Symposium «Alles tut weh»
Teufen/AR. Mit dem Symposium «Alles tut weh» zeigte die Klinik Teufen am Donnerstagnachmittag im Lindensaal neue Wege in der Behandlung von chronischen Schmerzen.
«Der Schmerz ist das Positive»
Sie ist eine sehr kleine und junge Institution. Mit dem Symposium «Alles tut weh» zeigte die Klinik Teufen am Donnerstagnachmittag im Lindensaal neue Wege in der Behandlung von chronischen Schmerzen. Diskutiert wurde im Rahmen der Veranstaltung auch und vor allem über die Bedeutung des Schmerzes. Ostnews.ch im Gespräch mit dem Chefarzt der Klinik Teufen Dr. Milan Kalabic.
Warum veranstaltet die Klink Teufen ein Symposium gerade zum Thema Schmerz?
Schmerz ist heute das häufigste Phänomen in ärztlichen Praxen. Wenn wir dazu kein Symposium veranstalten, wozu dann?
Wir wissen alle wie es sich anfühlt, was ist Schmerz eigentlich aus medizinischer Sicht?
In der Regel ist Schmerz ein Ausdruck körperlicher Schädigung, er kann aber auch ein Ausdruck seelischer Belastungen sein. Oft ist der körperliche Schmerz eine Projektion negativer Emotionen. Innerliche Anspannung, aber auch verdrängte Wut, Trauer, Angst und Hass machen sich im Körper bemerkbar. Schmerzen sind ein Warnsignal, das – so wie die seelische Krise – auch eine Chance in sich birgt. Der Schmerz ist in diesem Sinne das Positive, das von uns eine Veränderung will, um noch Schlimmeres zu verhindern.
Wie begegnen Sie als Arzt Patienten mit chronischen Schmerzen?
Die moderne Medizin verlässt langsam aber sicher ihr dualistisches Modell wieder. Wir wissen heute, dass körperliche Erkrankungen seelische Ursachen haben können, genauso wie sich auch psychische Erkrankungen, etwa Depressionen, körperlich auswirken. Gerade bei chronischen Schmerzen ist es absolut notwendig, beide Ebenen in die Behandlung zu integrieren. Genau das machen wir in unserer Arbeit an der Klinik Teufen.
Was kann die Medizin für Patienten mit chronischen Schmerzen tun?
Die Frage ist zunächst einmal, was kann und muss ein Patient für sich selbst tun? Wir leben in einer Zeit von zunehmendem Druck und Stress – das sind krankmachende Faktoren. Es ist unglaublich wichtig, den Patienten bewusst zu machen, was das für sie bedeutet. Dass sie nämlich bereit sein müssen, ihre Lebensumstände zu verändern. Die Medizin kann nicht alle Probleme lösen, schon gar nicht auf Knopfdruck. Erst, wenn die Patienten bereit sind, auch selbst Verantwortung für ihre Gesundheit zu tragen, kann die Medizin eine effektive Hilfe sein.
Worauf kommt es an in der Behandlung?
Die Kunst in der Behandlung ist zu verstehen, was der Schmerz eines Patienten eigentlich sagen will. Oft reduzieren sich die Symptome schon, wenn der Patient die Möglichkeit bekommt, die Ursachen auszudrücken. Sich verstanden zu fühlen ist eine wichtige Voraussetzung, um von Schmerzen loslassen zu können. Und um verstanden zu werden, muss man sich mitteilen können. Genau das macht vielen Menschen enorme Schwierigkeiten, weil schwach sein, krank sein in der modernen Gesellschaft nicht geduldet werden. Mann muss immer funktionieren. Wir müssen den Menschen Mut machen, ihre Schwächen anzunehmen.



























