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St.Galler Rollstuhl Curler gewinnen Silber

Curling. Claudia Hüttenmoser und Ivo Hasler gewinnen mit ihrem Team Wetzikon die Silbermedaille an den Schweizermeisterschaften und können nun bei der Ausscheidungen zu den Paralympics Vancouver 2010 antreten.

Am vergangenen Wochenende konnte das Team Wetzikon unter Skip Max Brunner, Josef Ramel, Ivo
Hasler und Claudia Hüttenmoser an den Schweizer Rollstuhlcurling Meisterschaften in Bern teilnehmen. Gegen ihre 5 Gegner aus der ganzen Schweiz konnten sie sich in der Vorrunde souverän durchsetzen. In dieser Round Robin, wo jedes Team gegen jedes spielte, haben die aufstrebenden Sportler vier von fünf Spiele deutlich gewonnen. Durch diese tolle Vorrunden Bilanz konnte sich das Team direkt für den Final qualifizieren.
Dort stiessen sie auf das starke und erfahrene Team von Bern.

In einem umkämpften spannenden Spiel ging das Team Wetzikon mit zwei Steinen in Führung. Die Berner konnten im vierten End ebenfalls mit einem zweier Haus mit 2:3 in Führung gehen. Dank sehr gut gespielten Steinen der beiden Ostschweizer Curler konnte ein weiterer Stein zum Ausgleich geschrieben werden. Im sechsten und letzten End lag dann der Vorteil des letzten Steines bei den Bernern.

Das Team Wetzikon kämpfte äusserst geschickt und sie machten es den Bernern so schwierig wie möglich. Am Schluss musste sogar der Schiedsrichter die beiden am besten liegenden Steine noch messen. Der Stein der Berner lag um haaresbreite näher zum Zentrum und damit konnte Bern die Goldmedaille für sich in Anspruch nehmen. Claudia Hüttenmoser und Ivo Hasler betonten aber, nicht eine Goldmedaille verspielt zu haben sondern Silber gewonnen zu haben. Beide sind sehr stolz, schon nach zwei Jahren Curling spielen mit einer Medaille in die Ostschweiz zurückkehren zu dürfen. Ihr enormer Trainingsfleiss hat sich also ausbezahlt.

Training im Curling Center St.Gallen

Den Grundstein für diesen Erfolg legten die beiden engagierte Behinderten Sportler im Curling Center St.Gallen. Konzentriert und akribisch genau haben sie nach den von ihrem Coach vorgegebenen Trainingseinheiten in St.Gallen geübt und trainiert. Claudia Hüttenmoser aus Goldach und Ivo Hasler aus St.Gallen-Winkeln teilen ihr gemeinsames Hobby Curling mit ihren drei anderen Kollegen vom Rollstuhl Curling Club Wetzikon.

In der Ostschweiz ist der Sport unter den Rollstuhlfahrern noch zuwenig bekannt. Bis vor kurzem sind die beiden einzigen Ostschweizer Curlingspieler jeweils zum Training nach Wetzikon gereist. Der zeitliche Aufwand war enorm und die Trainingseffektivität liess zu wünschen übrig. Durch einen glücklichen Zufall kam man mit St.Galler «Fussgänger Curler», wie sie die nichtbehinderten Curler Kollegen und Kolleginnen nennen, in Kontakt. So konnten die beiden Sportler ihre wichtigen Trainingssteine ab sofort auf dem Eis im St.Galler Curling Center spielen.

Durch das Wegfallen des langen Anfahrtweges ins Zürcher Oberland konnten wir einiges intensiver und genauer trainieren, sind sich denn die beiden auch unisono einig. Und wer die beiden in Bern beobachten konnte sah sofort, wie präzise und genau auch im Rollstuhl Curling gespielt wird. Ivo Hasler meint denn auch, dass sie im Rollstuhl wesentlich präziser spielen müssen, da Rollstuhl Curler ihre Steine ganz ohne Wischen platzieren müssen. Beide sind durch die Teilnahme an einem Schnupper-Event erst vor zwei Jahren eher durch Zufall zum Curling gestossen.

Unterschiede sind nur marginal
Nebst dem fehlenden Wischeinsatz unterscheidet sich Rollstuhl Curling eigentlich nur noch durch die
Art der Steinabgabe. Dazu wird ein sogenannter Delivery Stick oder zu Deutsch Anschubhilfe verwendet. Regeln und Spielablauf sind genau dieselben wie im «Fussgänger» Curling. Einzig die Teamzusammensetzung ist etwas fixer reglementiert. Es muss nämlich mindestens eine Spielerin in einer Mannschaft mitspielen. Als Rollstuhl kann das normale persönliche Hilfsmittel verwendet werden. Nur die Temperatur der Pneus sollten sich vor dem Eiskontakt etwas an die Eistemperatur angleichen können, da es sonst buchstäblich eine Rutschpartie geben könnte.

