«Schweizer Franken als Fels im Sturm»
Herisau. Josef Holderegger, Leiter der Niederlassung Herisau der St.Galler Kantonalbank, über den Franken als sicheren Hafen.
Die Diskussionen der letzten Jahre darüber, ob der Schweizer Franken seinen Status als «Safe Haven» eingebüsst habe, sinind verstummt. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass unsere Währung in Krisenzeiten gesucht wird und der Wert des Frankens steigt. Gegenüber dem Euro, der für unsere Exportindustrie wichtigsten Währung, ist der Franken im letzten Jahr um 10 % gestiegen. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Exportunternehmen, vor allem angesichts der rapide sinkenden Nachfrage nach Industriegütern in allen grossen Volkswirtschaften der Welt.
Zwar hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit ihren aggressiven Zinssenkungen vom November und Dezember einen weiteren Anstieg des Frankens stoppen können, ein Kursrückschlag blieb aber aus. Die Europäische Zentralbank wird ihre Leitzinsen in diesem Jahr weiter senken, was die Zinsdifferenz zum Franken verringern und den Euro unattraktiver machen wird. Die SNB behält deshalb die weitere Entwicklung des Eurokurses im Auge und ergreift bei Bedarf zusätzliche Massnahmen. Dies dürfte nicht einfach sein, da die Zinsen in der Schweiz bereits nahe bei null angelangt sind. Damit der Franken wieder an Stärke verliert, muss die Risikobereitschaft der internationalen Anleger erneut steigen. Erste zarte Anzeichen dafür sind zu erkennen, beispielsweise die kleiner werdenden Kursausschläge an den Aktienmärkten. Von einer Rückkehr zum Normalzustand sind wir aber noch weit entfernt, weshalb sich unsere Wirtschaft wohl auch in diesem Jahr auf einen starken Franken einstellen muss.
Vorsicht weiterhin angebracht
Die Risiken und Kursschwankungen an den Finanzmärkten bleiben auch zu Beginn des Jahres 2009 hoch. Die Aufräumarbeiten im Bankensektor werden sich hinziehen, und auf der realwirtschaftlichen Seite ist ein Aufschwung, ausgehend von den USA, frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu erwarten.
Damit sich die Märkte beruhigen und die Anleger wieder Vertrauen fassen, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
Erstens muss sich die Situation im Bankensektor entspannen; die meisten Banken profitieren mittlerweile von staatlichen Stützaktionen. Wir gehen deshalb davon aus, dass keine Bank, die für das Funktionieren des Geldumlaufs wichtig ist, in ihrer Existenz bedroht ist. Das heisst aber nicht, dass die Sanierung der Bilanzen ohne Schmerzen und ohne weitere Verluste in Milliardenhöhe vonstatten gehen wird. Das Vertrauen zwischen den Banken wächst wieder. Dies zeigen die tieferen Risikoprämien, welche die Banken untereinander verlangen.
Zweitens: Die von den Finanzministerien und den Zentralbanken initiierten Stützungs- und Konjunkturprogramme müssen ihre Wirkung erst noch unter Beweis stellen. Viele dieser Programme bestehen erst auf dem Papier und sind noch gar nicht implementiert. Jene aber, die bereits aktiviert wurden, haben einen positiven Einfluss, beispielsweise auf das Funktionieren des Geldmarktes. Die auf Förderung von Infrastrukturprojekten fokussierten Programme werden erst in einigen Monaten der Wirtschaft einen substanziellen Impuls geben können.
Konjunktureller Aufschwung ausser Reichweite
Damit ist bereits die dritte Bedingung erwähnt: Der konjunkturelle Abschwung muss aufgefangen werden. Die Konsumenten und Unternehmen müssen das sprichwörtliche «Licht am Ende des Tunnels» sehen können, um wieder Investitionen in grösserem Umfang zu erwägen. Davon sind
wir zu Beginn des neuen Jahres jedoch noch weit entfernt. Vorlaufende Indikatoren wie die Auftragseingänge der verarbeitenden Industrie oder Angaben zum Konsumentenvertrauen zeigen noch keine Trendwende und notieren auf sehr tiefem Niveau.
Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft einen harten Winter vor sich hat. Die Wachstumsraten in den industrialisierten Ländern für das erste Quartal 2009 werden deutlich im negativen Bereich liegen. Allmählich werden jedoch die massiven Konjunkturmassnahmen die Wirtschaft wieder beleben. Dies könnte in den USA im zweiten Halbjahr 2009 der Fall sein. Dann wird sich auch der US-Häusermarkt stabilisieren. Das hat sowohl eine positive Wirkung auf der realwirtschaftlichen Seite als auch für den Bankensektor. In der Realwirtschaft belebt eine Stabilisierung die Baubranche und sämtliche mit ihr zusammenhängenden Bereiche. Den Banken helfen stabilere Preise auch bei der Kreditvergabe, da sie den Wert ihres Pfandes wieder besser beurteilen können. In Europa wird die Erholung der Wirtschaft länger auf sich warten lassen.
Aktienmärkte bleiben unstet
Zwar hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten etwas aufgehellt, die Lage bleibt aber angespannt und die Märkte sind launisch. Schlechte Meldungen aus der Wirtschaft und der Unternehmenswelt werden allerdings gelassener entgegengenommen als bisher. Das deutet darauf hin, dass sich die Aktienmärkte auf die Rezession und die nachgebenden Gewinne der Firmen eingestellt haben, was sich auch an verschiedenen Indikatoren wie dem Volatilitätsindex zeigt, der sich von seinen Höchstständen gelöst hat. Die Lage ist jedoch noch alles andere als gefestigt und weitere, starke Kursausschläge sind zu erwarten. Für eine deutliche Erholung der Kurse ist die erwähnte Stabilisierung des Konjunkturverlaufs notwendig. Dann werden die Aktienmärkte den Wiederaufschwung vorwegnehmen und die Kurse auch auf breiterer Front wieder steigen. In der Zwischenzeit ist selektives Handeln an den Märkten gefragt.



























