Vitamin B gegen Arbeitslosigkeit
AI. Der Kanton Appenzell Innerrhoden weist zusammen mit dem Kanton Uri die tiefste Arbeitslosenquote der Schweiz auf. Wie kommt es dazu?
Den Hauptgrund für die niedrige Arbeitslosigkeit sieht Herr Gähwiler, Leiter der Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle (RAV) in Appenzell, hier: «Bei uns kennt jeder jeden, alles geht ein bisschen familiär zu und her.» Dies hat eindeutig Vorteile: Es spricht sich schnell herum, wer eine Arbeit sucht und wer eine Stelle zu bieten hat. Dadurch wird der Weg zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber kürzer und die Vermittlung läuft schneller.
Wenn Ende Monat jemandem ein Job vermittelt werden konnte, hat er diesen selten über ein Inserat oder über eine schriftliche Bewerbung bekommen. «Oft gehen bei uns die Jobs unter der Hand weg, zum Beispiel durch einen persönlichen Kontakt.» Auch Schwarzarbeit wird durch dieses soziale Netz schneller aufgedeckt als in einer grossen, anonymen Stadt. Jedoch birgt diese enge soziale Verknüpfung auch Nachteile. Beispielsweise wenn sich jemand bei der letzten Arbeitsstelle schlecht verhalten hat, spricht sich das herum und es wird für den Betroffenen schwierig bis unmöglich im Appenzellerland wieder eine Stelle zu finden. Im Grossen und Ganzen überwiegen aber die Vorteile.
Als zweiten Grund für die niedrige Arbeitslosigkeit sieht Herr Gähwiler das gute Verhältnis zwischen RAV und Arbeitgebern. «Man muss auch die Arbeitgeber zufrieden stellen und nicht um jeden Preis jemanden von der Arbeitslosenkasse abmelden wollen. Wir zählen darauf, dass die Arbeitgeber auch die nächste freie Stelle wieder melden.»
Das RAV in Appenzell ist gut organisiert: Im gleichen Gebäude befinden sich auch die Arbeitslosenkasse, die Berufsberatung, die IV-Stelle und die soziale Fürsorge. Das erlaubt Herrn Gähwiler in jedem Fall schnell zu handeln.
Zurzeit betreut Herr Gähwiler circa 75 Arbeitslose. Hinzu kommen aber mindestens nochmals 60 Personen, die zwar nicht in der Statistik als Arbeitslose erfasst werden, da sie in einem Zwischenverdienst tätig sind, aber eigentlich doch auch auf Arbeitssuche sind.
Als dritten Grund fügt er noch hinzu, dass «Appenzell halt Glück hat.» Die Industrie ist nicht gross, schafft aber genügend Arbeitsplätze. Hinzu kommt, dass das Appenzellerland ein beliebtes Tourismusgebiet ist. Vor allem im Gastgewerbe werden saisonal immer wieder Arbeitsplätze geschaffen. Auch in diesem Bereich hat sich das Appenzellerland familiär organisiert: Der Bergwirt auf der Meglisalp koordiniert die Arbeitsplätze im Gastgewerbe und vermittelt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.



























