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Vom Aussenseiter zum Geheimtipp?

Die neue Thurgauer Regierung steht so gut wie fest - scheinbar. Doch EDU-Kandidat Daniel Wittwer hat sich dank eines geschickten Wahlkampfs die Rolle des möglichen Spielverderbers gesichert.

Ob auf den Wahlplakaten oder auf seiner persönlichen Webseite: Dass Daniel Wittwer Präsident der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) Thurgau ist, wird erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar. Der Kantonsrat versteckt seine Partei nahezu. Auf der Webseite beispielsweise findet sich der Hinweis auf die EDU im Punkt «Persönlich» weit unten, aber beim Punkt «Politische Arbeit» beschränkt sich Wittwer auf seine persönlichen Positionen.

Das ist nicht ungeschickt. Denn Regierungsratswahlen sind Majorz- und damit Persönlichkeitswahlen. Die EDU hat keine genügend starke Eigenbasis für den Einzug in die Regierung. Wittwer positioniert sich daher viel allgemeiner als Kandidat «der anderen» – all derer, die sich von den vier grossen Volksparteien nicht vertreten fühlen. Er baut sich damit ein Sammelbecken der Unzufriedenen auf. Manch einer, der den Namen Wittwer auf den Wahlzettel schreibt, weiss vermutlich kaum um dessen Parteizugehörigkeit und kennt die Positionen der EDU nicht.

Argwohn gegenüber grossen Parteien
Eine hohe sichtbare Präsenz, ein geschickter Wahlkampf: Wittwer hat in den letzten Wochen das Kunststück vollbracht, ohne gezielte Provokationen oder Schlagzeilen das Bewusstsein der Wählerschaft zu erobern. Immer mehr Leserbriefschreiber legen sich für ihn ins Zeug – darunter auch Personen ohne Nähe zur EDU. Der Wirbel um die Frage, ob die SVP-Kandidatin Monika Knill bereits für ein quasi-offizielles Regierungsbild posierte, hilft dem EDU-Kandidaten ohne Frage. Das Gefühl, hinter den Kulissen hätten SVP, FDP, CVP und SP die künftige Besetzung der Regierung am Wahlvolk vorbei beschlossen, gärt derzeit bei der Stimmbürgerschaft deutlich; es ist ein Gefühl, das Wittwer zu Gute kommt.

Daniel Wittwer ist, gemessen an seinen Positionen, ein astreiner EDU-Vertreter. Dinge, die es für ihn nicht geben darf, beispielsweise Homosexualität, will er ausblenden, indem er entsprechende Sexualpraktiken aus Broschüren verbannt wissen möchte. Auf kantonaler Ebene sind solche ethischen Fragen allerdings weniger ausgeprägt vorhanden. Für die Wähler steht Wittwer daher für anderes: Den erfolgreichen Kampf gegen ein aus seiner Sicht unnötiges Verwaltungsgebäude beispielsweise. Wittwer hat sich in konkreten Fragen engagiert, im Wahlkampf aber verzichtet er auf offensive Darstellung der Bibeltreue, die der EDU zu Grunde liegt.

Überraschung ist möglich
So schwierig eine Prognose ist: Der derzeit wahrscheinliche Ausgang sieht so aus, dass die starke Verankerung der SVP im Kanton und der zu Recht laute Ruf nach einer Frau in der Regierung reicht, um Monika Knill den Weg zu bahnen. Wittwer dürfte aber ein Ergebnis erzielen, das weit über einen Achtungserfolg ausgeht. Eine Überraschung schon heute kategorisch auszuschliessen, wäre allerdings verfehlt. Das trotzige Bekenntnis der Regierungsparteien zu einem gemeinsamen Vorgehen könnte sich als Bumerang erweisen. Denn das Wahlvolk mag es nicht, wenn sich die Sache so darstellt, als dürfe es nur noch abnicken, was bereits beschlossene Sache ist.

ThurgauThurgau / 22.02.2008 - 07:56:00