Thurgauer Industrie im Griff des globalen Abschwungs
TG. Die Thurgauer Wirtschaft ist im ersten Quartal 2009 weiter abgerutscht. Produktion und Auftragseingänge bildeten sich weiter zurück. Bis zum Herbst 2009 ist keine Aufhellung in Sicht.
Gemäss der soeben erschienenen Ausgabe des «Thurgauer Wirtschaftsbarometers», das vom Kanton Thurgau, der Thurgauer Kantonalbank und der Industrie- und Handelskammer Thurgau gemeinsam getragen wird, hat sich der Geschäftsgang in der Thurgauer Industrie im ersten Quartal 2009 weiter deutlich abgekühlt.
Nur noch jeder zehnte Betrieb mit guter Geschäftslage
Die Anfang April 2009 von der KOF ETH befragten Thurgauer Industriebetriebe äusserten sich markant negativer zu ihrer Geschäftslage als noch zu Jahresbeginn. Nur gerade noch knapp 10 Prozent der Unternehmen bezeichneten diese als gut (Januar 2009: 18 Prozent). Demgegenüber kletterte der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als schlecht einstuften, innerhalb von drei Monaten von 31 auf 45 Prozent. Die übrigen gut 45 Prozent der Industriebetriebe berichteten von einer befriedigenden Geschäftslage.
Gedrosselte Industrieproduktion
Die Industrieproduktion wurde im Verlauf des ersten Quartals 2009 weiter massiv zurückgefahren. Beinahe drei Viertel der Betriebe haben ihre Produktion im Vergleich zum Vorjahr gedrosselt, während nur gerade gut jeder zehnte mehr produziert hat. Obwohl die technischen Produktionskapazitäten reduziert wurden, hat sich die Kapazitätsauslastung auf knapp 77 Prozent verringert.
Schwindende Erträge
Die Ertragslage hat sich auf breiter Front eingetrübt. Zwei Drittel der befragten Thurgauer Industriebetriebe beklagten schrumpfende Erträge, ein knappes weiteres Drittel konnte sie immerhin halten. Kaum ein Betrieb war in der Lage, die Ertragssituation zu verbessern.
Zu niedriger Auftragsbestand
Wie die Industrieproduktion tauchte auch der Bestellungseingang während des gesamten ersten Quartals weiter ab. Anfang April bezeichneten 70 Prozent der befragten Thurgauer Industriebetriebe ihren Auftragsbestand als zu niedrig, kaum einer hingegen als gross.
Einbruch bei den Exporten
Die Exporte aus dem Kanton Thurgau brachen im ersten Quartal 2009 um mehr als 8 Prozent ein. Damit kam der Thurgau etwas glimpflicher davon als die Gesamtschweiz (-13 Prozent). Dies war nicht nur einem Exportplus der Fahrzeug- sowie der Bekleidungsindustrie zu verdanken, sondern auch dem Umstand, dass sich der Auslandabsatz der gewichtigen Segmente Maschinen und Metalle im Thurgau weniger stark zurückbildete als auf gesamtschweizerischer Ebene.
Die thurgauische Exportwirtschaft war in allen grösseren Exportmärkten mit Nachfragerückgängen konfrontiert, wobei insbesondere der Minderabsatz im EU-Raum (-10 Prozent) ins Gewicht fiel. Die Importe in den Thurgau verfehlten mit einem Minus von 15 Prozent ihren Vorjahresstand ebenfalls deutlich. Dabei fand der Einbruch vor allem bei den Rohstoffen und Halbfabrikaten sowie den Investitionsgütern statt, während bei den Konsumgütern nach wie vor Mehreinfuhren zu verzeichnen waren.
Düstere Zukunftserwartungen
Für das zweite Quartal 2009 gehen die Thurgauer Industriebetriebe von einer weiter rückläufigen Produktion aus. Entsprechend sollen der Vorprodukte-Einkauf eingeschränkt und der Personalbestand reduziert werden. Ein kleiner Lichtblick könnte sein, dass bei den Bestellungseingängen insgesamt kaum mehr mit weiteren Einbussen gerechnet wird.
Trotzdem wird auch der Zeitraum bis zum Herbst 2009 negativ beurteilt: 42 Prozent der Betriebe erwarten eine weitere Verschlechterung der Geschäftslage, weitere gut 50 Prozent eine unveränderte Situation. Nur gerade 7 Prozent der Unternehmen halten eine Aufhellung ihrer Geschäftslage für wahrscheinlich.
Abwärtsbewegung erfasst auch das Baugewerbe
Die Thurgauer Baukonjunktur hat sich im ersten Quartal 2009 deutlich abgekühlt. Sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch zum Vorjahr bildete sich die Bautätigkeit zurück, wobei die winterliche Witterung als wichtigster Behinderungsfaktor angeführt wurde. Die Beurteilung der Geschäftslage rutschte erstmals in diesem Konjunkturzyklus – wenn auch nur leicht – in den negativen Bereich.
Ausschlaggebend für die Abwärtsentwicklung war das Bauhauptgewerbe, während es im Ausbaugewerbe noch recht rund lief. Dort wurden Anfang April auch die Auftragsbestände noch als ausreichend eingestuft, die im Bauhauptgewerbe als zu niedrig bezeichnet wurden.
Für das zweite Quartal 2009 gehen die Thurgauer Baubetriebe von leicht rückläufigem Auftragseingang bei anhaltendem Preisdruck aus.
Sorgenvolle Stimmung im Thurgauer Detailhandel
Im ersten Quartal 2009 hat sich die sorgenvolle Stimmung im Thurgauer Detailhandel weiter ausgebreitet. So bezeichneten Anfang April (beschäftigungsgewichtet) zwei Drittel der befragten Detaillisten ihre Geschäftslage nur als befriedigend. Daneben halten sich Betriebe mit guter und schlechter Geschäftslage ungefähr die Waage.
Die Entwicklung der Geschäftslage für die kommenden sechs Monate schätzt fast jeder zweite Detailhändler negativ ein, während nur jeder zehnte von einer Aufhellung ausgeht.