Schweizer Primadonna schrieb Geschichte
Gottlieben. Als Titelheldin in Strauss' «Arabella» wurde die Schweizer Sopranistin Lisa Della Casa weltberühmt. Vor 35 Jahren beendete sie ihre Karriere und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Am Montag feiert sie ihren 90. Geburtstag.
Als Kind wollte sie Säuglingsschwester werden. Doch ihr Vater, der Burgdorfer Augenarzt und Theatermacher Francesco Roberto Della Casa, gab früh die Freude an der Kunst an seine Tochter weiter. Nach einem Opernbesuch im Alter von neun Jahren mit ihrem Vater beschloss das Kind, Sängerin zu werden.
Ihre Gesangslehrerin Margarete Haeser, die die 14-jährige Lisa unter ihre Fittiche nahm, verlangte von dem jungen Talent, sich dem Sängerberuf zu verschreiben. Sie habe nicht die Absicht, das Mädchen für den Hausgebrauch zu schulen.
Nach einem Abstecher zum Film – als Vreneli in Leopold Lindtbergs «Füsilier Wipf» – hielt sich Lisa Della Casa an die Vorgabe. Stets betrachtete sie den Gesang als ihren Beruf. Nachdem sie sich 1974 für die Aussenwelt überraschend von der Bühne verabschiedete, soll sie auch privat nicht mehr gesungen haben.
Fleiss und Strenge
«Ganz oder gar nicht» war ihr Motto. Mit viel Fleiss und Ausdauer erarbeitete sie sich die Rollen. Ihr Ehemann Dragan Debeljevic sagte, sie habe mit höchsten Masstäben gemessen und mit schwersten Gewichten gewogen.
Publikum und Kritiker waren gleichermassen begeistert. Ihr blendendes Aussehen und ihre glockenrein leuchtende Stimme verzückten das Publikum an allen grossen Opernhäusern von Zürich, Mailand, Paris über München und Salzburg bis New York, wo sie 15 Jahre an der Metropolitan Opera sang.
Furore machte Della Casa mit Mozart-Partien – der Figaro-Gräfin, mit der Donna Anna und der Elvira aus «Don Giovanni» – sowie ihrem Strauss-Repertoire, etwa der Ariadne oder der Capriccio-Gräfin. Als eine der wenigen Sängerinnen verkörperte sie alle vier Frauenpartien aus dem «Rosenkavalier»: Die Annina, die Sophie, die Hosenrolle Octavian und die Marschallin.
Die Arabellissima
Ihre Glanzrolle war Richard Strauss› Arabella, die sie über 200 Mal gab und mit der sie auch ihre Karriere beendete. Dabei sang sie die junge Figur auch mit über 50 noch mit jugendlichem Charme und Timbre. «Arabella ist wie mein Leben», sagte sie.
Die kokette Arabella, die selbstbewusst den Richtigen auswählt, hätte ihr auf den Leib geschrieben sein können. Der Komponist höchstpersönlich hatte der 27-Jährigen, als er sie als Zdenka hörte, prophezeit: «Die Kleine wird eines Tages DIE Arabella sein.»
Liebe und Harmonie
Die Kraft, um ihr anspruchvolles Arbeitspensum zu bewältigen, schöpfte Lisa Della Casa aus ihrem Familienleben mit Mann und Tochter. Überliefert ist die Anekdote, dass die Sängerin auf die Frage einer Kollegin, was denn eigentlich ihr Mann mache, zur Antwort gab: «Er liebt mich.»
Ebendieser erzählt, wie seine Ehefrau trotz Erkältungen und Bänderrissen auftrat. Selbst als ihre kaum 20-jährige Tochter Vesna sich einer lebensgefährlichen Aneurysma-Operation unterziehen musste, sagte die Primadonna die Vorstellung nicht ab.
Zu grosser Einsatz
Die Anstrengung forderte jedoch ihren Zoll. Nach ihrem abrupten Rückzug sagte die Sängerin: «Mein Einsatz war zu gross.» Heute lebt der ehemalige Weltstar zurückgezogen am Bodensee auf Schloss Gottlieben oder an der Costa Blanca. Interviews gibt sie kaum.
Zu ihrem 90. Geburtstag gewährte die Sängerin allerdings einem Filmteam Einblick in ihr Privatleben. Lisa Della Casa ist zwar von einer Enzephalitis gezeichnet, aber immer noch charmant, selbstbewusst und etwas geheimnisvoll.
Seltener Einblick in das Leben der Arabellissima
Nach ihrem Rückzug vom Opernbetrieb hat die Schweizer Star-Sopranistin Lisa Della Casa nur selten Interviews gegeben. Neue Dokumente erlauben pünktlich zum 90. Geburtstag der Ausnahme-Sopranistin spannende Einblicke in ihr Leben.
Einige Interviews und Fernsehauftritte gab Della Casa noch kurz nach dem Ende ihrer Karriere in den frühen 1970-er Jahren. 1975 veröffentlichte der Ehemann der Sopranistin, Dragan Debeljevic, eine erste Biografie «Ein Leben mit Lisa Della Casa». Danach wurde es still um die Sängerin.
Gunna Wendt und Monika Faltermeier-Prestl legen nun mit «Lisa Della Casa: Von der Arabella zur Arabellissima» eine neue Biografie vor. Diese lehnt sich teils an Debeljevics Vorlage an, gibt aber auch aktuelle Einblicke in das Leben der ehemaligen Primadonna.
Neuer Dok-Film
2008 erhielten Thomas Voigt und Wolfgang Wunderlich für ihren Dokumentarfilm «Lisa Della Casa – Liebe einer Diva» Zutritt zu Schloss Gottlieben am Schweizer Ufer des Bodensees, wo die Sängerin mit Mann und Tochter lebt. Auch Bühnenpartnerinnen und Zeitzeugen des einstigen Weltstars wie Anneliese Rothenberger, Inge Borkh oder Renée Fleming kommen zu Wort.
Das Zürcher Opernhaus zeigt ab dem 8. Februar im Parkettfoyer einen Monat lang eine Ausstellung mit Fotos zu Ehren Della Casas. Die Ausstellung ist nicht öffentlich und nur mit einer Eintrittskarte in die Oper zu besichtigen.
Das Schweizer Fernsehen strahlt den Dokumentarfilm «Lisa Della Casa – Liebe einer Diva» am Sonntag, 1. Februar 2009 um 23.20 Uhr auf SF1 aus.



























