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Vier Jahrzehnte erfolgreicher Einsatz für Natur und Umwelt

Thurgau. Als der WWF Bodensee/Thurgau am 9. März 1968 in Kreuzlingen gegründet wurde, war er die erste Lokalgruppe des WWF Schweiz. Dieser Pioniertat engagierter Thurgauerinnen und Thurgauer sollten eine ganze Reihe weitere folgen.

Denn der WWF Bodensee/Thurgau ist seit Beginn eine überaus aktive, innovative und vor allem auch eigenständige Sekti-on. Trotz zeitweiliger Missbilligung der Schweizerischen Zentrale lebte der WWF Bodensee/Thurgau über vier Jahrzehnte konsequent den Grundsatz: die schweizerischen und weltweiten Anliegen werden unterstützt – im Vordergrund aber stehen die Belange von Natur- und Umweltschutz in der eigenen Region.

Schwerpunkt Umweltbildung – für einen sorgsamen Umgang mit der Umwelt

Besonderes Gewicht legt der WWF Bodensee/Thurgau seit den Gründungsjahren auf die Umweltbildung. Ein umfangreiches Jahresprogramm enthält jeweils so vielfältige Vorträge, Kurse, Exkursionen und Arbeitseinsätze, dass für alle an Natur und Umwelt Interessierten ganz sicher immer wieder etwas Spannendes dabei ist. Dabei bildeten Familien, Kinder und Jugendliche stets die bevorzugten Zielgruppen. Denn: den Nachwuchs für die Natur zu begeistern, ist die beste Voraussetzung dafür, dass Erwachsene heranwachsen, die ihrer Umwelt Sorge tragen. Speziell für Kinder wurden auch das Seeschulzimmer in Kreuzlingen und die Schulbesuche geschaffen, zwei weitere Möglichkeiten, der Jugend die eigene Umgebung näher zu bringen. Schulbesuche lassen sich übrigens durch die Teilnahme am WWF-Sponsorenlauf verdienen. Kein Wunder also, dass jedes Jahr zahlreiche Schulklassen erstaunlich viel Geld zu Gunsten eines vom WWF ausgewählten Tieres erlaufen.

Ostschweizer Pioniertaten

Bedeutsames Thema ist seit Beginn der Artenschutz. Mit dem Einsatz zum Schutz der Fledermäuse und zum Verständnis für die Wasservögel, dem Engagement für die Biber und der Teilnahme am schweizweiten WWF-Projekt «Smaragd» ermöglicht der WWF Naturfreunden im Kanton, sich für den Erhalt bedrohter Tierarten zu engagieren.

Der Biberschutz übrigens geht auf die Pioniertat des Thurgauers Anton Trösch zurück. In den Jahren 1968 und 1969 siedelte er mit anderen WWF-Aktivisten nämlich neun Biber im Nussbaumer- und Hüttwilersee an, von wo aus die im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgerotteten Tiere das ganze Thurtal eroberten. Und es blieb nicht bei der Ansied-lung. Mit dem informativen Biberpfad in Pfyn, der Aufwertungen von Lebensräumen, der Ausbildung von Biberschützern und der Unterstützung des kantonalen Bibermanagements leistet der WWF Bodensee/Thurgau wertvolle Beiträge für die Zukunft des scheuen Nagers.

Zwei weiteren pionierhaften Ansiedlungsprojekten in den Jahren danach – nämlich von Luchs und Fischotter – war leider kein Erfolg beschieden. Im Gegenteil: die Sektion kassierte für ihr eigenwilliges Vorgehen negative Schlagzeilen und Geldstrafen.

Als erfolgreiche Pioniertaten dürfen jedoch gelten: die Führung des ge-meinsamen claroWWF-Ladens «biosfair» in Weinfelden zusammen mit dem Weltverein, die Verleihung des Umweltpreises «Der Grüne Zweig» durch die drei Ostschweizer WWF-Sektionen Thurgau, Appenzell und St. Gallen, die Starthilfe für ein Beweidungsprojekt der damals bei uns noch weitgehend unbekannten Schottische Hochlandrinder, das Anlegen von Trockensteinmauern bereits in den 70er Jahren, die Förderung eines der ersten Naturrebberg mit Bio-Wein in der Ostschweiz und die Promotion der Solarfähre auf dem Bodensee.