Schweizer Rollstuhl Curling Szene noch klein

Claudia Hüttenmoser, 41, Mutter von zwei Kindern und Hausfrau erklärt, dass es bis dato insgesamt 7 Curling Teams gibt in der Schweiz. Vor allem die Ostschweiz und das angrenzende Vorarlberg sind noch ein weisser Fleck auf der Landkarte und dementsprechend eine Entwicklungsregion. Die sympathische Goldacherin, sie sitzt auch als Kreisrichterin im Rorschacher Gericht und engagiert sich aktiv im katholischen Pfarreirat ihrer Wohngemeinde, hofft denn auch auf einen Curlinghallen Neubau in St.Gallen.

Dies würde unserem Sport in der Region und in der Ostschweiz sicherlich den nötigen Auftrieb geben. Als Vorstandsmitglied im Rollstuhl Club St.Gallen wird sie sich auch aktiv um weitere Neumitglieder bemühen. Sie meint denn auch, dass Curling eine tolle spannende Sportart und ein gesunder Ausgleich ist. Neben Curling kommen aber auch das Monoskifahren, das Handbikefahren und die neu entdeckte Lust am Golfen in ihrer spärlichen Freizeit nicht zu kurz.

Ziel Paralympics Kanada in Vancouver 2010

Dank dem zweiten Platz haben die beiden Paraplegiker mit ihrem Team ein gemeinsames grosses Ziel vor Augen, die Qualifikation für die Paralympics im Kanadischen Vancouver im Jahre 2010. Ivo Hasler, 47, der gelernte Lastwagen Mechaniker und heutige Elektro-Techniker unterstreicht aber, wie schwierig die Qualifikation im April gegen das bestandene und erfahrene Team aus Bern werden wird. Die beiden Teams sind die einzigen welche sich für diese Ausscheidung vom 15.-17. April in Baden qualifizieren konnten. Wir wissen seit dem Wochenende, dass wir eine Chance haben werden gegen Bern und wir werden alles daran setzen, diese auch packen zu können. Die an den Schweizer Meisterschaften gesammelten wertvollen Erfahrungen sind deshalb enorm wichtig auf dem Weg nach Vancouver. Der in Winkeln wohnende Ivo Hasler zählt ebenfalls Skifahren und Handbikefahren zu seinen weiteren sportlichen Hobbies. Daneben engagiert er sich noch als Kassier im Verein «Kultur in Engelburg». Mittlerweile ist aber Curling zu einer richtigen Passion geworden und er freut sich auf die kommenden Ernstkämpfe. Die Qualifikationsrunde für die Behinderten Olympiade in Baden wird in einer Best-of-Five Serie ausgetragen. Das Team mit drei Siegen wird den begehrten Startplatz für Kanada für sich beanspruchen dürfen.

Veraltete Infrastruktur in St.Gallen

Die in die Jahre gekommene Curling Halle im St.Galler Lerchenfeld genügt den heutigen sportlichen und infrastrukturellen Anforderungen nicht mehr. Gerade den Behinderten Sportlern kann die Anlage kaum mehr genügen. Sanitäre Anlagen und Eingänge wurden vor über 40 Jahren nicht behindertengerecht geplant und gebaut. Ein Zugang zum Restaurant und den damit verbunden Aufwärmmöglichkeit ist heute gar nicht möglich. Deshalb ist eine Integration und Teilnahme am St.Galler Clubleben noch nicht so einfach realisierbar, was die beiden Sportler natürlich bedauern. Sie freuen sich aber auf das neu geplante Curling Center mit 5 Rinks, welches dann auch speziell für sie als Behinderten Sportler konzipiert sein soll. Die Verantwortlichen des Curling Centers erhoffen und freuen sich, ab Herbst 2010 weitere Rollstuhlsportler in der Curling Halle begrüssen zu dürfen.

Einem Rollstuhl Curling Club St.Gallen steht dannzumal sicherlich nichts mehr im Wege. Weitere Informationen über die Curling Szene St.Gallen kann man jederzeit im Internet unter www.curling-stgallen.ch finden.

Link zu den Rollstuhl Schweizer Meisterschaften:  
www.cba-bern.com/turnaments/2008-2009/smroll/
Link zur Schlussrangliste:
www.cba-bern.com/turnaments/2008-2009/smroll/ranking/?rankingid=1BBA4D4B-A0F0-436B-
9EEC-317950F1D3B8

Weiter Bilder von der SM in Kürze von Fotograf Uwe Reimann unter:
www.rc-basel.ch/curling.html

St.GallenSt.Gallen / 16.03.2009 - 10:59:16