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«Schuppel»-ABC für jedermann

Silvesterchläuse kennen alle. Doch weiss man auch, was «Schuppel» sind? Oder, was ist der Unterschied zwischen einem «Schelli» und einem «Rollewiib»? Ein kleines «Chläusler-ABC».

Die Vorbereitungen auf die «fünfte Jahreszeit» laufen auf Hochtouren. Die «Appenzeller Rundschau» klärt auf, warum, wo, wann und wie ge«chlaust» wird.

Warum wird ge-«chlaust»?
Das traditionelle «Silvesterchlausen» ist in den Geschichtsbüchern nicht vermerkt. Jörg Schmid, selbst Chlaus in einem Urnäscher Schuppel, dem «Rössli-Schuppel» weiss: «Das Chlausen ist ein alter, heidnischer Brauch. Damit wollte man in der dunklen Zeit mit viel Lärm die bösen Geister vertreiben, beziehungsweise die guten Geister eintreiben.»

Doch später artete das Silvesterchlausen zunehmend ins Betteln aus und man hat versucht es zu verbieten. Das gelang aber zuhinterst im Urnäscher Tal nicht. Und heute ist das Chlausen wohl einer der bekanntesten und atraktivsten Bräuche in der Schweiz.

Wann wird ge-«chlaust»?
Die Chläuse sind am «neuen» Silvester, 31. Dezember, und am alten Silvester nach dem Julianischen Kalender am 13. Januar unterwegs. Fällt das Datum auf einen Sonntag, sind die Chläuse am Samstag zuvor unterwegs. Früh morgens bis spät in die Nacht hinein wandern die einzelnen Gruppen von Hof zu Hof um zu schellen, zauern und ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Für die Chlausen selbst beginnt die «fünfte Jahreszeit» jedoch bereits viel früher. «Wir treffen uns unter dem Jahr einige Male und beginnen mehr oder weniger im November mit den Vorbereitungen. Auch das gehört zum Chlausen», so Schmid, der bereits seit acht Jahren mit dabei ist.

Wo wird ge-«chlaust»?
Wenn es einen Brauch gibt, den jedes Kind kennt und jeder Tourist kennen lernen will, dann ist es das Silvesterchlausen. Eine Tradition aus dem Hinterland, welche zum unverkennbaren Bild des Winters und des Appenzellerlandes gehört. Mehr und mehr hält der Trend jedoch auch im Mittelland Einzug. So zum Beispiel in Teufen, wo aber nur am neuen Silvester „chlaused“ wird.

Schön, wüescht oder doch schön-wüescht?
«Schuppel» nennen die Einheimischen liebevoll die Gruppen aus mehreren Chläusen. Der Begriff Schönheit scheint in diesem Zusammenhang mehr als relativ zu sein. Denn unterschieden werden drei Arten. Die «schönen Schuppel» sind mit Samtkleidern bekleidet, tragen Hüte und Hauben mit hochwertigen Schnitzereien auf dem Kopf. Die «wüeschte Schuppel» hingegen punkten dadurch, dass ihr „Groscht“ aus Zweigen, Heu, Stechpalmen, Ästen, Laub, Holzwolle, Moos und anderen Naturprodukten gemacht ist und sie furchterregende Larven (Masken) tragen. Sie verkörpern das Dämonische, das Wilde. Ihre wilden Larven sind mit Tierzähnen und Hörnern bestückt. Diese Form von «wüeschten Chläus» kennt man, laut Schmid, seit rund 50 Jahren.

Um die Verwirrung komplett zu machen, dürfen die «schöe-wüeschte Natur- und Waldchläuse» nicht vergessen werden, welche ein feineren Groscht mit Kiefernzweigen, Stechpalmenzweigen, Silberdisteln und Tannenzapfen tragen, sowie mit einem schön gefertigten Kopfschmuck geschmückt sind, der teilweise auch aufwendige Schnitzereien beherbergt.

Jeder Laie erkennt auf den ersten Blick, dass dahinter enorm viel Arbeit steckt. «Ein «wüeschter Chlaus» ist nicht kostspielig, dafür aber ebenfalls zeitaufwändig. Wir arbeiten 20 bis 40 Stunden an einem Groscht. Wobei ein einen «schöner Chlaus» bedeutend länger an seinen „Hube oder Huet“ arbeitet, diese dann aber für mindestens drei Jahre trägt», erklärt Schmid.

«Rollewiiber» vs. «Schelli»?
Häufig werden die Gestalten auch nach ihrem Lärm-Instrument genannt. Der vorderste und der hinterste der Gruppe sind jeweils die «Rollewiiber». Sie sind mit acht oder 13 kleineren Rollen an einem Träger um den Oberkörper bestückt. «Schelli» sind jene Chläuse (drei bis neun Mann), welche eine Schelle oder Doppelschellen tragen. In Urnäsch tragen die «wüeschte Chläuse» nur eine Schelle.

Mögen die Larven der schönen Rolli noch so feminin sein, darunter verstecken sich ausschliesslich Männer. Schmid weiss warum: «Das Chlausen ist für Frauen einfach zu streng. Nur schon von der Konstitution her können sie die Kostüme mit den Glocken nicht tragen, die bis zu 40 Kilogramm wiegen können. Dazu laufen wir 10 bis 20 Kilometer pro Tag, „zauret“ und trinken an jedem Haus» Daher ist das Chlausen immer noch reine Männersache. Ausser beim «Goofeschüppeli», dort machen auch vereinzelt Mädchen mit. «E guet’s Neus»

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 25.12.2007 - 20:14:00