
Thurgauer Wirtschaft geschlossen für die Bilateralen
Frauenfeld. Die Thurgauer Wirtschaft steht geschlossen zu den bilateralen Verträgen. Dies betonten die drei Präsidenten der drei Thurgauer Wirtschaftsverbände am Montag an einer Medienkonferenz in Frauenfeld.
Peter A. Schifferle, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau, Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes (TGV) und Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes (TBV), waren sich einig: Die bilateralen Abkommen mit der EU haben sich bewährt. Deren Weiterführung ist von enormer Bedeutung für die Wirtschaft im Grenzkanton Thurgau. Sie plädierten für ein Ja in der Volksabstimmung vom 8. Februar 2009.
IHK-Präsident Peter A. Schifferle stellte eine „grosse Geschlossenheit der Wirtschaft“ fest. Dies verdeutliche die Präsenz von Industrie, Handel, Dienstleistungen, Gewerbe und Landwirtschaft an der gleichen Medienkonferenz. Er hob die hohe Bedeutung der bilateralen Verträge für die Exportwirtschaft hervor. Gut drei Viertel aller Ausfuhren aus dem Kanton Thurgau, die ein Gesamtvolumen von knapp 5 Milliarden Franken erreichen, gehen in den EU-Raum. Die Auswirkungen eines negativen Abstimmungsausgangs werden laut Schifferle unterschätzt.
TGV-Präsident Peter Schütz bezeichnete die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als Hauptnutzniesser der bilateralen Wirtschaftsordnung mit der EU. Er verwies auf die Baubranche, das Gesundheitswesen sowie das Gast- und Hotelgewerbe, wo 40 bis 50 Prozent der Beschäftigten aus der EU stammen. Eine stattliche Zahl von KMU sei als Zulieferer von international tätigen Unternehmen selber im Export tätig. Es gebe keine unterschiedlichen Interessen von KMU und Exportbetrieben, unterstrich er. Die Abstimmung habe einen ganz wesentlichen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort. Den Gegnern warf er vor, „leichtsinnig“ mit dem Thema umzugehen.
TBV-Präsident Andreas Binswanger wies auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft hin. Die Betriebe würden grösser, die Bauernfamilien seien je länger desto mehr auf familienfremde Arbeitskräfte angewiesen. Diese Arbeitskräfte seien auf dem heimischen Markt nicht zu finden. Gerade im Kanton Thurgau mit einem hohen Anteil der Obst-, Gemüse-, Wein- und Beerenproduktion wären die Ernten ohne Arbeitskräfte aus dem EU-Raum nicht mehr einzubringen. Die Weiterführung der bilateralen Verträge sei auch für den Zugang vieler Verarbeitungsprodukte aus landwirtschaftlichen Rohstoffen in den EU-Raum von zunehmender Bedeutung. Ein Nein würde diese Exportmöglichkeiten gefährden.