«Schlicht eine grosse Freude»
Affeltrangen/TG. Unter dem Motto: «Gemeinsam feiern» fand vergangenen Sonntag erstmals der Thurgauer Kirchensonntag statt.
Das Echo war überwältigend, der Besucherstrom lag mit 2700 Personen weit über den Erwartungen von etwa 1000 Gästen.
Ein Fest zu Ehren Gottes ist nicht Wagnis sondern Sinn stiftende Gemeinschaft, dachte sich das OK und stellte am den 1. Thurgauer Kirchensonntag auf die Beine. Gerechnet wurde für den kantonalkirchlichen Anlass im Herzen des Thurgaus mit 1000 Personen, gekommen sind rund 2700. Manche Kirchgemeinden organisierten Velo- oder Wandergruppen nach Affeltrangen, andere kamen mit dem öffentlichen Verkehr, reisten im nostalgischem Postauto oder Car an, viele bildeten Fahrgemeinschaften. Trotzdem war bei der Parkplatzzuweisung alle Fantasie der Ordnungskräfte gefragt.
Zentrales Element der Feierlichkeit war der Gottesdienst im Festzelt. Aus Anlass seines 500. Geburtstags stand der Gottesdienst im Zeichen Calvins, der den Protestantismus weltweit entscheidend mitgeprägt hat. «Doch nicht zu Ehren Calvins –das wäre nicht in seinem Sinn – sondern zur Ehre Gottes wollen wir das Fest feiern und Kirche leben» erklärte Kirchenrats- und OK-Präsident Pfarrer Wilfried Bührer.
Landeskirche als buntes Taubenpuzzle
Nur der kleinere Teil fand im 1200 Personen fassenden Zelt Platz, mehr als die Hälfte verfolgte den familienfreundlichen Fest-Gottesdienst von draussen. Dank guter Akustik und Sicht auf die Bühne konnten alle mitfeiern. Die Predigt befasste sich mit dem Kirchenverständnis: Ein Leib –viele Glieder und Jesus als Haupt, der das erste und das letzte Wort hat. Innerhalb evangelischer Vielfalt sollen die 67 Kirchgemeinden der Landeskirche Profil nach aussen zeigen und nach innen zusammenwachsen. Als sichtbares Zeichen dafür gestaltete jede Kirchgemeinde ein Puzzleteil. Im Gottesdienst wurden die 67 Teile von Kindern zusammengetragen und zu einer bunten Taube zusammengesetzt. Die am Bodensee fliegende Taube in den stilisierten Umrissen des Kantons Thurgau soll aufzeigen, dass Kirche nicht rückwärts gewandt ist, sondern die Gegenwart vor Gott bringen will. Thomas Alder, Jugendbeauftragter, erklärte den Kindern anhand des Puzzles auf humorvolle Weise, was Kirche ist bevor sie sich in altersentsprechenden Kindergottesdienstgruppen versammelten. Fast 500 Kinder feierten so separat in der Kirche, im Kirchgemeindehaus oder in der Kinderhüeti .
Eines von Calvins Anliegen in seinem Gottesdienstverständnis war, dass die Anbetung mit Psalmen in der Sprache des Volkes singbar gemacht wird. Als Vorreiter des Kirchgesangbuches hätte er wohl die musikalische Anbetung durch den Thurgauer Trachtenchor, den Swiss Gospel Choir, den gemeindeübergreifenden Kirchenchor und den volltönenden Gemeindegesang geschätzt und wie die Gottesdienstgemeinde seine Freude daran gehabt.
Suppe gestreckt, Wienerli geteilt
Etwas von der befreienden Botschaft des Evangeliums konnte das hungrige Kirchenvolk beim Mittagessen und im nachmittäglichen Unterhaltungsprogramm erfahren. Die Kirche lud zu Suppe, Brot und Most ein. Statt des zu erwartenden Chaos am Suppenstand waren alle bestens gelaunt und wurden satt. Pfarrer Jürgen Neidhardt aus Sitterdorf meinte: «Immer wenn etwas knapp wurde, war kurze Zeit später wieder genügend da. Das war total eindrücklich.» Einer Besucherin kam die Speisung der 5000 in den Sinn und andere freuten sich, dass es statt einem Paar Wienerli nur eine Wurst gab, aber dafür für jeden.
Auf der Spielwiese wurde ein abwechslungsreiches Kinderprogramm geboten. Clown Olli Hauenstein trat zweimal im vollbesetzten Kirchgemeindesaal auf, die Thurgauer Rondabout-Gruppen zogen mit Hip-Hop Darbietungen vor allem das jüngere Publikum im Festzelt an und das Pfarrer-Chörli bot die Thurgauer Uraufführung der Calvin-Hymne und begeisterte mit Salonmusik und Witz auf hohem Niveau.
Als echtes Highlight bezeichnete es eine junge Besucherin aus Neukirch an der Thur, dass die Evangelische Kirche es geschafft habe, für alle Altersgruppen, sogar für Jugendliche, das Passende anzubieten. «Die Musik im Gottesdienst ist immer moderner geworden und ich habe eine klare Glaubensbotschaft gefunden. Genial.»
Trotz des überwältigenden Erfolgs, ist es für Kirchenratspräsident Wilfried Bührer noch zu früh, über einen nächsten Thurgauer Kirchensonntag zu sprechen. «Ich habe schlicht eine grosse Freude».



























