St. Gallen startet im November mit Brustkrebs-Früherkennung
St.Gallen. Als erster Kanton der Deutschschweiz startet St. Gallen noch in diesem Jahr mit einem Mammografie-Screening-Programm.
Zur Früherkennung von Brustkrebs werden alle 50- bis 69-jährigen Frauen aufgefordert, ihre Brüste regelmässig röntgen zu lassen.
Nach den Zahlen des Krebsregisters SGA wurde im Kanton St. Gallen in den Jahren 2000 bis 2006 bei 1991 Frauen die Diagnose Brustkrebs gestellt. Rund 40 Prozent der Betroffenen waren zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen 50 und 69 Jahre alt.
Im Kanton St. Gallen sind ungefähr 45’000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren. Derzeit gehen davon nur rund 20 Prozent aus eigener Initiative zur Mammografie – aber unregelmässig.
Um die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern, hat der St. Galler Kantonsrat im November 2008 mit 113 zu 15 Stimmen beschlossen, ein qualitätskontrolliertes Mammografie-Screening- Programm einzuführen, wie es in einigen Westschweizer Kantonen und vielen europäischen Ländern bereits existiert.
Jährlich zehn Tödesfälle verhindern
Im März 2009 hatte der Kanton St. Gallen die Krebsliga St. Gallen-Appenzell beauftragt, ein solches Programm aufzubauen, welches zur qualitätsgesicherten Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen ohne Symptome dient.
«Wir arbeiten unter Hochdruck», sagte der kantonale Präventivmediziner Gaudenz Bachmann, Leiter des kantonalen Amtes für Gesundheitsvorsorge, auf Anfrage der SDA. Er hofft, im kommenden November die ersten Frauen zur Mammografie einladen zu können.
Erwartet wird eine Teilnehmerinnenrate von 70 bis 75 Prozent, was pro Jahr 35’000 Screening-Mammographie-Lesungen ergäbe. Bachmann rechnet mit 60 bis 100 Karzinom-Nachweisen (Krebs) sowie sechs bis zehn Todesfällen, die pro Jahr verhindert werden können.
Teilnahme bleibt freiwillig
Das flächendeckende Mammografie-Sreening kostet den Kanton St. Gallen im ersten Jahr rund 1,25 Mio. Franken, danach jährlich rund 750’000 Franken. Frauen zwischen 50 und 70 Jahren werden neu alle zwei Jahre zu einem Mammografie-Screening aufgeboten. Die Untersuchung bleibt wie bis anhin freiwillig.
Mammographien müssen von der Krankenkasse in jedem umd nicht nur im Verdachtsfall bezahlt werden, wenn sie im Rahmen eines kantonalen Programms durchgeführt werden. Das schreibt die seit Anfang Jahr geltende entsprechende Verordnung des Bundes vor.
Novum in der Deutschschweiz
Der Kanton St. Gallen ist der erste Kanton in der deutschen Schweiz, der die flächendeckende Brustkrebs-Früherkennung einführt. Auch der Kanton Bern will nachziehen und hat im September 2008 den politischen Entscheid gefällt, ab 2010 ein entsprechendes Programm aufzubauen.
In der Romandie gibt es Reihenuntersuchungen zur Brustkrebs-Prävention schon seit geraumer Zeit. Entsprechend tiefer ist dort die Sterblichkeit bei Frauen wegen Brustkrebses.
Die Westschweizer Kantone, der Kanton St. Gallen und der Berner Jura haben sich zudem im Juni 2008 zum Schweizerischen Verband der Brustkrebs-Früherkennungsprogramme zusammengeschlossen. Dessen Ziel ist es, die Aktivitäten der Früherkennungprogramme zu fördern und zu koordinieren.
Brustkrebs ist in der Schweiz der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Jährlich würden 5000 neue Fälle diagnostiziert. Trotz Verbesserungen bei der Behandlung ist diese Krankheit immer noch die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Rund 1400 Frauen sterben jedes Jahr an Brustkrebs.



























