Vom «Bringseln» und «Verbellen»

Gais. 13 Mann-Hund-Teams absolvierten die Polizeihundeprüfung. appenzell24.ch war live dabei.

Sie liegen auf der Lauer. Hund und Herrchen bäuchlings im schneenassen Gras. Aus der Dunkelheit des Waldes taucht plötzlich eine düstere Gestalt in Schwarz auf, die immer näher und näher kommt. Der Hund spitzt die Ohren, nervös, er weiss, dass sich Gefahr nähert und er weiss, was zu tun ist. Auf den Befehl seines Halters rast er los, das Herrchen sprintet hinterher. Ein Kläffen ist zu hören, laut und grell tönt es aus dem Wald: Der Hund «verbellt» die Gestalt. Kurze Zeit später jagt der Schäferhund wiederum aus dem Wald hinaus einer gepolsterten Gestalt hinterher. Der Hund holt den Mann ein, springt hoch, packt zu.

13 Mann-Hund-Teams auf dem Prüfstand
Die Situation ist nur gestellt. Der deutsche Schäferhund und sein Herrchen müssen bei der Polizeihundeprüfung ein Gelände überwachen, einen Schutzdienst leisten. Der ganz normale Alltag eines Polizeihundes.

Von den geplanten 15 Prüfungsabsolventen der Kapo St.Gallen, Glarus, beider Appenzell sowie der Stadtpolizei St.Gallen absolvierten 13 die Prüfung. Zwei der Teams konnten gar nicht, beziehungsweise nur bei einer Prüfung antreten: Ein Hund musste nach dem ersten Einsatz zum Tierarzt gebracht werden, im anderen Fall war das Herrchen in keinem guten Gesundheitszustand.

Bereits im Alter von zehn Wochen nehmen die Welpen an einem ersten Training teil. Nach 24 und 30 Monaten folgen Einsatztest und Polizeihundeprüfung. Danach ist ein Hund voll einsatzfähig. Allerdings ist die Ausbildung während der gesamten Dienstzeit von rund acht Jahren nie abgeschlossen.

«Wotan» sucht – und findet
Schäferhund «Wotan» rast blitzschnell durch den Wald, (fast) immer auf die Befehle seines Herrchens hörend, suchend. Und findend. Die Aufgabe der Hunde im Waldrevier ist es, ein Waldstück abzusuchen um beispielsweise eine vermisste Person zu finden. «Wotan» spurtet mit einem «Bringsel» – etwas, was beispielsweise der vermissten Person gehören könnte – zu seinem Meister. Um die Waldrevier-Prüfung abzuschliessen hat jeder Hund insgesamt 20 Minuten Zeit. Und «Wotan» ist erfolgreich – sein Herrchem demzufolge auch. Das Ziel ist erreicht, die «Bringsel» gefunden: Insgesamt erhalten «Wotan» und sein Herrchen 51 von 60 möglichen Punkten, was der Note «sehr gut» entspricht.

«Eine Personensuche ist sehr schwierig für den Hund», meint Eugen Rentsch von der Kantonspolizei St.Gallen, «wenn eine gesuchte Person auf den Hund zuläuft und aus Angst wild mit den Armen fuchtelt, ist es für das Tier sehr schwierig auszumachen, ob sich Feind oder Freund nähert. Deswegen muss der Hund die Befehle seines Herrchens sehr gut befolgen, es ist äusserst wichtig, dass die beiden gut als Team fungieren.» Bei «Wotan» und seinem Herrchen hat es – wenn auch nicht ganz tadellos – geklappt und die beiden scheinen zufrieden mit ihrer Wertung.

Bei einer anderen Aufgabe, der Wegrandsuche, soll der Hund drei Gegenstände, verteilt auf 100 Metern, finden. Auch hier gehört «Bringseln» zum Polizeihundejob. Dies ist laut Übungsleiter Rentsch aber nicht immer die optimale Weise, den Führer auf den Gegenstand aufmerksam zu machen: «Wenn der Hund den Gegenstand in die Schnauze nimmt, könnte er Spuren verwischen. Deswegen ist es besser, wenn sich der Hund neben den Gegenstand legt und dem Herrchen so signalisiert, wo er sich befindet.»

Wie der Mensch, so das Tier
Bei der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden sind zur Zeit eine Polizeihundeführerin und vier Polizeihundeführer tätig – allerdings leisten sie hauptberuflich normalen, uniformierten Polizeidienst. Laut Willi Moesch, Mediensprecher der Kapo AR, lässt sich die Einsatzhäufigkeit «so nicht sagen, manchmal wöchentlich, vielleicht manchmal auch nur einmal im Monat.»

Mensch und Tier leisten gute Arbeit, bisher haben alle Hunde die «Bringsel» im Waldrevier gefunden. Dennoch mahnt Rentsch eines nie zu vergessen: «Der Hund ist auch nur ein Lebewesen, keine Maschine. Wie der Mensch hat auch er seine guten und seine schlechten Tage.»


Hier geht es zur Bildergalerie

Ältere Artikel zu diesem Thema:
«Polizeihundeprüfung steht bevor» vom 21. November 2007.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 28.11.2007 - 09:27:00