Schuss aus der Hüfte
Appenzell. Äusserungen von Landammann Daniel Fässler an einem Anlass der GfI sorgen für Unruhe in Innerrhoden. Nur: Fässler betont, diese Aussagen so nicht gemacht zu haben. Und der Fall ist noch nicht zu Ende.
Rückblende: Die Gruppe für Innerrhoden (GfI) liess sich an ihrem Dreikönigstreffen aus berufenem Mund über aktuelle politische Fragen informieren. Landammann Daniel Fässler sprach in diesem Kreis von seiner Arbeit und den ersten Erfahrungen im Amt. Ebenfalls zugegen: Je ein Journalist der «Appenzeller Zeitung» und des «Appenzeller Volksfreund».
Wer nun die Berichterstattung zu dem Abend las, traute seinen Augen nicht. Im Volksfreund entstand das Bild eines Anlasses ohne politische Brisanz.Die Appenzeller Zeitung hingegen zeichnete das Bild einer Palastrevolution. Der Landammann, so konnte man da nicht nur zwischen den Zeilen lesen, stellte amtierende und ehemalige Mitglieder der Standeskommission in den Senkel, kritisierte die Finanzpolitik der Gesamtregierung vehement, zeichnete ein düsteres Bild der Zukunft und stellte grosse Investitionen der Zukunft in Frage.
Erstaunlich, dachte der Leser, dass ein erfahrener Jurist, der zudem nicht als Heisssporn bekannt ist, so vom Leder zieht, auch wenn es in kleiner Runde geschah. Fässler ist zwar relativ neu in der Politik, doch schon vom Beruf und seiner früheren Gerichtslaufbahn her mit Sicherheit eher diplomatisch veranlagt. Andererseits war es schwer vorstellbar, dass ein Journalist hier einfach drauflos fantastierte. Deshalb, und hier Asche auf unser Haupt, zitierte appenzell24.ch Passagen aus der Berichterstattung der Appenzeller Zeitung. Dies in der Annahme, dass eine Zeitung einem Landammann kaum derart schwerwiegende Aussagen in den Mund gelegt haben konnte und es sich daher um Tatsachen handeln musste.
Nur: Genau das ist laut Daniel Fässler nicht der Fall, wie er seither glaubhaft versichert. Aus harmlosen Aussagen und Anmerkungen wurde durch eine hemmungslose Zuspitzung offenbar kurzerhand eine Generalkritik gebastelt. Worte, in der freien Rede geäussert, müssen im Gesamtkontext betrachtet und richtig gewertet werden. Ob das ein wenig erfahrener Journalist kann, ist sehr die Frage. Die Auswirkungen sind verheerend: Seither wird der Landammann – kein Wunder – immer wieder auf den bewussten Artikel angesprochen, viele Innerrhoder sind verunsichert.
Für die Standeskommission und insbesondere den Landammann eine schwierige Situation. Fässler verzichtete allerdings auf eine Gegendarstellung und stellte die Sachlage im Rahmen des Politapéros des Kantonalen Gewerbeverbandes richtig. Der Appenzeller Volksfreund berichtete darüber. Und die Appenzeller Zeitung, tief in ihrem Stolz verletzt, schlug am Samstag zurück. Tenor: Ihr Schreiber habe alles richtig rapportiert, doch der Landammann habe im Nachhinein kalte Füsse bekommen und krebse nun zurück.
Wer hat recht? Ohne am bewussten Anlass zugegen gewesen zu sein, lässt sich das nicht belegen. Allerdings gibt es Indizien. Die Behauptung, der Appenzeller Volksfreund würde so brisante Aussagen des Landammanns einfach unterschlagen, ist sehr unrealistisch; Aussagen, die tatsächlich gefallen sind, hätte man im Volksfreund ohne Zweifel gefunden. Die Appenzeller Zeitung wiederum ist nicht bekannt dafür, es mit der Wahrheit genau zu nehmen, wenn sie andere Ziele im Auge hat. Nur ein Beispiel: Vor nicht allzu langer Zeit wurde – ebenfalls von einem Journalisten mit geringer Berufserfahrung – die Wochenzeitung «Herisauer Zeitung» kurzerhand totgeschrieben, obwohl das Blatt fröhlich weiter erschien.
Wie schlecht die Appenzeller Zeitung die Innerrhoder Verhältnisse ganz allgemein einschätzen kann, zeigt der samstägliche Kommentar der Chefredaktorin. Daniel Fässler habe seine Kritik an der Zeitung «während eines sogenannten Politapéros» geäussert. Dieser sogenannte Politapéro ist einer der wichtigsten Termine im politischen Jahr im Halbkanton. Wenn es darum geht, das falsche Bild, das aus einer abenteuerlichen Berichterstattung entstanden ist, gegenüber den Entscheidungsträgern in Innerrhoden zu korrigieren, gab es keine bessere Gelegenheit.
«Gesagt ist gesagt», titelt die Appenzeller Zeitung in ihrem neuesten Schlag gegen den Landammann. Sicher. Nur: Was wurde wirklich gesagt?



























