Schärfste Rechtspraktik
Im Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Aids-Fachleuten und Betroffenen innerhalb und ausserhalb Europas, sieht sich die Aids-Hilfe Schweiz in ihrem internationalen Engagement bestätigt.
Zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz 2008 zieht die Delegation der Aids-Hilfe Schweiz eine positive Bilanz ihrer Teilnahme. Sie legte die Schwerpunkte auf die Prävention und die Rechte von Menschen mit HIV. Im Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Aids-Fachleuten und Betroffenen innerhalb und ausserhalb Europas, sieht sich die Aids-Hilfe Schweiz in ihrem internationalen Engagement bestätigt. Es braucht dieses Engagement, um Probleme in der Schweiz zu lösen. Aus der Fülle des Programmangebotes widmeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Themenkreisen «Prävention für Männer, die Sex mit Männern haben», «Angebote für Sexworkerinnen», «Strafbarkeit der HIV-Übertragung», «Diskriminierung HIV positiver Menschen» sowie «medizinische und biomedizinische Forschung» besondere Aufmerksamkeit.
Von der Medizin zur Politik
Auffallend in den letzten Jahren war die Veränderung der Schwerpunkte der Welt-Aids-Konferenzen von eher bio-medizinischen hin zu politischen Inhalten Geopolitisch lagen die Schwerpunkte in der Dritten Welt, abgesehen von Subsahara Afrika nahmen Lateinamerika und andere Schwellenländer einen grossen Raum ein. Neben den bekannten Forderungen nach «Access to Treatment», also dem Zugang zu antiretroviralen Medikamenten auch in den armen Ländern, waren immer mehr Forderungen nach Anti-Diskriminierung zu hören. Eine Problematik, die nach über 20 Jahren HIV auch in der Schweiz virulent ist.
Prävention
Die Prävention hatte in Mexiko einen wichtigen Stellenwert. Im Zentrum standen Fragen, wie stark betroffene und vulnerable Gruppen erreicht werden können. Es ist erkannt und anerkannt worden, dass die Primärprävention insbesondere mit peer- und Outreach-Ansätzen und Interventionen die auf Verhalten und Verhältnisse abzielen, viel erreicht hat. Neu drehte sich in Mexico auch die Diskussion um den Einsatz von antiretroviralen Medikamenten als präventive Massnahme. Die Aids-Hilfe Schweiz anerkennt den Nutzen der Therapie als Teil von präventiven Massnahmen. Dies aber eher in Ländern mit sehr hoher Prävalenz. Für die Aids-Hilfe Schweiz bleiben zielgruppenspezifische Programme, insbesondere für Gruppen mit hoher Prävalenz und besonderer Vulnerabilität erste Priorität zur Verhinderung weiterer Ansteckungen mit HIV in unserem Land. Vor allem im Bereich MSM, Männer die Sex mit Männern haben, sind weitere Anstrengungen notwendig. Dass die Schweiz mit diesem Problem nicht alleine da steht, zeigten die Präsentationen und Diskussionen am Kongress deutlich. Die Aids Hilfe Schweiz begrüsst auch Stimmen die ein stärkeres Zusammengehen von Therapie und Prävention forderten.
Leben mit HIV
Die Strafbarkeit der HIV-Übertragung und damit die Kriminalisierung der HIV-Positiven wurden in 9 Symposien und 11 Postern thematisiert und diskutiert. Die Konferenz fand zu einem Konsens: Strafbestimmungen gegen Menschen mit HIV sind unwirksam und gefährlich. In dieser Frage ist die Schweiz leider Spitzenreiter; hat sie doch eine der schärfsten Rechtspraktiken. Aber auch allgemeine Fragen der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV (zum Beispiel: Berufsleben und restriktive Einreisebestimmungen) standen auf der Tagesordnung der Konferenz und machten einen eigentlichen Schwerpunkt aus. Die Diskussion um das von der Aids-Hilfe Schweiz unterstützte EKAF-Statement wurde an einem sehr gut besuchten Symposium weitergeführt und vertieft.
Forschung und Entwicklung
An der Internationalen Aids-Konferenz 2006 in Toronto wurde der Einsatz von Mikrobiziden und Impfstoffen schon fast als Wunderwaffe im Einsatz gegen HIV angepriesen. Doch die Ergebnisse der Studien waren mehr als enttäuschend. In Mexico wurden nun mit demselben Enthusiasmus Mikrobizide der 2. Generation vorgestellt. Mit ersten Studienergebnissen kann aber erst 2010 gerechnet werden. Nach wie vor wurde ein Defizit in der sozialwissenschaftlichen Forschung festgestellt. Die Aids Hilfe Schweiz ist der Meinung, dass für ein besseres Zusammenarbeiten aller Kräfte mehr und klarere Daten zum Beispiel in der Prävention nötig sind.
Fazit
Die Aids-Hilfe Schweiz sieht den Nutzen ihrer Teilnahme an der Internationalen Aids-Konferenz einerseits in der immensen Fülle von Informationen, welche in kurzer Zeit aufgenommen werden können, andererseits in der Möglichkeit von informellen Treffen mit medizinischen Fachleuten, politischen VertreterInnen, Betroffenen und anderen Aids- Organisationen. Die Aids-Hilfe Schweiz wird die an der Konferenz erhaltenen und erarbeiteten Informationen sowie die in den Diskussionen aufgenommenen Impulse an einer nationalen Tagung im Oktober vermitteln sowie die Trends und deren Folgen für die Aids- Arbeit in der Schweiz diskutieren.
Über die Aids-Hilfe Schweiz
Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 36 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.
Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen. Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.aids.ch.



























