Streptomycin-Einsatz gegen Feuerbrand
TG. Rund 350 Erwerbs-Obstbauern haben die Bewilligung zum Einsatz des Antibiotikums Streptomycin gegen die Obstbaumkrankheit Feuerbrand erhalten.
Damit könnte das Mittel auf etwa 75 Prozent der Niederstamm-Anbaufläche gespritzt werden. Es sei aber noch nicht klar, wieviele der Berechtigten das Mittel auch wirklich bezögen, sagte Hermann Brenner, Leiter der Thurgauer Fachstelle für Pflanzenschutz, am Mittwoch vor den Medien. Er geht davon aus, «dass dieses jahr der Einsatz frei gegeben werden muss».
Nach dem derzeitigen Wintereinbruch rechnet er damit, dass der Frühling anschliessend mit Wärme einsetzen wird. Sobald die Obstblüten zu 20 bis 50 Prozent offen sind und die Temperaturen im Durchschnitt über 15,6 Grad liegen, sei mit dem Auftreten von Feuerbrandbakterien zu rechnen, so Brenner.
Bakterien haben überlebt
Nachdem der Feuerbrandbefall 2007 so stark war, «dass die Obstwirtschaft so ein Jahr nicht noch einmal überstehen würde», seien Bäume vorhanden, auf denen das Feuerbrandbakterium den Winter überlebt habe. Im Labor der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil seien bereits solche Bakterien nachgewiesen worden. Wegen des starken Feuerbrandbefalls im letzten Jahr sind im Thurgau die Besitzer von Niederstammkulturen in allen Gemeinden berechtigt, Bezugsscheine für den Antibiotika-Einsatz zu beziehen. In 18 der 80 Gemeinden wurden aber keine entsprechenden Anträge gestellt.
Maximal dreimal anwenden
Jene, die das Antibiotikum einsetzen wollen, dürfen dies nur nach schweizweit einheitlichen strengen Regeln: Das Mittel darf maximal dreimal während der Obstbaumblüte versprüht werden. Das allerdings nur, wenn für den entsprechenden Tag eine Feuerbrand-Warnung vorliegt. Die Gefahrenmeldung geht den Bauern direkt von der Pflanzenschutzstelle zu. Imker und Bauern können sie aber auch per Telefon abrufen oder im Internet nachsehen. Zudem muss der Einsatz gemeldet werden. Dabei dürfen 600 Gramm Streptomycin in mindestens 750 Liter Wasser pro Hektar Niederstamm-Obstanlage gesprüht werden. Laut Beat Lehner, Präsident der Thurgauer Niederstammproduzenten, kostet das die Bauern 145 Franken pro Hektar.
Strepromycin im Honig
Brenner betonte am Mittwoch, Streptomycin werde innerhalb von drei bis vier Tagen nach dem Spritzen wieder abgebaut. Auf dem Obst selbst blieben keine Rückstände. Streptomycin-Rückstände werden dagegen im Honig erwartet. Honig von Bienen von Standorten im Umkreis von drei Kilometern um Streptomycin-Spitzungen werden deshalb auf jeden Fall im Kantonslabor untersucht. Werden dabei mehr als 0,02 Milligramm Streptomycin in einem Kilo Honig gefunden, so wird der Honig vernichtet.



























