
Studie zeigt: Erdwärme-Projekt in St. Gallen möglich
St.Gallen. In der Stadt ist eine Erdwärme-Anlage geologisch und wirtschaftlich machbar: Das zeigt eine Studie, die heute vom Stadtrat vorgestellt wurde.
Als nächster Schritt sind umfassende seismische Messungen geplant. Dafür will der zuständige Stadtrat Fredy Brunner dem Stadtparlament im September dieses Jahr einen 10-Millionen-Kredit beantragen, wie er an einer
Medienkonferenz sagte.
Brunners Ziel ist eine Volksabstimmung über einen Rahmenkredit von 150 Millionen Franken Mitte 2010.
St. Gallen soll die erste Schweizer Stadt werden, die rund die Hälfte ihres Wärmebedarfs aus Erdwärme gewinnt. Bereits heute liefert ein Kehricht-Heizkraftwerk 15 Prozent der Wärmeenergie.
«Erwärme steht als erneuerbare regionale Energie praktisch unbeschränkt zur Verfügung», sagte Brunner. Das Geothermie-Kraftwerk würde der Stadt hohe Unabhängigkeit in der Wärmeversorgung bringen.
Wärme- und Stromproduktion
Gemäss den Abklärungen durch Spezialisten der Geowatt AG Zürich könnte in St. Gallen in einer Tiefe von 4200 bis 5000 Metern heisses Wasser angezapft werden.Es liesse sich zum Heizen, aber auch über eine kombinierte Anlage zur Stromproduktion nutzen.
Der mögliche Standort ist noch nicht bekannt. Laut Brunner kommt sowohl der Westen als auch der Osten der Stadt für ein Erdwärme-Kraftwerk in Frage. Laut Thomas Kohl von der Firma Geowatt ist die Geologie in St. Gallen «relativ einfach». Für die weiteren seismischen Untersuchungen soll der Untergrund grossflächig mit Schallwellen ähnlich einem Echolot untersucht werden. Probebohrungen in die Tiefe sind nicht geplant.
Kaum Erdbebengefahr
Laut Brunner und Kohl besteht in St. Gallen kaum Gefahr, dass durch die Erwärme- Nutzung Erdbeben ausgelöst werden, wie dies Ende 2006 in Basel-Kleinhüningen geschah. Dort wurde Wasser unter Hochdruck in eine 5000 Meter tiefe Bohrung gepresst.
In St. Gallen werde eine andere Technik angewandt, wurde betont. Geplant ist, heisse Wasservorkommen im Erdinnern anzubohren. Weil dieses Wasser unter Druck steht, würde es, vergleichbar einem künstlichen Geysir, von selbst bis relativ nahe an die Erdoberfläche gelangen. Trotzdem betonte Fredy Brunner, die Risiken des Vorhabens und die Information dürften nicht vernachlässigt werden. Ein Risiko besteht darin, dass die Stadt grosse Vorinvestitionen tätigt, dabei aber keine Garantie hat, dass im Erdinnern wirklich die gewünschten geothermischen Energiequellen gefunden werden.