«Reset oder Standortbestimmung?»
St.Gallen. Der Rektor der Universität St.Gallen, Ernst Mohr, überreicht 221 Absolventen ihre Master of Arts.
Am 28. März haben 221 Absolventinnen und Absolventen anlässlich des Master Graduation Day ihren Master of Arts (M.A. HSG) an der Universität St.Gallen überreicht bekommen: In seiner Festrede sprach Rektor Ernst Mohr in Zeiten der Finanzkrise über Weggabelungen im Leben, die einen Entscheid über ein «Reset oder Standortbestimmung» erforderten. Der oikos Sustainability Award 2009 wurde für die beste Master-Arbeit an Vincent Rittener-Ruff (M.A. in Accounting and Finance) verliehen.
In folgenden Programmen bekamen die Absolventinnen und Absolventen ihre Master-Diplome überreicht:
52 Banken und Finanzen;
18 in Informations-, Medien- und Technologiemanagement;
25 in International Affairs and Governance (davon sechs mit dem Zusatzdiplom des Instituts d’Etu-des Politiques in Paris, Double Degree Program mit Sciences Po);
21 in Marketing, Dienstleistungs- und Kommunikationsmanagement;
6 in Quantitative Economics and Finance;
35 in Rechnungswesen und Finanzen;
25 in Rechtswissenschaft;
12 in Rechtswissenschaft mit Wirtschaftswissenschaften;
16 in Strategy and International Management;
11 in Volkswirtschaftslehre;
16 Absolventinnen und Absolventen machten den Zusatzabschluss in Wirtschaftspädagogik.
Das Spiel mit der aufgebogenen Büroklammer
Im Zentrum des Tages stand die feierliche Übergabe der Diplome durch Rektor Ernst Mohr.
Die Rede des Rektors setzte sich mit «Reset oder Standortbestimmung» – Verhaltensmustern – auseinander, die bei Menschen in grundlegenden Entscheidungen im Leben, an «Weggabelungen» oder bei ausserordentlichen Ereignissen, zu beobachten sind. Ernst Mohr grenzte die Begriffe Reset und Standortbestimmung klar voneinander ab: Die Reset-Funktion sei das Zurückversetzen auf die «werkseitig programmierte Grundeinstellung», während die Bestimmung des Standortes das voll-ständige Infrage-Stellen mit sich ziehe: «Das Gerät erst einmal in die Ecke legen und den Absturz zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob wir das Gerät überhaupt noch brauchen.» Die gängige Herangehensweise sei jedoch, das Gerät so schnell wie möglich wieder parat für die gewohnte «Funktion» zu machen.
Dieses Verhaltensmuster zeige sich besonders in der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise. «Wir müssen so schnell wie möglich in geordnete Verhältnisse zurückkommen», zitierte Ernst Mohr eine typische Aussage aus der Finanz- und Wirtschaftspraxis. Unter den Aspekten einer echten Standortbestimmung müsse jedoch hinzugefügt werden, dass die «geordneten Verhältnisse auch durchaus ganz andere als die bisherigen sein könnten». Entscheidendes Kriterium, ob jemand einen Reset mache oder eine Standortbestimmung, seien nicht die Antworten, die er sich gebe, sondern die Fragen, die er sich stelle. Dies seien die eigentlichen Anforderungen. Sein Appell an die Zuhörer galt der Verantwortung, die jeder einzelne habe, egal ob Konsument, Politiker, Medienschaffender, Professor, Rektor oder Absolvent, sich diesem Impuls zu stellen und ihn zu bekämpfen – und nicht die «aufgebogene Büroklammer» in den Reset-Knopf hinterm Ohr zu stecken und einfach auf «Werkseinstellung» umzustellen. Er erläuterte den Unterschied zwischen Reset und Standortbe-stimmung auch am Beispiel der HSG.
Radikales Hinterfragen statt schnelles Funktionieren
Die Rede des HSG-Rektors war ein Plädoyer an die frisch ernannten Master of Arts, sich der Verlo-ckungen des Resets per Knopfdruck sowohl im Privat- wie auch im Berufsleben bewusst zu werden und zu verwehren. Statt dessen empfahl er ihnen, Dinge radikal zu hinterfragen – und sich dafür die notwendige Zeit zu nehmen. Sein wichtigster Ratschlag für die HSG-Absolventen war, den Mut zu haben, sich an unerwarteten Weggabelungen im Leben neu zu orientieren. Dies sei keine Verfehlung, der Fehler sei nur der vorschnelle Reset auf die Werkseinstellung.
Preis für beste Master-Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit
Im Rahmen des Master Graduation Day wurde zum zweiten Mal der oikos Sustainability Award in Höhe von 3000 Franken für die beste Master-Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit vergeben. Der Preis, den die Studierendenorganisation oikos St.Gallen ausschreibt, setzt sich für die Integration sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte ein. Der vom diesjährigen Preisträger Vincent Rittener-Ruff entwickelte Ansatz in seiner Arbeit «Holcim Sustainability Value – A Corporate Assessment of the Sustainability Value Approach» berücksichtigt soziale Kriterien bei der Unternehmens-Evaluierung.
Festliches Rahmenprogramm
Die Festlichkeiten der einzelnen Master-Programme begannen bereits am Vormittag. Daneben gab es Kunstführungen an der Universität, ein mobiles Fotostudio sowie die St.Galler «Gassenküche» der Stiftung Suchthilfe, die für die Verpflegung sorgte. Der Master Graduation Day endete mit der von HSG Alumni organisierten Graduation-Party in der Seeger Bar.



























