«Thurgauer Bündnis gegen Depression» gestartet
TG. Zur Prävention von Depression und besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen hat der Regierungsrat des Kantons Thurgau das «Thurgauer Bündnis gegen Depression» ins Leben gerufen.
Depressionen verursachen viel persönliches Leid bei Betroffenen und Angehörigen. Daneben sind sie aber auch häufig der Grund für Ausfälle am Arbeitsplatz. Obwohl etwa ein Viertel der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an einer Depression leidet, ist das Thema in der Öffentlichkeit tabuisiert. In der Hausarztpraxis werden eher körperliche als psychische Beschwerden berichtet, so dass Depressionen oft übersehen werden. Der Kanton Thurgau nimmt sich seit einem knappen Jahr dieses Themas an. Mit dem «Thurgauer Bündnis gegen Depression» will der Regierungsrat der Stigmatisierung entgegenwirken, die frühere Erkennung von Depressionen erreichen und die Beratungs- und Hilfsangebote verbessern.
Am 17. Juni 2009 wurde das Thurgauer Bündnis offiziell gestartet. In Weinfelden kamen die Mitglieder des Patronatskomitees und des Beirats sowie Betroffene zusammen, um sich nach der Begrüssung durch Regierungsrat Bernhard Koch über den Stand der Vorarbeiten und die geplanten Aktionen informieren zu lassen. Zunächst berichtete eine betroffene Frau über das Leben mit ihren schweren depressiven Episoden und sprach den Wunsch aus, das Thurgauer Bündnis möge den Zugang zu Rat und Hilfe schon in den frühen Stadien der Depression ermöglichen.
Der Thurgauer Kantonsarzt-Stellvertreter Mathias Wenger zeigte die historische Entwicklung der Gesundheitsförderung auf und stellte fest, dass psychische Probleme ins Zentrum der Bemühungen rücken müssen. Adrian Suter, stellvertretender Chefarzt der Cliena Klinik Littenheid, berichtete von der Grundidee des «Bündnis gegen Depression» aus Nürnberg, der Verbreitung in Europa und den Erfolgen bei der Senkung der Suizidraten. Hans-Peter Roost vom Kantonsärztlichen Dienst Luzern gab einen Einblick in das dortige Bündnis. Zwischen Luzern und dem Thurgau wurde auf oberster Ebene, von den zuständigen Regierungsräten, eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Die Projektleiterin Ulrike Borst stellte die Einbettung des Thurgauer Bündnisses in die Gesundheitsprojekte des Kantons und des Bundes vor. Brigitte Müller von der Fachhochschule Nordwestschweiz präsentierte die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, die neben Experteninterviews auch eine repräsentative Bevölkerungsumfrage im Thurgau beinhaltet und aufzeigt, wo Lücken in der Beratung und bei Hilfsangeboten geschlossen werden sollten. Bemerkenswert dabei ist, dass 68 Prozent der befragten Personen selbst oder in ihrem Umfeld mit Depressionen zu tun haben.
Abschliessend zeigte Ulrike Borst die Aktivitäten auf, die ab Juli 2009 bis Juni 2010 geplant sind: Aktionswochen, Kampagnen, Screening-Tage, Fortbildungen für sogenannte «Multiplikatoren» wie zum Beispiel Lehrer und Personalverantwortliche, und Fortbildungen für Fachleute wie zum Beispiel Hausärzte und Pflegefachpersonen. Sie rief die anwesenden Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Schulen, Polizei und Ärzteschaft zum persönlichen Engagement auf.



























