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Tierschützer Erwin Kessler kämpft weiter

Tuttwil/TG. Seit 20 Jahren kämpft der Thurgauer Erwin Kessler mit seinem Verein gegen Tierfabriken (VgT) gegen die Ausbeutung von Nutztieren.

Er will aufwecken, schockieren und provozieren. Seine Gefechte führt er bis in die Gerichtssäle. Am 29. Februar ist Erwin Kessler 65 Jahre alt geworden. Aber zur Ruhe setzen will sich der unermüdliche Tierschützer nicht. «Der Kampf ist noch lange nicht zu Ende», sagt der Gründer und führende Kopf des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) mit Sitz im thurgauischen Tuttwil.

Im Kampf gegen die Ausbeutung von Nutztieren ist Kessler fast jedes Mittel recht. Der gebürtige Stadtzürcher protestierte auf der Zürcher Bahnhofstrasse nackt gegen das Pelz tragen, drang illegal in Ställe ein oder veranstaltete eine nächtliche Kaninchen-Befreiungsaktion.

Im Kampf gegen das Schächten provozierte er die jüdische Gemeinschaft. Er beschuldigte die Juden, sie seien nicht besser als ihre früheren Nazi-Henker, wenn sie Tiere durch Schächten umbrächten.

Das Bundesgericht wertete diese Aussage als antisemitisch. Bereits früher hat es festgehalten, Kessler müsse sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen. Der für die Aussage zum Schächten ausgesprochenen Gefängnisstrafe entzog sich Kessler durch einen «zeitlich gut geplanten Auslandaufenthalt». Anschliessend war der Fall verjährt.

Nicht vorbestraft wegen Verjährung
«Ich lege Wert darauf, dass meine Straftaten verjährt sind, und ich nicht mehr als vorbestraft gelte», betont Erwin Kessler. Heute halte er sich meist ans Gesetz. Im jahrelangen Kampf habe er den Umgang mit Behörden und Paragraphen gelernt und zeige Tierquäler nur noch an, wenn er glaubt, dass er damit etwas
verändern kann.

Trotzdem verbringt er noch immer viel Zeit vor Gericht. In den «VgT-Nachrichten», welche der Verein vier Mal jährlich an alle Haushalte der Schweiz schickt, nennt Kessler Tierquäler beim Namen. Diese zerrten ihn dann vor den Kadi oder er müsse sich gegen ihre Verleumdungen wehren, sagt der Tierschützer.

«Behörden haben keine Ahnung»
Der ausgebildete Bauingenieur mit Doktortitel arbeitet seit zehn Jahren vollamtlich für den VgT. Seinen Lohn finanzieren die rund 30’000 Mitglieder, ebenso die Gerichtsprozesse, welche Kessler permanent am Laufen hat. Momentan habe er fünf oder sechs Prozesse laufen, sagt Kessler. Das koste den Verein nicht so viel, wie viele Leute glaubten. Dank jahrzehntelanger Übungkönne er sich heute vor Gericht selbst verteidigen und brauche keine teuren Anwälte.

Doch viele Gefechte gegen uneinsichtige Tierhalter verliefen im Sand, weil Behörden oft «keine Ahnung» hätten, sagt er. Tierquälerei gelte noch immer ein Kavaliersdelikt. Komme doch einmal ein Fall vor Gericht, liessen sich die meisten Richter täuschen. «Für einen besseren Tierschutz bräuchte es dringend ein Verbandsbeschwerderecht», sagt Kessler.

Kessler kämpft weiter
Mehr als einmal hat Kessler mit gewalttätigen Bauern Bekanntschaft gemacht. Es kam zu Tätlichkeiten, Drohungen und einmal sogar zu einer wilden Verfolgungsjagd. Statt sich zu wehren, schlachtet der clevere Tierschützer solche Angriffe lieber medial aus.

Was der jahrzehntelange Kampf gebracht hat, kann Kessler nicht sagen. Auch wenn sich bei Erwin Kessler manchmal Resignation breit macht. Ruhe geben will er noch lange nicht. Die geltenden Tierschutzgesetze würden täglich mit Füssen getreten: «Das Leben vieler Nutztiere hat den ausschliesslichen Sinn, die Überernährung der Menschen noch etwas preisgünstiger zu gestalten.»

ThurgauThurgau / 14.07.2009 - 11:01:49