Steuerbelastung ist erneut gesunken

TG. Die Finanzlage der Schulgemeinden hat sich im Jahr 2007 erneut deutlich verbessert. Darum konnten sie Zusatzabschreibungen tätigen, welche im gesamten Volksschulaufwand von 466 Millionen Franken enthalten sind.

Auch im letzten Jahr haben die Schülerzahlen im Kanton Thurgau auf allen Stufen abgenommen. 31’042 Schülerinnen und Schüler besuchten die Volksschule, knapp 1000 weniger als 2006. Damit betrug der Rückgang 2,9 Prozent, etwas mehr als im Vorjahr mit 2,7 Prozent.

Trend: sinkende Steuerbelastung
Die Finanzlage der Schulgemeinden präsentierte sich weiterhin erfreulich. Der Trend einer sinkenden Steuerbelastung innerhalb der Volksschule Thurgau setzte sich fort und lag 2007 bei einem Durchschnittswert von 102,6 Prozent (Vorjahr 103,2 Prozent). Im Jahr 2001 hatte der durchschnittliche Steuerfuss noch über 108 Prozent betragen. Die Eigenmittel stiegen von 144 Mio. auf den hohen Wert von 170 Mio. Franken. Dies entsprach 40 Prozent der Steuerkraft. Dabei sind allerdings zukünftige Herausforderungen wie Schülerrückgang und Steuergesetzrevisionen entsprechend zu berücksichtigen.

Dem Verwaltungsvermögen von 405 Mio. Franken standen langfristige Schulden von 419 Mio. Franken gegenüber. Mit 104 Prozent lag die Finanzierungsquote somit nahe dem Zielwert von unter 100 Prozent. Die Nettoinvestitionen betrugen 2007 noch 18 Mio. Franken (Vorjahr 28 Mio.). Aufgrund der unerwartet guten Rechnungsergebnisse konnten über 50 Mio. Franken für die Schuldentilgung verwendet werden, was einer Verdoppelung gegenüber 2007 entspricht.

Schülerzahlen: umfangreichster Rückgang
Bei den Schülerzahlen 2007 wies die Kindergartenstufe mit -4,6 Prozent oder 229 Kindern anteilmässig den umfangreichsten Rückgang auf. Im Berichtsjahr wurde ein weiterer Kindergarten geschlossen. In den nächsten fünf Jahren ist bei rund einem Drittel der Kindergärten mit einem deutlichen Rückgang der Kinderzahlen von über 20 Prozent zu rechnen. Dieser Trend wird sich zeitverzögert auf die weiteren Schulstufen auswirken.

Auf der Primar- und Sekundarschulstufe hielt sich der Rückgang mit einer Abnahme von 421 (-2,4 Prozent), respektive 279 (-2,9 Prozent) Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Vorjahres. 2007 besuchten noch 17’021 (17’442) Schülerinnen und Schüler die Primarschule, in der Sekundarschule waren es 9’227 (9’506). Insgesamt gingen die Schülerzahlen seit dem Höchststand von 1997 (34’811) um rund 3’800 zurück, davon 1’800 innerhalb der letzten zwei Jahre. Die Verstärkung des negativen Trends wird anhalten: 2012 rechnet das Amt für Volksschule mit einem Bestand von 27’000 Schülern, was einem weiteren Rückgang von 4’000 Kindern und Jugendlichen entspricht.

Steigende Aufwendungen
Gleichzeitig stiegen die Aufwendungen für die Volksschule: 2007 betrugen sie total 466 Mio. Franken (+1,1 Prozent). Davon wurden 431 Mio. Franken direkt durch die Schulsteuern finanziert, 56 Mio. Franken flossen indirekt in Form von Kantonsbeiträgen an die Schulgemeinden. Dank dem Beitrag der finanzstarken Schulgemeinden in den Finanzausgleich von insgesamt 21 Mio. Franken reduzierte sich der Aufwand des Kantons auf netto 35 Mio. Franken. Angesichts sinkender Bestände und insgesamt höherer Kosten stiegen die durchschnittlichen Aufwendungen pro Schüler um 3,9 Prozent (Vorjahr 3,7 Prozent) und erreichten rund 15’000 Franken. Im Kindergarten betrug der Kostenanstieg pro Kind 610 Franken (+6,5 Prozent), in der Primarschule 500 Franken und auf der Sekundarstufe 700 Franken.

Bei den einzelnen Kostenbereichen stieg der Aufwand für die Verwaltung mit 4,9 Mio. Franken (+15 Prozent) am stärksten und erreichte 38 Mio. Franken. Die Lohnkosten für die Schulleitungen, die im Rahmen der Professionalisierung der Schulverwaltung eingeführt wurden, trugen massgeblich zu dieser Steigerung bei. Rund 75 Prozent der Volksschüler besuchen inzwischen «Geleitete Schulen».

Unterrichtsaufwand: Rückgang
Einen Rückgang in der Höhe von 4,2 Mio. Franken hingegen verzeichnete der Unterrichtsaufwand. Dies ist im Wesentlichen auf reduzierte Vorsorgebeiträge der Pensionskasse zurückzuführen. Insgesamt wurden rund 68 Prozent (Vorjahr 69 Prozent) des gesamten Aufwandes von 466 Mio. Franken für den eigentlichen Unterricht eingesetzt. Auch der übrige Volksschulaufwand, welcher hauptsächlich den Gesundheitsdienst sowie kurzfristige Zinskosten umfasst, sank um 0,5 Mio. Franken.

Mehrkosten in der Infrastruktur
Im Bereich Infrastruktur fielen Mehrkosten von insgesamt 5,3 Mio. Franken an. 2,1 Mio. Franken davon entfielen auf den Unterhalt, was einer Steigerung um vier Prozent entspricht. Aufgrund der guten Finanzlage konnten die Schulgemeinden wesentliche Zusatzabschreibungen vornehmen. Die sinkenden Schülerzahlen werden sich auf die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur auswirken. Die Anpassung derselben ist damit zu einer wichtigen Aufgabe der strategischen Führung der Schulgemeinden geworden.

Im Sonderschulbereich fielen 2007 Kosten von insgesamt rund 52 Mio. Franken an, die ebenfalls dem Volksschulaufwand zuzurechnen sind. Die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen (NFA) wird die Finanzierung der Sonderschulen wesentlich beeinflussen. Das Berichtsjahr 2007 berücksichtigte noch die alte Finanzierungsform. Erstmals nach mehreren Jahren zeichnete sich im Sonderschulbereich eine leichte Reduktion der Schülerzahlen ab. Dies darum, weil immer mehr Schulen bereit sind, Kinder in die Schule vor Ort zu integrieren. Obwohl die detaillierte Schlussabrechnung des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) infolge der NFA-Umstellungen noch nicht vorliegt, ist davon auszugehen, dass sich die Kostensteigerung für die Sonderschulung ein weiteres Mal verlangsamte.

Die in der Publikation «Schulfinanzen 2007» veröffentlichten Zahlen basieren ausschliesslich auf den Jahresrechnungen der Schulgemeinden und den Daten des Abrechnungssystems für die Staatsbeitragsberechnung. Sie beziehen sich auf das Kalenderjahr 2007, so dass sie von anderen Statistiken, welche sich auf das Schuljahr beziehen, abweichen können.

Die Publikation «Schulfinanzen 2007» kann unter www.av.tg.ch heruntergeladen werden.

Thurgau / 09.12.2008 - 09:41:00
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