Symbol-Sprache mit Gegensätzen

Appenzell. Julius Bissier steckte voller Gegensätze, die er in immer wiederkehrenden Symbolen zum Ausdruck brachte.

Das Museum Liner in Appenzell zeigt vom 9. November bis 15. Februar das Lebenswerk des metaphysischen Malers.

Die treibende Kraft hinter der Ausstellung sei Pedro Riz à Porta, der Enkel und Nachlassverwalter von Julius Bissier, sagte Roland Scotti, Kurator des Museum Liner in Appenzell, am Freitag vor den Medien.

Das Museum Liner zeigt Bilder, Zeichnungen, Fotos und Filmsequenzen aus der 50-jährigen Schaffenszeit des Künstlers. Der Querschnitt ist breit, er reicht vom altmeisterlichen Selbstportrait bis zum abstrakten Tusch-Symbol, das Bissier mit einem selbstgebastelten Pinsel auf Japan-Papier zeichnete.

Erstmals sei in Appenzell eine Ausstellung seines Grossvaters zu sehen, die das realistische Früh- und das abstrakte Spätwerk in einen Zusammenhang stelle, sagte Riz bei einem Rundgang durch die Ausstellung. Die 120 Exponate sind Leihgaben des Archivio Bissier in Ascona und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Der Deutsche wurde 1893 in Freiburg im Breisgau geboren. Während des Nazi-Regimes zog er an den Bodensee, wo er einige Jahre lebte. Aus Angst vor Repressionen habe der abstrakt arbeitende Künstler damals nur nachts gearbeitet und tagsüber Cello gespielt. Später zog er mit seiner Frau nach Ascona, das seine Wahlheimat wurde und wo er 1965 starb.

Bissier malte vorwiegend mit Tusch. In einer dunklen Phase, als sein zehnjähriger Sohn an Diphterie starb, habe er nur schwarz auf weiss gezeichnet. «Doch Bissier liebte Farben, was in seinen späteren Bildern klar zum Ausdruck kommt», sagte sein Enkel.

Ostasiatische Einflüsse
Bissier sei ein metaphysischer und religiös motivierter Künstler gewesen, sagte der Kurator. Er habe sich sehr intensiv mit ostasiatischer Kunst auseinandergesetzt, da er eng mit einem Sinologen befreundet gewesen sei.

Der Maler habe östliche und abendländische Vorstellungen kombiniert, sagte Scotti. Seine Technik und die Art der bildnerischen Gestaltung stamme oftmals aus Ostasien, die Inspiration habe er aber aus dem bipolaren Denken des Abendlandes geholt, sagte Scotti.

Gegensätze
Fasziniert war Bissier offensichtlich von Gegensätzen, die er darstellte und zu verbinden versuchte. Gegenstände aus seiner Umgebung, Formen aus der Natur oder Landschaften verwandelte der Künstler in Symbole. Immer wieder gezeichnet hat der Maler das von ihm erfundene «männlich weibliche Einheitszeichen».

Für seine Symbolsprache hat Bissiers Frau, welche nach seinen Motiven Wandteppiche wob, eine Art Übersetzung geschrieben. Diese Anleitung ist ebenfalls im Museum Liner ausgestellt. Allerdings hätte der Künstler nicht gewollt, dass die Betrachter seine Bilder mit diesem Decodiersystem entschlüsseln, sagte sein Enkel.

Appenzell Innerrhoden / 07.11.2008 - 16:08:00
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