«Umzug in die Jugendwohnung gab mir Luft»
Herisau/AR. Die Gemeinde Herisau betreibt seit fünf Jahren eine Jugendwohnung - eine Erfolgsgeschichte, umso mehr als das niederschwellige Angebot praktisch selbsttragend ist.
Rund ein Dutzend Jugendliche lernten dort nach dem Bruch mit dem Elternhaus, auf eigenen Füssen zu stehen.
Daniel (Name geändert) hat 15 Monate in der Jugendwohnung verbracht. Die Probleme zu Hause waren schwierig geworden: Zuerst die Trennung der Eltern, dann der Umzug mit der Mutter in eine enge Wohnung und der Ärger mit ihrem neuen Freund – das war zu viel. «Ich war damals 19 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr. Zu Hause war es beengend. Ich hielt es nicht mehr aus und war nur noch im Ausgang.» Schliesslich wandte er sich an den Haussozialdienst der Berufsschule, die ihn mit dem Jugendberater der Gemeinde in Kontakt brachte. Weil Herisau genau für solche Situationen als eine der wenigen Gemeinden eine Jugendwohnung anbietet, ging alles schnell: «Zwei Wochen später, kurz vor Weihnachten 2007, bin ich schon eingezogen. Das gab mir Luft, ich konnte mich wieder stabilisieren und auf die Lehre konzentrieren.»
Freud und Leid in der WG
Das Leben in einem der vier Zimmer der Jugendwohnung war zwar auch nicht einfach: Es gab einen Ämtliplan, an den sich nicht alle gleich gut hielten, ein Mitbewohner spielte nachts oft laut Videogames und auch die gemeinsame Essenskasse gab an den wöchentlichen WG-Sitzungen des öfteren zu Diskussionen Anlass. «Dafür konnte jeder seinen eigenen Weg gehen und man war doch nicht allein, falls nötig holte man sich Hilfe vom Jugendberater, vor allem in finanziellen Belangen, und am Schluss, als der ersehnte Auszug nahte, hatte ich es richtig gut mit einer Mitbewohnerin.» Seit vergangenem März lebt Daniel nun in St. Gallen, er erwägt aber eine Rückkehr nach Herisau. Auch wenn er damals froh war, aus der Jugendwohnung wieder ausziehen zu können, zieht er eine positive Bilanz: «Das ist eine gute Sache. Es geht schnell, man wird unterstützt und lernt, ein selbständiges Leben zu führen.»
Bruch mit den Eltern
Kommt es in einer Familie zu grossen Problemen, haben die Sozialen Dienste der Geeminde noch andere Möglichkeiten zu helfen: Sie können Tages- oder Pflegeeltern für das Kind suchen, externe Beratungsstellen beiziehen, eine kinderpsychiatrische Abklärung und Behandlung vorschlagen, eine Erziehungsbeistandschaft installieren, eine sozialpädagogische Familienbegleitung vermitteln, verschiedene Timeout-Lösungen anbieten oder eine Heimplatzierung anstreben.



























