Thurgauer Hanfbauern verhaftet
SH/TI/TG/ZH. Die Kantonspolizei Zürich hat ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen eine Gruppierung abgeschlossen, der Cannabishandel vorgeworfen wird. In die Geschäfte waren auch Thurgauer Hanfbauern verwickelt.
16 Personen verschiedenster Nationalitäten wurden ermittelt, verhaftet und befragt. Insgesamt wurden über 1,1 Tonnen Haschisch und Marihuana, Bargeld in der Höhe von über 600 000 Franken sowie Uhren und Fahrzeuge im Wert von rund 300’000 Franken sichergestellt. Der Bande wird Handel im Umfang von 1,5 bis 2 Tonnen Haschisch sowie 3,5 bis 5 Tonnen Marihuana zur Last gelegt.
Im Frühjahr 2007 erhielt die Kantonspolizei Zürich erste Hinweise, wonach ein im Kanton Zürich wohnhafter, 40-jähriger Schweizer grössere Mengen Marihuana ins Welschland liefere. Die Vorermittlungen bestätigten den Verdacht, worauf die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ein Strafverfahren eröffnete und technische Überwachungsmassnahmen anordnete. Die polizeilichen Ermittlungen wurden durch den Betäubungsmitteldienst 1 der Kantonspolizei Zürich geführt. Unterstützt wurde sie dabei durch Betäubungsmitteldienste verschiedener anderer Kantone sowie durch das Grenzwachtkorps.
Die ersten Ermittlungen zeigten, dass am Cannabishandel des Schweizers auch Holländer türkischer beziehungsweise kurdischer Herkunft, beteiligt waren.
Im Mai 2007 konnte am Grenzübergang in Thayngen SH ein 64-jähriger Brite angehalten werden, der in einem Wohnmobil versteckt 300 Kilogramm Haschisch transportierte. Die Verbindung dieses Drogentransportes zu den Tatverdächtigen war zum damaligen Zeitpunkt noch unklar. Erst später gelang es, den Haschisch-Aufgriff an der deutsch/schweizerischen Grenze der türkischen Gruppierung zuzuordnen.
Im Frühsommer 2007 ergaben sich Hinweise auf einen im Raum Zürich wohnhaften 34-jährigen Serben. Die Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass der Serbe eine Cannabislieferung organisierte, die kurz bevorstand. In der Folge gelang es am 12. August 2007 ein aus dem Kosovo angereister Car mit 60 Passagieren an der Grenze in Chiasso anzuhalten und zu kontrollieren. Erst nach mehrstündiger Suche fanden die Spezialisten des Grenzwachtkorps in einem perfekt vorbereiteten Versteck 270 Kilogramm vakuumiertes Marihuana.
Eine der niederländisch/türkischen Zielpersonen wurde in September 2007 aktiv und pflegte regen Kontakt zu den anderen, ins Verfahren einbezogenen Personen. Dabei ging es jeweils um Haschischlieferungen in die Schweiz. Nach einem Treffen kam der Schweizer Drogenhändler aus dem Kanton Zürich im Oktober 2007 in den Besitz von 20 Kilo Haschisch für den Verkauf. Die weiteren Ermittlungen führten am 12. Dezember 2007 zur Verhaftung des Zürchers und zur Sicherstellung von 12 Kilogramm Haschisch, 76 000 Franken und einer Uhr im Wert von rund 40 000 Franken.
Im Verlaufe der Untersuchungshaft gab der angeschuldigte Schweizer den Weiterverkauf von mehreren Hundert Kilogramm Haschisch und Marihuana zu. Er bezeichnete Leute aus der Türkengruppierung als Haschischlieferanten.
Mitte Januar 2008 gelang es der Polizei, Treffen der wieder aktiv gewordenen Beteiligten zu beobachten. In der Folge konnten drei Hauptverdächtige verhaftet werden; ein 48-jähriger Türke, kurdischer Herkunft, mit Wohnsitz in Holland, sein 21-jähriger Sohn sowie sein 27-jährige Schwager, ein Holländer mit ebenfalls türkischer Herkunft. Bei der Hausdurchsuchung in Zürich-Wollishofen wurden rund 40 Kilogramm Haschisch sichergestellt. Im Zuge weiterer Hausdurchsuchungen kamen Unterlagen zum Vorschein, in denen die Drogengeschäfte detailliert vermerkt und aufgelistet waren. Zudem wurden bei den drei Verhafteten Uhren im Wert von 200’000 Franken sichergestellt. Ein weiterer, 29-jähriger Holländer mit türkischen Wurzeln stellte sich einige Tage später bei der Untersuchungsbehörde.
Anfang April 2008 kam es zu einer weiteren Verhaftung im Kanton Bern. Festgenommen wurde ein 37-jähriger Schweizer, der wiederholt mehrere Hundert Kilogramm Haschisch und Marihuana bezogen und im Raum Biel weiterverkauft hatte. Sichergestellt wurden dabei je drei Kilo Marihuana und Haschisch sowie 14 Kilo Marihuanarückstände. Die im August 2007 in Chiasso in einem Reisecar sichergestellten 270 Kilogramm Marihuana hätten von diesem Schweizer zum Weiterverkauf übernommen werden sollen. Im Mai 2008 schliesslich konnte auch der Serbe verhaftet werden; er wurde durch die zuständige Staatsanwältin in Untersuchungshaft gesetzt.
Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse mussten die Ermittlungen auf zwei im Kanton Thurgau ansässige Landwirte ausgeweitet werden. Es zeigte sich, dass die beiden 48- und 42-jährigen Schweizer Bauern in grossem Stil auf ihren Feldern Hanf anbauten und unter anderen auch die niederländisch/türkische Gruppierung mit Marihuana belieferten.
Ende September wurden die beiden «Hanfbauern» im Kanton Thurgau verhaftet und der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl zugeführt. In der Scheune des 48-jährigen Bauern konnten 520 Kilogramm Marihuana mit einem THC-Gehalt von rund 10 Prozent gefunden werden. An Bargeld aus dem illegalen Handel und der Lagerung konnten bei den beiden Bauern über 500 000 Franken sichergestellt werden.
Bei der Befragung bestätigte der 42-jährige Landwirt, seit 2003 der Türkengruppierung rund 1500 Kilogramm Marihuana aus der Eigenproduktion verkauft zu haben. Seinem 48-jährigen Kollegen wird vorgeworfen, rund 1,2 Tonnen Haschisch für die Türken aufbewahrt und seit 2003 rund 1,5 Tonnen Marihuana aus der Eigenproduktion verkauft zu haben.



























