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Soforthilfe und Langzeittherapie

Heiden. Am Mittwoch, 30. April, wurde im Spital aufgezeigt, wie man einer Blasenschwäche mit Therapien entgegenwirken kann.

Gaby Weber, Präsidentin Spitex Vorderland, begrüsste erfreut rund Hundert interessierte Frauen und Männer zum ersten öffentlichen Arztvortrag des Spitals Heiden, welcher in Zusammenarbeit mit der Spitex und thematisch unterstützt von der Schweizerischen Gesellschaft für Blasenschwäche durchgeführt wurde.

Initiator Harold Seiler, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Spital Heiden, wies darauf hin, dass rund eine halbe Million Menschen in der Schweiz an Blasenschwäche leiden. Dabei werden zwei Formen unterschieden: die Dranginkontinenz, sprich Reizblase, mit häufigem Drang zum Wasserlösen und die Belastungsinkontinenz, das ungewollte Urinieren beim Husten, Lachen, Niesen, Wandern oder etwa Springen.

Von Beckenbodentraining bis Hormontherapie
Pflegefachfrau Marlies von Siebenthal von der Frauenklinik Frauenfeld zeigte auf, dass eine Blasenschwäche von verschiedenen Seiten erfolgreich angegangen werden kann. Hilfreich ist ein muskelstärkendes Beckenbodentraining, dass in der Physiotherapie erlernt werden sollte. Dort wissen die Fachleute auch um die Anwendung von anderen Hilfsmitteln, wie dem Vibrationstraining, bestens Bescheid.

Das Thema Beckenbodentraining ist nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer aktuell, im Besonderen für Männer nach einer Prostataentfernung. Weil Blasenschwäche immer häufiger auftritt, hat sich im Spital Heiden Physiotherapeutin Anne Festini auf diesen Bereich spezialisiert. Sie bietet Beckenbodentraining für Männer und Frauen an. Eine Soforthilfe gemäss von Siebenthal sind Pessare, „Blasentampoos“, die eingeführt und mit einer lokalen Hormontherapie, Cremen oder Zäpfchen, kombiniert werden.

Trinktraining bei Reizblase
Während bei der Belastungsinkontinenz mittels Beckenbodentraining, Hormonen, Pessaren oder Operationen Hilfe angeboten werden kann, ist bei der Reizblase keine operative Behandlung möglich. Ursache ist meist, dass jahrzehntelang nicht genügend getrunken wurde, was zum Fehlverhalten der Blase führt. Deshalb ist ein Trink- und Miktionstraining äusserst wichtig. Während 24 Stunden sollten zwischen 1,8 bis 2,5 Liter Flüssigkeit getrunken und zwischen 3 bis 5 Deziliter Wasser gelöst werden. Um die Trinkmenge zu verbessern, sollten grosse Gläser benützt werden.

Besteht Harndrang, kann das Wasserlösen hinausgezögert werden, indem man sich zuerst hinsetzt, dann dreimal tief ein- und ausatmet, den Beckenboden kurz anspannt und erst danach uriniert. Auch Blasenentzündungen können zu Blasenschwäche führen. Trinken, Wärme, Preiselbeersaft und Hormone sind hilfreich. Um sich im Alltag sicher zu fühlen, gibt es heute Einlagen, Klebeslips und zusätzliche Hilfen wie Urinbeutel für Spaziergänge oder Autostaus in den verschiedensten Preislagen und auch in modischen Ausführungen.

Chinesische Medizin hilft
Carmen Kletschke, Leiterin TCM Zentrum Spital Heiden, verdeutlichte, dass die Traditionelle Chinesische Medizin eine andere Sichtweise bezüglich Blasenschwäche habe. TCM will den Energiefluss harmonisieren. Dazu werden Akupunktur, Moxatherapie mit Abbrennen von Beifusskraut, chinesische Arzneimittel und Ernährungspraxis sowie Qigong angewendet.

Blasenschwäche geht in dieser jahrtausendalten Heilmethode einher mit der Abnahme der Lebensenergie Qi, oder aber rührt von übermässiger sexueller Betätigung her. Sie kann aber auch durch chronischen Husten hervorgerufen werden. Dann muss die Lungenenergie behandelt werden. Nach Geburt auftretend, gilt es die Nierenenergie zu stären.

Flankierende Medikamente
Über die medikamentöse Therapien referierte Peter Böhi, Belegarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Spital Heiden. Er verdeutlichte nochmals, dass bei einer Stress- oder Belastungsinkontinenz Östrogene, Physiotherapie, Pessare und die Operation, bei einer Dranginkontinenz Östrogene, Trinktraining, Infektionstherapie, blasenberuhigende Medikamente und Blasentraining möglich seien. Bei der Östrogentherapie seien in Bezug auf Blasenschwäche lokale Anwendungen angezeigt. Andere Medikamente hätten zum Ziel, die Blasenmuskulatur zu beeinflussen. Die medikamentöse Behandlung sei aber immer flankierend zu den anderen Massnahmen zu sehen.

Zum Schluss verwies Harold Seiler auf die TVT Operation. Dort wird ein Band unter die Blase gelegt, um sie zu stützen. Das Band übernimmt dabei die Funktion der geschwächten Beckenbodenmuskulatur. Die zehn Minuten dauernde Operation verzeichnet bei 85 Prozent der Patientinnen Erfolg und bei zehn Prozent eine Verbesserung.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 08.05.2008 - 15:39:00