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Todkranke und ihre Angehörigen umfassend betreuen

Weinfelden. Erstmals in der Schweiz ist am Freitag im Thurgau eine Volksinitiative für das Recht auf Palliativ-Pflege lanciert worden.

Ein überparteiliches Initiativkomitee will den Kanton damit verpflichten, Palliativstationen einzurichten.

Als vor rund drei Jahren im Thurgauer Gesundheitsgesetz eine Bestimmung zur Palliativ-Pflege aufgenommen wurde, sei mehr versprochen als gehalten worden, sagte CVP-Kantonsrat Luzi Schmid am Freitag vor den Medien.

Zuvor hatte es der Grosse Rat abgelehnt, die Pflicht zur Einrichtung von Palliativ-Pflegestationen gesetzlich zu verankern, wie das die Präsidentin des Initiativ-Komitees, Marlies Näf-Hofmann (SVP), gefordert hatte.

Soll-Bestimmung reicht nicht

Der Rat stimmte jedoch einer Regelung zu, wonach die umfassende Betreuung unheilbar Kranker (Palliativ Care) von den Spitälern angeboten werden soll. GP-Grossrat und Arzt Peter Wildberger wies darauf hin, dass es im Thurgau aber immer noch an freien Zimmern fehle, um unheilbar Kranke in Heime oder Spitäler verlegen zu können.

Im Spital müsse jeder Patient, der kurzfristig eingewiesen werde, die Notfallstation durchlaufen. Das sei oft hektisch und zudem auf die Heilbehandlung ausgerichtet. Pflegeheime wiederum, die eigentlich sehr gut mit Sterbenden umgehen könnten, seien meist voll belegt und könnten kurzfristig niemanden aufnehmen.

Zu wenig Raum

Sparmassnahmen im Gesundheitswesen hätten bisher die Einrichtung von Palliativstationen oder -zimmern verhindert, erklärte SP-Kantonsrätin und Pflegefachfrau Barbara Kern. Die Spitäler leisteten sehr gute Arbeit bei der Sterbebegleitung.

Aber die vorausgehende Palliativbetreuung, zu der ausser der Schmerztherapie auch eine psychologische oder auch seelsorgerliche Betreuung gehöre, gebe es nicht. Es fehle zudem in den Spitalzimmern der Raum, um Angehörige übernachten lassen zu können.

Netzwerk aufbauen

Vermisst werde ein Netzwerk, um Todkranke umfassend betreuen zu können. Wildberger und Kern, aber auch FDP-Nationalrat Werner Messmer betonten, es gehe nicht in erster Linie um den Kampf gegen Sterbehilfe. Es gehe vor allem darum, Menschen ein würdiges, schmerzfreies Sterben zu ermöglichen.

Sollte die Initiative erfolgreich sein, müsste der Kanton mit der Thurgauer Spital AG als Betreiberin der Kantonsspitäler einen Leistungsvertrag für die Einrichtung von Palliativstationen abschliessen. Solche gibt es bereits in den Thurgauer Nachbarkantonen St. Gallen und Zürich.

ThurgauThurgau / 29.02.2008 - 13:55:00