Schritt ohne Zwang und Not
Kommentar. «Never change a winnig team» heisst ein Sportmotto. Bis heute ist unklar, warum punkto Ausserrhoder Wirtschaftsförderung alles anders werden soll.
Politik und Verwaltung sind nicht als besonders dynamisch bekannt. Wenn aber rätselhafte Entscheide argumentarisch untermauert werden müssen, spricht man gerne von «rollender Planung» oder – wie im konkreten Fall – von einem «dynamischen Prozess». Damit werden die Vorgänge um die Ausserrhoder Wirtschaftsförderung erklärt. Im letzten Herbst erhielt die Stiftung, die bis anhin für diese zuständig war, den Auftrag für weitere vier Jahre. Inzwischen ist alles anders geworden: Ein Amt für Wirtschaft muss her, die Stiftung wird bezüglich Wirtschaftsförderung überflüssig, damit kommt es auch zu personellen Wechseln und Abwanderung von Erfahrung und Kompetenz.
Was hinter den Kulissen zu dieser Entscheidung geführt hat, entzieht sich der Kenntnis des Betrachters. Durchaus beurteilbar sind aber die unmittelbaren Folgen. Selbst wenn es gelingt, das Amt für Wirtschaft unter einer neuen Leitung schnellstmöglich auf die Beine zu stellen, vergehen Monate, bis dieses auch nur in Ansätzen zu der Anlaufstelle werden kann, wie es die heutige Stiftung ist. Dass der Kanton eine «Wirtschaftsstrategie» haben möchte, ist nachvollziehbar, aber nicht, wieso diese nicht im Rahmen der heutigen Lösung erarbeitet werden konnte.
Die Stiftung, die bis anhin aktiv war, war mehr als eine blosse «Wirtschaftsförderin». Sie war Anlaufstelle für Industrie und Gewerbe, für Unternehmer und Unternehmen. Und ihre Bedeutung wuchs in den letzten Monaten und Jahren merkbar. Es kristallierte sich eine Drehscheibenfunktion heraus, die im «Haus der Wirtschaft» am Obstmarkt Gestalt annahm.
Appenzell Ausserrhoden steht bezüglich Standortmarketing und Wirtschaftsförderung vor grossen Herausforderungen. Darauf muss man reagieren. Hier wurde allerdings das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Denn was ist einfacher: Funktionierende Strukturen mit bewährtem Personal in einer gemeinsamen Strategie auf zusätzliche Aufgaben vorbereiten oder auf einem leeren Blatt Papier eine völlig neue Lösung zu konstruieren – unter Verlust dessen, was bisher da war? Und was, wenn der Kanton beim neuen Leiter für Amt für Wirtschaft einen Fehlgriff tut? Das würde Ausserrhoden wieder um Monate zurückwerfen, und das in der sensibelsten Periode.



























