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Süchtig nach Barnetta?

Sind Sie «Barnetta-süchtig»? Damian Caluori, Leiter, Beratungsstelle für Suchtfragen Appenzell Ausserrhoden, wirft einen humoristischen Blick auf die Euro08.

Die Schweiz ist im EM-Fieber. Die grössten Fans träumen sogar vom EM-Titel der Köbi-Truppe, nachdem wir die Slowenen so sauber weggeputzt haben. Aber Achtung: Gleichzeitig lauert auch das «Barnettasyndrom». Dies äussert sich in einer emotionalen Fussball-Entzugsphase und dem Versuch, sich langsam von Pommeschips, kühlem Bier und der Stresszigarette zu verabschieden. Sind Sie auch Barnetta-süchtig?

EM macht süchtig!?
Logisch Frei und Streller im Sturm – Benaglio im Tor (oder doch nicht), Barnetta ist sowieso gesetzt, und so weiter und so fort…… Nun, wir wüssten doch eigentlich schon alle, wie die Aufstellung auszusehen hätte, mit der wir die Tschechen, Türken und Portugiesen umdribbeln und Tore am Laufmeter schiessen würden. Wenn wir Köbi heissen würden, dann wüssten wir, welche 11 in die Startformation gehören.

Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte natürlich in keiner Art und Weise an der EM-Euphorie rütteln. Trotzdem erlaube ich mir, ein paar suchtpräventive Gedanken zu äussern (dabei darf ruhig geschmunzelt werden). Denn meine Erfahrung zeigt, dass mit einem solchen Anlass auch eine EM-Sucht entstehen kann oder wir später sogar mit dem Barnettasyndrom zu kämpfen haben. Die EM-Sucht ist tückisch und schleicht sich langsam und in verschiedenen Dimensionen an. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele:

Wettsucht
Die Wetterei rund um die EM produziert unzählige Wettverrückte oder vielleicht sogar Spielsüchtige: Man kann sich teilweise kaum mehr begegnen, ohne über die Spiele zu lamentieren. Und das ganze endet dann natürlich in einer Wette. Ich selber wette jeweils mit 12 Kollegen und hinke in der Wetttabelle meistens chancenlos hinterher. Trotzdem hagelt es ständig Mails von den anderen Wettfanatikern und ich habe manchmal sogar die Illusion, dass ich an dieser Heim-EM vielleicht doch noch eine Gewinnchance habe!? Bin ich wohl schon in die Suchtfalle getrampt und muss mich nächstens selber beraten?

Salznüssli und Pommeschips
Was ist ein EM-Spiel ohne Pommeschips und Salznüssli – mindestens ein Pack pro Halbzeit – und dann noch die Verlängerung bzw. zwei Verlängerungshalbzeiten = nochmals etwas zum Knabbern – und dann das Elfmeterschiessen. Liebe EM-Schauer/innen, rüsten Sie sich jetzt schon auf diese katastrophale Ernährungsphase und essen Sie ab sofort bis zum EM-Startspiel nur noch Rüebli, Stangensellerie knackigen Salat, zwischendurch auch mal einen knackigen Apfel zum Zvieri. So sind Sie gerüstet auf die ungesunde Ernährung während der Euro 08.

Das kühle Bier und Zigaretten
Bei den erwachsenen Fans gilt es natürlich auch, den Bierkonsum während der EM in Grenzen zu halten. Meistens stimmt man sich schon vor dem Match mit einem Bierchen ein. Noch eins während Halbzeit 1 und vielleicht 1-2 in der zweiten Halbzeit. Dann das Siegerbier oder das Bier zum vergessen. Ja, ja, es zählt sich langsam!

Die Zigarette verführt während der EM wohl manchen Nichtraucher dazu, seinen Stress mit dem Glimmstängel erträglich zu machen. Irgendwie schon paradox: Wir ergötzen uns über die Fussballgladiatoren, welche eine Riesenlunge brauchen, um die 90 oder gar 120 Minuten zu überstehen und ziehen gleichzeitig den Zigi-Qualm in unsere Lungen. Übrigens: Im August bieten wir Rauchenden die Chance, sich mit Hilfe unseres Rauchstoppkurses auf ein «rauchlos glückliches» Leben vorzubereiten. Den Flyer zum Kurs können Sie unter www.sucht-ar.ch herunter laden.

Kaffee
Der Kaffee-Konsum wird nach den nächtlichen EM-Genüssen kontinuierlich steigen. Ohne einen erhöhten Kaffeekonsum während dem Tag würden wohl viele schon vor dem abendlichen EM-Anpfiff ins Land der Träume verreisen. Aber Achtung: Die Fachliteratur behauptet, dass der Konsum von mehr als 4 Tassen Kaffee pro Tag über einen längeren Zeitraum süchtig machen kann. Probieren Sie es einfach aus und verzichten Sie 1-2 Tage gänzlich auf Kaffee. Reagiert ihr Körper z.B. mit Kopfschmerzen? Werden Sie nervös? Also hat die WM 2006 Sie tatsächlich kaffeesüchtig gemacht?

Das Barnettasyndrom
Und zu guter Letzt eben das Barnettasyndrom: Sie müssen stark sein, auch wenn Barnetta vielleicht nicht schon im ersten Spiel mehrere Tore schiesst. Auch wenn ein anderer Schweizer vor dem Tor kläglich versagt müssen wir gerüstet sein. Sonst laufen wir Gefahr, nach einem evtl. Ausscheiden (obwohl ich stark an den EM-Titel der Köbianer glaube!) voll ins Barnettasyndrom reinzuschliddern.

Wenn ich den Tranquillo nicht mehr über die Mattscheibe bewundern kann, wird mir einfach etwas fehlen. Irgendwie ist es mir egal, wer denn schlussendlich der grosse Champion wird. Der Traum vom Schweizer EM-Titel ist doch gigantisch. Aber er verführt uns auch, evtl. schon nach der Vorrunde emotional völlig entkräftet, ins Barnettasyndrom abzugleiten. Ich persönlich sorge vor: Ich bin – meistens fast als einziger – immer noch präventiv für die Deutschen. Das funktioniert fast immer, denn die sind einfach immer gut – warum weiss kein Mensch. Anstatt im Barnettasyndrom zu versauern kann ich dann einfach noch ein bisschen „Hopp Tütschland“ rufen.

Viele Süchte lauern während der EM. Liebe Leserinnen und Leser, machen Sie sich schon jetzt auf die unangenehmen Entzugserscheinungen nach dem EM-Final gefasst. Ich wünsche uns eine erfolgreiche Euro 08 und eine gute Erholung bis zur Weltmeisterschaft 2010.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 29.05.2008 - 10:11:00