Rundgang durch das Wunschmuseum
Appenzell. Das Museum Liner zeigt zum zehnjährigen Jubiläum eine Sonderausstellung zum Thema Architektur.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist das von den Zürcher Architekten Annette Gigon & Mike Guyer im Auftrag der Stiftung Liner gebaute Museum Liner, das im September 1998 eröffnet wurde.
Das fabrikartige Gebäude mit den auffälligen Chromstahlschindeln steht trotz anfänglicher Skepsis in der Bevölkerung wie ein Fels in der Brandung. Je nach Witterung präsentiert sich das Museum als leuchtend-glänzende Zackenlandschaft oder schlafendes Tier mit geschuppter Haut.
Gigon/Guyer haben in Appenzell eine Kunstfabrik geschaffen, die Innen und Aussen verbindet. Grosse Fensterfronten öffnen den Blick in alle Himmelsrichtungen. Aber auch das schwellenlose Museum selbst verschliesst sich nicht der Aussenwelt und öffnet mit einer breiten Fensterfront den Blick auf das gesamte Foyer.
Bildungsstation für Architekten
‹Das Museum Liner ist seit seiner Eröffnung Bestandteil der ‹Grand Tour›, der Bildungsreisen der Architekten›, schreibt Roland Scotti, Kurator der Stiftung Liner, in der Begleitpublikation zur Ausstellung. Diese ‹Forscher und Sammler› machen fast 20 Prozent der jährlich rund 20 000 Museumsbesucher aus.
Die Ausstellung will die Architektur zur Wirkung bringen. Funktionale Tradition und formale Innovation treffen beim Musuem Liner gekonnt aufeinander. In den zehn Kabinetten ist für die Sonderausstellung eine visuelle Tour zur Museumsarchitektur entstanden.
Sehnsüchte und Albträume
Die Ausstellung ‹Museen: Schöner Bauen – Besser Schauen, Architektur- und Denkbilder› ist auch als Kommentar zum praktischen Umgang mit der Institution Museum konzipiert.
Die ‹Architekturträume› von Miriam Cahn leiten den Rundgang durch das Wunschmuseum ein. In Öl bannt die Basler Künstlerin Räume der Sehnsucht und des Albtraums auf die Leinwand.
Einen ironischen Kommentar geben Andres Lutz & Anders Guggisberg mit ‹Die erste grosse Einzelausstellung›. Beim Betrachten des überbordenden Architekturmodells des Künstlerduos von 1999 gerät man immer wieder ins Staunen.
Der vom Künstler Rémy Zaugg 1986 gehaltene und 1998 publizierte Vortrag ‹Das Museum, das ich mir erträume›, oder ‹Der Ort des Werkes und des Menschen› ist der eigentliche Wegweiser der Ausstellung. Der Essay wird von Gigon/Guyer als Anregung der Konzeption ihrer musealen Räume bezeichnet.
Dokumentation und Interpretation
Die Fotografie vereint Dokumentation und Interpretation einer Institution, die heute ihren Platz zwischen Forschungsstätte und Eventhalle sucht. Das klassische Museum als ‹Schatzkammer der Weltkultur› kommt dabei nicht zu kurz: Sei es in den grossformatigen Bildern von Candida Höfer des Louvre oder Reinhard Görners Fotografien des Berliner Pergamonmuseums, die auch Publikum zulassen.
Beat Streulis Fensterarbeit ‹Students – Den Haag 2006› eignet sich den Leseraum im Museum Liner an. Streulis Arbeit zeigt vier Studenten, die je nach Blickwinkel nach Innen oder Aussen schauen und auf das Osmotische in der Arbeit von Gigon/Guyer verweisen.
Die Ausstellung dauert bis zum 8. Juni, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr, 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis17 Uhr.



























