Sia Abrasives wird deutsch
Frauenfeld. Der Frauenfelder Schleifmittelhersteller Sia Abrasives kommt unter die Kontrolle des weltgrössten Auto-Zulieferers Bosch. Der Sia-Sitz in Frauenfeld soll das Bosch-Kompetenzzentrum für flexible Schleifmittel werden.
Sia-Grossaktionär Giorgio Behr verkauft sein knapp 40-Prozent umfassendes Aktienpaket an den Weltkonzern, wie er am Donnerstag mitteilte. Bosch zahlt ihm dafür 153,4 Mio. Franken oder 515 Franken pro Aktie. Den übrigen Aktionären bietet Bosch für jede Aktie 435 Franken.
«Der Kauf von Sia Abrasives ist für uns eine wachstumsgetriebene Akquisition», erklärte Bosch-Vorstandsmitglied Boris Gleissner vor den Medien in Zürich. Am Standort Frauenfeld sollten kurzfristig 45 Mio. Franken investiert werden, sobald Bosch die Bücher von Sia eingehend geprüft hat.
Kompetenzzentrum Frauenfeld
Bosch will die Marke Sia Abrasives weiterführen. Es ist geplant, den Standort Frauenfeld zum Bosch-«Weltkompetenzzentrum» für flexible Schleifmittel auszubauen. Sia soll in die Bosch-Sparte Power Tools integriert werden, die vor allem Elektrowerkzeuge und Zubehörgeräte für Haus und Garten herstellt.
Bosch und Sia Abrasives würden aufgrund des Produkte-Portfolios und der generellen Ausrichtung gut zusammenpassen, wurde von beiden Unternehmen betont. Der Verwaltungsrat der Sia unterstützt das Bosch-Angebot voll.
Die Bosch-Konzernvertreter liessen durchblicken, dass das Interesse an Sia Abrasives schon seit einiger Zeit bestanden hat. Bosch und Sia arbeiten bei Entwicklung und Vertrieb schon seit Jahren zusammen.
Unternehmens-Chef Roland Eberle versicherte, auch die Belegschaft der Sia stehe ganz und gar hinter dem Schritt. In einer Stellungnahme sagte der Thurgauer Regierungspräsident Bernhard Koch, die Übernahme wirke sich positiv auf die Region Frauenfeld aus.
Aktienpaket wird voll eingetragen
Das Aktienpaket von Bosch will der Sia-Verwaltungsrat als voll stimmberechtigt eintragen lassen. Bei Grossaktionär Giorgio Behr wurden aber entsprechend nur 5 Prozent eingetragen.
Über eine volle Eintragung des Behr-Anteils hätte die Generalversammlung entscheiden müssen, sagte Sia-Verwaltungsratspräsidnet Peter Schifferle.
Anders bei Bosch: Hier dominiere das Gesellschaftsinteresse, wurde vonseiten der Sia argumentiert. Gegen den Vorwurf einer willkürlichen Statutenauslegung verwahrte sich VR-Präsident Schifferle entschieden.
Prämienzuschlag für Behr
Dass Giorgio Behr 80 Franken mehr pro Wertpapier erhält als die übrigen Aktionäre, ist für Bosch vertretbar: «Bei einem Grossaktionär können sie nicht anders vorgehen», erklärte Bosch-Manager Gleissner den Prämienzuschlag für Behr.
Mit einem Kursgewinn von 36 Mio. Franken macht Behr ein gutes Geschäft. Diesen wolle er für die Expansion seiner Firma Behr Bircher Cellpack AG (BBC Gruppe) verwenden, teilte Behr ohne weitere Angaben mit.
Behr war im letzten Frühlung bei Sia eingestiegen und lancierte im August ein Kaufangebot über 385 Franken pro Aktie, gegen das sich die Sia-Führung vehement wehrte. Behr liess verlauten, er bedaure es, bei Sia nun nicht mehr unternehmerisch mitgestalten zu können.
Aktie schnellt nach oben
Der Kurs der Sia-Aktie schoss am Donnerstag nach oben. Um 16 Uhr notierte er bei 432 Franken 11,9 Prozent im Plus und lag damit noch 3 Franken unter dem Offertpreis. Analysten äusserten sich positiv über die geplante Übernahme und sahen Bosch als geeigneten neuen Besitzer von Sia Abrasives.
Sia Abrasives beschäftigt rund 1150 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 300 Mio. Franken. Der Bosch-Konzern zählt weltweit rund 271 000 Angestellte und kam 2007 auf einen Umsatz von 46,3 Mrd. Euro. Die Sparte Power Tools erzielte einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro.



























