• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Thurgauer Konjunkturmotor stottert

TG. Die Wirtschaft hat sich zum Jahresschluss 2008 deutlich abgekühlt. Produktion und Auftragseingänge bildeten sich auf breiter Front zurück. Bis Mitte 2009 wird ein Anhalten des Abwärtstrends erwartet.

Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «ThurgauerWirtschaftsbarometers», der vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, ist der Geschäftsgang in der Thurgauer Industrie im Schlussquartal 2008 weit in den negativen Bereich gerutscht.

Negative Geschäftslagebeurteilungen

Die Anfang Januar 2009 von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe äusserten sich deutlich negativer über ihre Geschäftslage als noch drei Monate zuvor. Insbesondere der Anteil der Unternehmen, die diese als schlecht einstuften, hat sich innerhalb von drei Monaten mehr als verdoppelt und erreichte im Januar 2009 31 Prozent (Oktober 2008: 14 Prozent). Demgegenüber bezeichneten nur noch 18 Prozent ihre Geschäftslage als gut (Oktober: 27 Prozent). Immerhin jeder zweite Betrieb meldete eine befriedigende Geschäftslage.

Industrieproduktion im Sinkflug
Die Industrieproduktion war sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch dem Vorjahr rückläufig, wobei sich die Abwärtsbewegung im Quartalsverlauf markant verschärfte. Damit hat sich die Kapazitätsauslastung weiter zurückgebildet und lag zum Jahresende noch bei knapp 81 Prozent. Die technischen Produktionskapazitäten wurden tendenziell etwas heruntergefahren. Im vierten Quartal 2008 hat sich auch die Ertragslage spürbar eingetrübt: Jeder zweite Industriebetriebe meldete niedrigere Erträge, während kaum einer einen Zuwachs registrierte.

Zu niedriger Auftragsbestand

Wie die Industrieproduktion tauchte auch der Bestellungseingang gegen das Jahresende zunehmend ab. Anfang Januar 2009 beurteilten 56 Prozent der Thurgauer Industriebetriebe ihren Auftragsbestand als zu tief
(Oktober 2008: 39 Prozent). Ihnen standen nur fünf Prozent der Firmen mit grossem Auftragsbestand gegenüber. Insbesondere der Auftragsbestand aus dem Ausland wurde als zu niedrig bezeichnet.

Ende des Exportbooms
Aufgrund des schlechten vierten Quartals wurde das Thurgauer Exportergebnis für das Gesamtjahr 2008 spürbar gedrückt. Das Ausfuhrvolumen lag um 0,2 Prozent unter jenem des Boomjahres 2007. Damit
schnitt die Thurgauer Exportwirtschaft noch etwas schlechter ab als die gesamtschweizerische Exportindustrie, wo immerhin noch ein moderater Zuwachs von knapp fünf Prozent verzeichnet wurde. Vor allem in den USA wurden deutlich weniger Thurgauer Produkte abgesetzt (-9,4 Prozent).

Eingebrochen ist auch die Ausfuhr in die asiatischen Schwellenländer (-22 Prozent). In den EU-Raum wurde um insgesamt 1,3 Prozent weniger exportiert als im Vorjahr, wobei hier die Ausfuhren nach dem wichtigsten
Handelspartner Deutschland stützend wirkten (+0,8 Prozent). Mehr Waren aus dem Thurgau wurden ferner in Italien, Belgien und Österreich abgesetzt, während sich die Exporte nach Frankreich, die Niederlande und
Grossbritannien im zweistelligen Bereich zurückbildeten. Die Thurgauer Importe nahmen mit 1,7 Prozent nur geringfügig zu, was die ins Stocken gekommene Binnennachfrage widerspiegelt.

Anhalten des Abwärtstrends erwartet
Für das erste Quartal 2009 gehen die Thurgauer Industriebetriebe von einer weiter rückläufigen Produktion aus. Bei den Bestellungseingängen rechnen sie ebenfalls mit einem Anhalten des Abwärtstrends. Entsprechend sollen der Vorprodukteeinkauf zurückgefahren und die Beschäftigtenzahl reduziert werden. Bis zur Jahresmitte 2009 dominiert im Kreis der Thurgauer Industriebetriebe ebenfalls der Pessimismus.

Beinahe jeder vierte Betrieb geht von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage aus, nur fünf Prozent erwarten eine Aufhellung. Immerhin gut 70 Prozent der Firmen rechnen mit einer unveränderten
Lage.

Dunklere Wolken am Bauhimmel
Die Thurgauer Baukonjunktur zeigte sich im vierten Quartal 2008 recht gut in Form. Die Baubetriebe waren überwiegend mit ihrer Geschäftslage zufrieden, und die Auftragsbestände wurden als gut beurteilt. Dies ist
jedoch fast ausschliesslich auf das Ausbaugewerbe zurückzuführen, während im Bauhauptgewerbe die Auftragsbestände gerade noch als ausreichend eingestuft wurden.

Trotz der noch guten Baukonjunktur sind die Zeichen der Abkühlung jedoch unübersehbar. So fallen die Geschäftslagebeurteilungen weit vorsichtiger aus als noch vor drei Monaten. Zudem war die Bautätigkeit
im letzten Quartal 2008 sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch zum Vorjahr rückläufig, wobei dies teilweise auf die Witterung zurückzuführen war. Für das erste Quartal 2009 rechnen die
Thurgauer Baubetriebe mit rückläufigen Auftragseingängen bei verschärftem Preisdruck.

Zunehmende Besorgnis im Detailhandel

Das Schlussquartal 2008 verlief im Thurgauer Detailhandel zufriedenstellend. Die Erwartungen für die zukünftige Entwicklung sind allerdings pessimistisch. So rechnet gut die Hälfte aller befragten
Detailhändler für das erste Quartal 2009 mit einem Umsatzrückgang, und die Geschäftslage zur Jahresmitte wird sogar von zwei Dritteln negativ beurteilt. Demgegenüber gehen nur knapp sieben Prozent der Befragten von einer Verbesserung aus.


Das Technologieforum Thurgau vernetzt Forschung und Praxis

In der aktuellen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers» wird zudem das Technologieforum Thurgau vorgestellt. Dieses fördert seit bald zehn Jahren die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft und will damit Innovationsimpulse setzen.

ThurgauThurgau / 20.02.2009 - 09:26:44