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«Schon morgen würde ich dafür stimmen»

AR. Geht es um die Landsgemeinde, scheiden sich die Geister. appenzell24.ch hat dazu einige Leserbriefe gesammelt.

Vor kurzem gab ein Komitee bekannt, sich für die Wiedereinführung der Landsgemeinde stark machen zu wollen. Diese Neuigkeit hat zu teils heftigen Reaktionen geführt – auch unsere Zeitung hat diverse Leserbriefe bekommen. Im Folgenden veröffentlichen wir Auszüge aus ein paar davon als Stimmungsbarometer der Ausserrhoder Bevölkerung.


Hans Bürki, Urnäsch
«Schon morgen würde ich dafür stimmen, die Landsgemeinde wieder einzuführen!»


Walter Künzler, Lutzenberg
«Möglich ist eine Wiedereinführung aus legaler Sicht bestimmt, aus meiner Sicht als Stimmbürger jedoch ganz unwahrscheinlich. Das Anliegen einiger ‹Nostalgiker› steht oder fällt meines Erachtens vor allem mit dem Landsgemeindeort: Dieser muss genügend gross sein, um viele Tausend Bürgerinnen und Bürger fassen zu können, und das war und ist in Trogen wie in Hundwil nicht der Fall.»


Ruth Schaich, Trogen
Aufgewachsen in Speicher und nachher wohnhaft in Trogen habe ich schon als kleines Kind die Landsgemeinde miterlebt. Sorgfältig wurde der Degen poliert und mit grossem Stolz trug ihn mein Vater an der Landsgemeinde. Es galt als selbstverständlich, dass der Degen von Generation zu Generation an den ältesten Sohn weitervererbt wurde. Frühmorgens gab es abwechslungsweise bei einer Familie einen traditionellen Landsgemeindezmorge, nachher machten sich die Männer auf den Weg und wir Frauen unternahmen etwas zusammen mit unseren Kindern. Am Abend traffen wir jeweils wieder mit unseren Männern zusammen und liessen den Tag bei einem feinen Essen irgendwo unterwegs ausklingen.

Seit er Abschaffung der Landsgemeinde gehen wir jeweils fremd. Wehmütig besuchen wir nun halt als Zuschauer die Innerrhoder-Landsgemeinde und staunen, wie gut dieses eigensinnige Völkli mit der Demoratie umgeht.

Es wäre sehr schön, wenn die Initiative zustande käme. Die Zeit heilt bekanntlich viele Wunden und vielleicht bedauern es ja auch einige, damals die Landsgemeinde abgeschafft zu haben.


Paul Preisig, Mitglied Initiativkomitee
«Nur eine Landsgemeinde gibt das unbeschreiblich kraftvolle Gefühl zu einem Volk zu gehören. Dann spielt es nämlich auch keine Rolle, wenn ich aus irgendwelchen Gründen nicht dabei sein kann – das Volk macht es auch ohne mich richtig.

Die Landsgemeinde ist lebendig und spannend. In kürzester Zeit sind Resultate vorhanden. Jeder sieht mit eigenen Augen, wie die Mehrheitsverhältnisse liegen – und er fügt sich, ohne zu murren. Das kann auch unsere Jugend begeistern!

Es gäbe noch viel zu bereden. Neue Argumente für und wider die Landsgemeinde sind eigentlich keine aufgetaucht. Oder vielleicht doch: Ohne Landsgemeinde ist es uns zehn Jahre lang schlechter gegangen (Bevölkerungsschwund, zunehmende Politikverdrossenheit, seelisches Leiden jedes Jahr Ende April und jedes Mal, wenn das Landsgemeindelied am Radio ertönte oder an einer Beerdigung gesungen wurde).»


Patrik Louis (23) aus Stein AR, Mitglied des Initiativekomitees
«Ich bin der Meinung, dass man beim Versuch der Wiedereinführung nicht mehr in das alte Gegner-Befürworter-Szenario zurückfallen sollte. Eine Landsgemeinde kann nur langfristig erfolgreich bestehen, wenn sie von breiten Kreisen der Bevölkerung akzeptiert und getragen wird. Bei dieser fundamentalen Veränderung des politischen Systems sollten auch die durchaus legitimen rechtlichen Vorbehalte der Landsgemeinde-Skeptiker ernst genommen werden. Die Landsgemeinde soll unserem Kanton einen Zusammenhalt bringen und nicht eine erneute Spaltung zwischen möglichen Gegnern und Befürwortern. »


Matthias Zeitz, Präsident der Jungen SVP Ausserrhoden
«Nur die ‹Ewiggestrigen› trauern der Landsgemeinde in unserem Kanton noch immer nach. Als einer meiner ersten politischen Aktionen war es die Abschaffung der Landsgemeinde zu unterstützen und das war zugleich der politische Einstieg. Dieser Meinung bleibe ich noch heute treu und würde diesen Entscheid niemals bedauern. Man sollte mit der Träumerei aufhören und endlich die anderen Demokratiedefizite, die in unserem Kanton noch immer bestehen, wie zum Beispiel Proporzwahlverfahren, endlich korrigieren.»



Ihre Meinung zur Wiedereinführung der Landsgemeinde
Was halten Sie von der Idee die Landsgemeinde im Ausserrhodischen wieder einzuführen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an redaktion@appenzell24.ch.


Weitere Artikel zu diesem Thema:
– Interview mit Herbert Maeder: «Der Kampf ist für mich vorbei», (14.08.2007)
– Interview mit Matthias Seitz: «Nur eine Touristenattraktion», (14.08.2007)
– Interview mit David Zuberbühler «Landsgemeinde: Ja oder Nein?», (13.08.2007)
– Kommentar: «In erster Linie eine Chance», (13.08.2007)
«Komitee will Landsgemeinde wiedereinführen», (13.08.2007)
«Landsgemeinde wieder einführen?», (07.05.2007)
– Heri Sauer: «Wir feiern einen alten Fehler», (21.04.2007)

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 21.08.2007 - 17:03:00