Schwerpunkt politische Arbeit – Anwalt von Natur und Umwelt und Korrektiv für Behörden

Ebenso zentral ist für den WWF Bodensee/Thurgau seit je her, eine aktive politische Rolle wahrzunehmen. Zusammen mit den andern Umweltorganisationen kämpft er für eine nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung und für den schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Und dies überaus erfolgreich! Bereits mehrmals erhielten die Ostschweizer vor Bundesgericht Recht. Einmal, als sich die Sektion dafür stark machte, dass die Hochspannungsleitungen zwischen Schwaderloh und Tägerwilen zum Schutz der intakten Land-schaft unter den Boden verlegt werden. Zum zweiten Mal, als die Südumfahrung von Kreuzlingen zwar vom Volk knapp angenommen, jedoch vom Bundesgericht nicht bewilligt wurde. Und schliesslich in Sachen Inselhafen Kesswil, der mit Bundesgerichtsentscheid verhindert werden konnte.

Weiter setzt sich der WWF Bodensee/Thurgau in zahlreichen lokalen Rechtsfragen gegen überdimensionierte oder rechtswidrig platzierte Bauten oder für den Erhalt von Natur und Ortsbild ein. So blieb – nicht zuletzt dank seinem Eingreifen – die alte Kastanienallee am Hafen von Arbon erhalten.

Mitarbeiten statt verhindern

Doch der WWF Bodensee-Thurgau trat bei weitem nicht einfach nur gegen Projekte auf. Wenn immer möglich versuchten seine Vertreter, in politischen Planungsgremien mitzuwirken und auf dem Verhandlungsweg naturverträgliche Lösungen zu erreichen. So war der WWF an der Planung der Linienführung und Tieferlegung eines Teilabschnitts der N7 entscheidend mitbeteiligt. Und im vergangenen Sommer handelte er mit den für das Living Science Projekt «Die Pfahlbauer von Pfyn» Verant-wortlichen des Schweizer Fernsehens Vereinbarungen zum Schutz des biologisch äusserst wertvollen Hinterrietweihers aus.

Wie alle Umweltverbände beteiligte sich der WWF im Laufe seiner Geschichte immer wieder an Vernehmlassungen, unterstützte politische Vorstösse und bezog bei Volksabstimmungen klar Stellung für Natur und Umwelt. Der Erfolg in der politischen Arbeit ist zweifellos den engagierten Vorstandsmitgliedern zu verdanken. Sowohl Jost Rüegg, der die Sektion Bodensee/Thurgau seit 20 Jahren leitet, wie Maya Iseli, die seit einigen Jahren das Präsidium mit ihm teilt, sind erfahrene und lokal wie kantonal anerkannte politische Persönlichkeiten. Unterstützt wird der ehrenamtlich tätige Vorstand seit 1990 von einer professionellen Geschäftsstelle, die entscheidend dazu beiträgt, den stetig wachsenden Aufgabenkata-log zu bewältigen.

Weiter so!

Das Jubiläumsjahr begeht der WWF Bodensee/Thurgau mit verschiedenen Aktivitäten und Aktionen. Mit einem öffentlichen Fest im Park des Hauses „Roller“ in Weinfelden wird der Bevölkerung für die breite Unterstützung gedankt. Für Kinder entsteht ein naturnah gestalteter Spiel- und Pausenplatz im Primarschulhaus Nordstrasse in Amriswil, dessen Konzeption und Planung der WWF-Bodensee/Thurgau finanziert.

Angesichts des 40-jährigen erfolgreichen Wirkens, das mittlerweile von knapp 5000 Mitgliedern mitgetragen wird, gibt es keinen Grund, sich anders auszurichten. Gewiss wird eine neue Persönlichkeit, die Jost Rüeggs Nachfolge im Ko-Präsidium noch im Jubiläumsjahr übernehmen soll, neue Impulse vermitteln. Doch ganz sicher werden die Umweltbildung und die politische Einflussnahme bei lokalen, regionalen und kantonalen Angelegenheiten weiterhin die wesentlichen Schwerpunkte bilden

ThurgauThurgau / 04.09.2008 - 10:19:00